02.02.2012, 06:00 Uhr

Fast 700 Unterschriften für Meiergut gesammelt

Landesobservator Viktor Zotter (Initiative Denkmalschutz) übergab die Unterschriften an Bürgermeister Otto Weinberger.

Bürgerinitiative kämpft für den Erhalt des alten Hofes, ein Wirt um seine Existenz – Denkmalschutz ist jedoch unwahrscheinlich

Ein modernes Wohnhaus ist an der Stelle des 450 Jahre alten Schlüßlberger Meiergutes geplant. Denkmalschützer und ein Wirt wollen das Bauvorhaben verhindern. Die Chancen auf Denkmalschutz stehen jedoch schlecht.

SCHLÜSSLBERG (mak). Wie berichtet soll das Meiergut in Schlüßlberg einem Wohngebäude mit 28 Einheiten weichen. Das gefällt vielen Schlüßlbergern gar nicht. Eine Bürgerinitiative „Zur Rettung des Meiergutes“ hat bereits 683 Unterschriften gesammelt, weitere Listen sind noch im Umlauf. Unterstützt wird diese Aktion von der unabhängigen Initiative Denkmalschutz. Landesobservator Viktor Zotter hat die beglaubigten Unterschriften vergangenen Donnerstag an Ortschef Otto Weinberger übergeben. „Ich habe noch nie erlebt, dass in so einer kleinen Gemeinde in so kurzer Zeit so viele Unterschriften gesammelt werden konnten“, freut sich Zotter. Für ihn stellt der erstmals 1569 urkundlich erwähnte Hof mit den alten Gewölben und Stuckdecken ein absolut erhaltungswürdiges Kulturgut dar. Er vermutet auch unterirdische Erdställe. Für ihn ist es unverständlich, dass für die Errichtung eines Wohnobjektes eine Baugenehmigung erteilt wurde. Laut Weinberger sei jedoch alles rechtens über die Bühne gegangen. „Die Unterschriften sind für mich wertlos“, sagt er.
Dass der Hof tatsächlich unter Denkmalschutz gestellt wird, dazu besteht wenig Hoffnung. Im Gegensatz zur Initiative Denkmalschutz ist das Bundesdenkmalamt nämlich der Meinung, dass Einspringerhöfe wie jener in Schlüßlberg keine Seltenheit darstellen. Es gäbe zahlreiche, weitaus schützenswertere Objekte in Oberösterreich. „Der Meierhof ist zwar in unserer internen Datenbank erfasst, das hat aber nichts damit zu tun, dass er tatsächlich unter Schutz gestellt wird“, so Landeskonservatorin Ulrike Knall-Brskovsky. Wenn der Hof genutzt werden soll, müssten außerdem größere Fenster eingebaut werden und dann könne von einem Denkmal ohnehin keine Rede mehr sein. Ideen für eine Nutzung hätte Denkmalschützer Viktor Zotter übrigens parat. Er spricht von einem Bauernmuseum, einem Jugendzentrum und Gastronomie. Weniger um das alte Gemäuer an sich als um sein Geschäft fürchtet der Gastwirt Andras Weishuber. Er hat einen Vertrag bis 2015, soll aber wegen des geplanten Umbaus bald raus. Mit der Ablöse, die der neue Hausbesitzer Ferdinand Haslehner ihm geboten hat, ist er nicht einverstanden.
Weishuber bleibt standhaft. „So leicht bringt mich hier keiner raus“, sagt er bestimmt. Er ärgert sich außerdem über das Argument, der Hof sei baufällig. „Wenn das Haus baufällig wäre, dürfte ich hier wohl kaum ein Gasthaus betreiben“, erklärt der Gastwirt. Bau- und Immobilienunternehmer Haslehner will mit seinem Wohnprojekt jedoch schön langsam loslegen. „Die Wohnungsinteressenten fragen schon besorgt nach. Die Geschichte wird langsam geschäftsschädigend“, ist er genervt.
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