Gedenkschloss Hartheim
Eine Spurensuche nach dem Wert des Lebens

Alte Ansicht des Schloss Hartheims.
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  • Alte Ansicht des Schloss Hartheims.
  • Foto: Lern- und Gedenkort Hartheim
  • hochgeladen von Julia Mittermayr

ALKOVEN (hb). Das Lern- und Gedenkschloss Hartheim arbeitet seine Vergangenheit auf und widmet sich der Zukunft.

Im Dezember 1944 war man auf Schloss Hartheim dabei, Spuren der eigenen Vergangenheit zu beseitigen: der Vergasung von 30.000 Menschen. Umfangreiches Aktenmaterial wurde verbrannt und KZ-Häftlinge wurden gezwungen, die 1940 erbaute Gaskammer und das Krematorium zu beseitigen. Im Schlossgarten wurden Brillen, Prothesen, religiöse Gegenstände, Schmuck, Knochenfragmente sowie Häftlingsmarken in mehreren Gruben verscharrt. Nichts durfte mehr an 18.269 behinderte Menschen erinnern, die bis August 1941 ermordet wurden. Zwei Wochen bevor das Euthanasie-Programm „T4“ abgebrochen wurde, kam in Hartheim bereits der erste Transport von Häftlingen aus Konzentrationslagern an.

Mantel des Schweigens

12.000 Menschen wurden bis November 1944 unter dem Decknamen „14f13“ mit Kohlenmonoxid vergast. Nach dem Ende des Terrorregimes des Dritten Reiches breitete sich wie fast überall in Österreich ein Mantel des Schweigens, kollektiven Verdrängens und Vergessens über die Schrecken der Vergangenheit. Bei Grabungsarbeiten für die Verlegung eines Fernheizungsrohres stieß man im Herbst 2001 auf der Ostseite des Schlosses auf diese Gruben und barg über 8.000 Gegenstände – stumme Zeugen brutal ausgelöschter Existenzen und vergessener Schicksale. Menschen, die in den Augen des NS-Regimes „lebensunwertes Leben“ darstellten, denen jeglicher Wert und Platz im „rassenreinen“, erbgesunden und leistungsfähigen deutschen „Volkskörper“ aberkannt wurde.

Dem Erinnern widmen

Seit 2003 ist im Schloss ein Lern- und Gedenkort eingerichtet, das der historischen Faktenvermittlung und gedenkendem Erinnern gewidmet ist. Ebenso wirft die Dauerausstellung „Wert des Lebens“ aktuelle Fragestellungen auf. „Wichtig ist es uns, nicht nur den in Hartheim ermordeten Menschen zu gedenken, sondern auch die Debatte über aktuelle medizinische und gesellschaftspolitische Entwicklungen zu führen", erklärt Leiter Florian Schwanninger. "Durch unsere Arbeit soll die Diskussion über biomedizinische und medizinisch-ethische Entwicklungen der jüngsten Zeit gefördert und ebenso die Situation von Menschen mit Behinderungen und ihre Forderungen zur Sprache gebracht werden.“

Text und Recherche von Heinz Bauer (hb, Regionautenprofil).

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