26.06.2017, 13:43 Uhr

Kaisermühlen: Das Grätzel am Wasser

Norbert Kainc am Polizeisteg: „Viele Kaisermühlner haben statt einem Schrebergarten ein kleines Boot.“

Das Grätzel hat eine bewegende Vergangenheit und hat sich vom Armuts- zum Luxusviertel entwickelt.

DONAUSTADT. Wasser hatte in Kaisermühlen schon immer eine wichtige Bedeutung – das weiß niemand besser als Norbert Kainc. Er ist Co-Autor des im Herbst erscheinenden Buches „Kaisermühlen – Diener vieler Herren“ und Betreiber der Homepage www.kaisermühlen.eu. Als solcher hat er Geschichte und G’schichteln aus dem Grätzel zusammengetragen. Der Techniker und Wirtschafter hat so die Entstehung von Kaisermühlen im 19. Jahrhundert zu Papier gebracht. „Für echte Kaisermühlner gilt nur die Gegend zwischen Kaiserwasser, Alter Donau, Entlastungsrinne und Wagramer Straße als Kaisermühlen“, so Kainc. Eine Gegend, die vom Wasser dominiert wird.

Kaisermühlen als Hungerinsel

Ursprünglich gehörte Kaisermühlen dem deutschen Ritterorden. 1844 kaufte Erzherzog Ludwig, der Bruder des Kaisers, das Gebiet. Durch das Gemeindegesetz wurde Kaisermühlen 1850 territorial der Leopoldstadt zugeordnet. Wasser spielte auch bei der Besiedelung und der bei wirtschaftlichen Entwicklung eine wesentliche Rolle. Zunächst kam es aufgrund der ständigen Versandung durch die Hochwasser zu einer Verlagerung der Schiffsmüllner aus der Krieau nach Kaisermühlen und damit zur ersten Besiedelung.

Es folgte die Dampfschiffstation, die dem Grätzel wirtschaftlichen Aufschwung mit Wirtshäusern, Touristen und den Bewohnern damit Jobs verschaffte. Allerdings kam es nach der Regulierung der Donau durch die fehlende Strömung zum Niedergang. „Kaisermühlen wurde damals als Hungerinsel bezeichnet“, so der Autor. Die billigen Arbeitskräfte und das Wasser machte schließlich die Textilindustrie auf das Gebiet aufmerksam, die bis Mitte der 70er-Jahre für eine gute Wirtschaftslage sorgte.

Luxusgrätzel am Wasser

Heute zählt Kaisermühlen zu einer beliebten und teuren Wohngegend. Auch das Gänsehäufel, Europas größtes Freibad, findet sich hier. Die Alte Donau ist an vielen Stellen frei zugänglich – somit sind Kaisermühlner in Badeoutfits auf der Straße keine Seltenheit. Apropos Alte Donau: „Die Uraufführung des Donauwalzers 1867 erfolgte vor der Donauregulierung, daher war mit der Donau die Alte Donau gemeint“, erzählt Kainc schmunzelnd eine alte Kaisermühlen-Geschichte.
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