13.04.2017, 00:00 Uhr

Flüchtlinge in Eferding: "Kein Interesse mehr"

Der Verein "Gib Menschen eine Chance" bietet regelmäßig Workshops an, wie die Fotogruppe (Bild). (Foto: Manfred Loidl)

Der Eferdinger Verein "Gib Menschen eine Chance" hat weiterhin alle Hände voll zu tun. Neues Projekt: Mit einer Seminarreihe die Eferdinger ins Boot zu holen.

EFERDING (jmi). "Seit dem nicht mehr soviele kommen, verfolgen die Menschen die Thematik nur mehr noch am Rande. Interessenslosigkeit herrscht", erklärt Georg Kreinecker vom "Gib Menschen eine Chance". Es geht um das Thema Asylwerber. Diese finden seit Ende 2015 in dem Eferdinger Verein eine Anlaufstelle samt Deutschkursen, Sprachcafé und Workshops. Diese regelmäßigen Treffen werden auch weiterhin veranstaltet – aus einem wichtigen Grund: "Es gibt sehr viel Privatverzug. Einrichtungen werden geschlossen, viele Asylwerber wohnen in privaten Häusern. Darum ist es notwendig, Möglichkeiten für einen Austausch zu bieten. Es gibt sonst nichts", so Kreinecker. Nach dem Nötigsten – Unterkunft, Papiere, Deutschkurse – werde jetzt individuelle Hilfe immer gefragter. "Alltägliche Probleme stehen jetzt im Vordergrund, und wie man diese löst. Etwa: Was ist mit Strom und wie kann ich mir diesen organisieren? Es geht jetzt nicht mehr so ums Deutschlernen sondern mehr um individuelle Gespräche."

"Mit unserer Arbeit erreichen wir nur Menschen, die sich auch für andere Kulturen interessieren."

Georg Kreinecker, Vereinsobmann

"Gib Menschen eine Chance" kümmert sich nicht nur um die private Seite sondern hat auch die berufliche im Visier. Für die Handwerkerkurse wurden die Eferdinger Firmen Mittermair, Pecherstorfer, LEHA, Moser und Toferer mit ins Boot geholt. In den 30-Stunden-Kursen erhalten die Teilnehmer – etwa fünf bis sechs pro Unternehmen – einen Einblick in die Arbeitswelt. "Das ist auch notwendig", betont der Vereinschef, "was noch vielen fehlt ist Grundwissen, handwerklich sieht es bei uns ganz anders aus." Positive Rückmeldungen gab es von beiden Seiten – Unternehmen und Flüchtlingen–, ein Problem besteht weiterhin: "Die arbeitsrechtlichen Möglichkeiten bestehen nicht. Ein Riesenproblem: Leute können nicht sinnvoll eingesetzt werden und auch für die Gesellschaft kann keinen Nutzen daraus ziehen. Verlorene Zeit. Auch uns sind die Hände gebunden."

Die Eferdinger ins Boot holen

Eine Herausforderung sieht Kreinecker auch an dem teilweise mangelndem Interesse der Eferdinger. Das soll sich ändern: Im Mai startet die Seminarreihe "In den Schuhen des Orients" in Zusammenarbeit mit dem Insitut Wien. Zu verschiedensten Themen sollen die Eferdinger informiert werden, welche Kulturhintergründe und Lebensgeschichten aus den fremden Ländern stammen. Kreinecker gibt sich hoffnungsvoll: "Ich denke, jene, die interessiert an anderen Kulturen sind und woher die Menschen kommen, werden dieses Angebot sicher annehmen. Aber: Letztlich erreicht man nur die Leute, die bereits offen sind für diese Dinge – andere nicht."

Zur Sache: Verein "Gib Menschen eine Chance"

Der Verein "Gib Menschen eine Chance" besteht seit Ende 2015, und hat werktags von 14 bis 18 Uhr am Stadtplatz 36 in Eferding geöffnet. Seither finden wöchentliche Sprachcafés und der Treffpunkt der Kulturen statt. Deutschlernen sowie das Kennenlernen von Kulturen, Bräuchen und Traditionen steht im Vordergrund. Der Verein hilft bei der Wohnungsvermittlung, Suche bei Ausbildungsplätzen für asylsuchende Jugendliche sowie Arbeitsplätze für anerkannte Flüchtlinge.

Weitere Infos zum Verein finden Sie auf der Homepage.
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