03.05.2018, 05:00 Uhr

Der drohende Tod des Ortskerns

Etwa 20.000 Fahrzeuge fahren täglich über die B129 durch Alkoven – ein attraktiver Standort für die Supermärkte. (Foto: Uibner/BRS)

In Alkoven entstehen drei neue Supermärkte, aber der Ortskern droht dadurch weiter auszusterben.

ALKOVEN (fui). Auf einen Schlag ist die Gemeinde Alkoven bald um drei große Supermärkte reicher. Der Bau der neuen Lidl-Filiale in Straßham hat bereits begonnen, in Alkoven entstehen westlich der Berghamerstraße ein Eurospar und ein Hofer. In der Gemeinderatssitzung am 18. April wurden die letzten nötigen Widmungen für die Bauten beschlossen.

Kleinunternehmer schützen

Gleichzeitig brachten die Grünen Alkoven einen Zusatzantrag ein, mit dem die im Ort verbleibenden Kleinunternehmer geschützt werden sollen. "Wir möchten ein Gegengewicht zu den großen Geschäften schaffen, die Kleinbetriebe im Ort erhalten und gemeinsam mit externen Beratern Konzepte für die Zukunft entwickeln", erklärt Grünen-Fraktionsobmann Reinhold Huber. Der Antrag der Grünen wurde von allen Fraktionen im Gemeinderat angenommen. "Wie viele andere Gemeinden kämpft auch Alkoven mit dem Erhalt eines Zentrums. Umso wichtiger ist jetzt der Schulterschluss aller Fraktionen", erklärt Martin Schönauer, zweiter Vizebürgermeister (ÖVP).

Alkoven ist Beispiel für einen Trend, der viele Gemeinden in ganz Österreich betrifft. Große Supermärkte siedeln sich entlang der stark befahrenen Straßen außerhalb des Ortes an, während die Ortszentren aussterben. "Das Ortszentrum von Alkoven wird immer ausgehöhlter, außerdem wird es von der B129 regelrecht durchgeschnitten", so Schönauer weiter. Eine komplette Neugestaltung ist schwierig, denn der Ortskern wird zusätzlich vom Hochwassergebiet begrenzt. "Langfristig müssen wir die Vielfalt im Ort sichern, vor allem sind auch viele ältere Personen auf einen Nahversorger angewiesen", meint Huber.

Keine Nachfolger für kleine Geschäfte

"Wir müssen die Ortskerne beleben und attraktiver gestalten, sonst sterben die Orte", so Erich Deinhammer, seit 47 Jahren selbstständiger Architekt und Stadtplaner, der auch mit der Entwicklung von Alkoven und Straßham betraut ist. "Für die kleinen Lebensmittelgeschäfte finden sich kaum Nachfolger oder Betreiber, die verschwinden aus den Zentren", erklärt Deinhammer "Aber ein Zentrum muss attraktiv sein, muss Leute anziehen – zum Beispiel mit einem Wirtshaus, Ämtern, sozialen Einrichtungen oder spezialisierten Geschäften wie einer Blumenhandlung." Bei der Neugestaltung und Attraktivierung von Ortskernen macht den Gemeinden und Planern auch zu strikter Denkmalschutz zusätzliche Probleme. Denn dieser sorge für erhebliche Mehrkosten, erklärt Deinhammer.

Einkaufstempel statt Nahversorger

Kommentar von Florian Uibner

Wie Alkoven geht es vielen Gemeinden. In den Gewerbegebieten außerhalb des Ortes oder auf "die grüne Wiese" werden große Einkaufstempel gebaut, die Nahversorger im Ortskern sterben aus. Zu behaupten, daran wären nur die großen Supermarktketten schuld, ist aber falsch. Denn schließlich haben wir als Konsumenten die Wahl, wo wir einkaufen. Außerdem stellt sich die Frage, ob ein Ortskern unbedingt ein Lebensmittelgeschäft braucht. Eine Blumenhandlung oder ein Frisör, ein Wirt oder attraktiv gestaltete Parks und Plätze bringen auch die Menschen zurück ins Zentrum und damit wieder Leben in die vom Aussterben bedrohten Ortskerne. Der einzige Wahnsinn an den Märkten vor den Toren der Gemeinde ist, dass sie extrem viel Boden verbrauchen – für einen großen Parkplatz und ein eingeschossiges Gebäude.
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