16.01.2018, 13:45 Uhr

Wiener Linien: Aus für Fahrscheinverkauf in den Bussen

Seit 1. Jänner gibt es in den Bussen der Wiener Linien keine Fahrscheine mehr. Gerade für Senioren keine ideale Lösung, wie viele finden. (Foto: Wiener Linien / Thomas Jantzen)

Seit 1. Jänner gilt "Vorsorge statt Spontankauf". Grund für das Einstellen des Ticketsverkaufs sei die mangelnde Nachfrage nach Fahrscheinen in Bussen gewesen.

WIEN. Bestimmt jeder Öffinutzer kam schon einmal in die Verlegenheit, seine Fahrkarte bei der Fahrerin kaufen zu müssen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Vergessen, die Monats- oder Jahreskarte rechtzeitig nachzuordern, Wochenend-Öffifahrt statt Auto, oder man ist gelegentliche Buspendlerin im 26A und schlecht vorbereitet. Bisher gab es in diesen Fällen die rettende Möglichkeit, den Fahrschein direkt im Bus zu erstehen. Immerhin ist, wie die Wiener Linien selbst sagen, Schwarzfahren die teuerste Variante, mit ihnen unterwegs zu sein. Mit dem Jahreswechsel hat sich die Strafe fürs Einsteigen ohne gültigen Fahrausweis um zwei Euro auf 105 erhöht. Gleichzeit wurde aber auch der Fahrscheinverkauf in den Bussen eingestellt.

Silvia S. hat das nach einem zweiwöchigen Urlaub bei der ersten Fahrt in die Arbeit feststellen müssen. "Da ich im Ausland war, habe ich vergessen, mir eine neue Monatskarte zu kaufen", erzählt die Kagranerin. Als rechtschaffene Person wollte sie sich im U-Bahn-Zubringerbus Ersatz besorgen, hatte wie verlangt auch das Kleingeld abgezählt parat. Vom Fahrer kam allerdings die ernüchternde Antwort "Fahrscheine haben wir nicht mehr".

Die Wiener Linien rechtfertigen das Ende des Direktverkaufes damit, dass der Fahrscheinverkauf im Bus "in den letzten Jahren kaum noch genutzt" worden sei. "Von allen Fahrgästen der Wiener Linien haben lediglich 0,06 Prozent ihren Fahrschein im Bus gekauft. Das sind nur drei Tickets pro Tag und Lenker", heißt es. Zusätzlich sei der Verkauf im Bus mit hohen Vertriebskosten verbunden und habe immer wieder für Verzögerungen im Fahrbetrieb gesorgt.

Abhilfe durch WienMobil-App

Silvia S. fühlt sich wie vor den Kopf gestoßen. "Da ist man sogar bereit, Deppensteuer für ein teureres Einzelticket zu zahlen, und muss dann erst recht in aller Frühe zur nächsten Trafik hetzen", resümiert sie. Die Wiener Linien verweisen diesbezüglich auf die rund 900 Trafiken in ganz Wien, Ticketautomaten in jeder U-Bahn-Station, den Online-Ticketshop und die Ticketstellen bei denen "auch auf Vorrat" gekauft werden könne.

Nun ist aber der Fahrscheinkauf im Bus meist ein aus der Not geborener Spontankauf. Die Wiener Linien empfehlen für diese Fälle die WienMobil-App: "Mit nur wenigen Klicks hat man seinen gewünschten Fahrschein auch unterwegs gelöst." Um diese Funktion nutzen zu können, muss man die App allerdings heruntergeladen haben, registriert und eingeloggt sein. Ganz abgesehen davon, dass beispielsweise Senioren oftmals kein internetfähiges Smartphone besitzen.
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Karl Maurer aus Krems | 17.01.2018 | 20:13   Melden
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Freddy Burger aus Meidling | 20.01.2018 | 23:00   Melden
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Karl B. aus Liesing | 24.01.2018 | 18:50   Melden
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