29.11.2016, 17:06 Uhr

Pater Karer bei Papst Franziskus

Nach rund 1500 Kilometern zu Fuß war das Treffen mit dem Papst der Höhepunkt des Weges der Barmherzigkeit. (Foto: Ferdinand Karer)

Nach dem Pilgerweg nach Rom sehnt sich der Dachsberger Schulleiter nach mehr Gelassenheit.

PRAMBACHKIRCHEN (raa). Im Schnitt ging Karer täglich 30 Kilometer, bis er nach 54 Tagen seinen Fußmarsch in die heilige Stadt hinter sich gebracht hatte.
"Die ersten zwei Tage ging es mir wirklich schlecht, und ich suchte schon nach Ausreden, ohne größeren Gesichtsverlust auszusteigen", so Karer, der sein Amt im Gymnasium Dachsberg wieder übernommen hat. Am Ende hat er es aber doch geschafft – und das wesentlich schneller als ursprünglich geplant. Unterwegs war der Pater im Namen der Barmherzigkeit. Als Resümee sehnt er sich nach mehr Gelassenheit im Alltag und nach ein wenig mehr Menschlichkeit. "Beim Gehen lernt man ein anderes Maß für Zeit und auch, sich füreinander Zeit zu nehmen. Wie bei einem Auto, das mit Vollgas an einer Mauer stehend die Reifen durchdrehen lässt, verschleißt auch beim Menschen auf der Hatz nach immer mehr das Profil."

Botschaft des Papstes

"Seid stark in der Nächstenliebe, seid stark in der Freundschaft und betet für mich." Das war die Botschaft, die der Papst Karer für seine Schüler mit nach Hause gegeben hat. "Das ist auch meine Erfahrung des Weges der Barmherzigkeit, dass wir wieder mehr aufeinander schauen müssen", so Karer.
"Es gab mal eine Zeit, da hieß es: Wir wollen vorankommen. Heute heißt es: Ich will vorankommen." So beschreibt der Pater die Probleme unserer Zeit, die von Ängsten geprägt ist. "Was die Hetze und den Stress heute noch mehr verursacht, ist, dass viele Menschen das Gefühl haben, sie müssen alles alleine machen und andere keine Mitmenschen mehr sind, sondern zu Konkurrenten werden." Wir leben in einer Kultur des ewigen Vergleichens, so Karer weiter, "und das schürt nur Neid. Damit haben wir einen verdammten Stress, besser zu sein als die anderen und das halten wir auf die Dauer nicht aus." Viele Menschen heute fühlen sich allein. "Die größte Gefahr, davon spricht auch der Papst, ist die Einsamkeit, und er spricht auch von einem Apostolat des Zuhörens. Wenn sich alles nur um einen selbst dreht, verliert man den Bezug zum 'Du'. Das scheint mir ein ganz großer Mangel in unserer Zeit zu sein, aus dem letztlich die Angst resultiert."
Beim Gehen durch halb Italien hat der Schuldirektor eine Langsamkeit erlebt, die uns allen zu fehlen scheint. "In der Bildung geht es nicht nur um Verfügungswissen, sondern auch um Orientierungswissen. Eine Frage des Warum. Die zu beantworten braucht Zeit, die wir uns nehmen müssen. Das ist wichtiger, als mit einer Riesengeschwindigkeit nur ein Zehntelprozent mehr Wirtschaftswachstum herauszuquetschen."
Für Karer sind die Probleme der Welt selbst gemacht. "Und jetzt suchen wir uns irgendwelche Führerpersönlichkeiten, die uns das Heil versprechen, aber alles nur noch schlimmer machen." Für ihn ist der Ruck nach rechts, weltweit, ein Schrei nach Sklaverei, in der man zwar unfrei, aber ansonsten befreit von Sorgen ist.
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