06.07.2017, 08:56 Uhr

Mit Privatverzug zur Integration

2015 wurden die Container errichtet, um die ankommenden Asylsuchenden unter zu bringen. (Foto: Rotes Kreuz Grieskirchen)
PEUERBACH (fui). Ende Mai verschwanden sie wieder, genau so schnell, wie sie gekommen waren: die Container-Wohnungen des Roten Kreuzes in Peuerbach, in denen etwa 36 unbegleitete Flüchtlinge und Familien untergebracht waren. Für die Bewohner kam der Umzug ebenso überraschend wie für die freiwilligen Helfer in der Gemeinde, die sich für die Asylsuchenden engagieren. Einige Helfer kritisieren diese Vorgehensweise, weil sich dadurch die Asylsuchenden in den Städten ballen. Private Initiativen versuchen diesem Trend entgegenzuwirken. "In Peuerbach sind insgesamt 43 Personen geblieben, die sich hier gut eingelebt haben", erklärt eine freiwillige Helferin aus Peuerbach, die anonym bleiben will. Sie kritisiert dieses Vorgehen scharf: "Im Zuge der Krise hat sich eine wahre Industrie um die Flüchtlingsunterbringung entwickelt. Die großen Hilfsorganisationen betreiben Unterkünfte, in denen Hunderte Personen zusammenwohnen. Dafür werden kleinere Unterkünfte geschlossen und die Asylsuchenden wieder entwurzelt. Dabei ist diese Großinternierung ein absolut unrealistisches Lebenskonzept – wie soll sich da jemand integrieren?" Eine Lösung für dieses Problem sieht die Peuerbacherin im Privatverzug Asylsuchender: "Diese Menschen müssen in kleineren Einheiten untergebracht werden – wenn ich alleine einkaufen oder zum Arzt gehen muss, muss ich auch die Sprache schneller lernen. Peuerbach und die Betriebe hier sind außerdem Vorreiter in der Lehrlingsausbildung von jungen Asylanten. Natürlich haben wir auch Analphabeten dabei, die eine Berufsschule wohl nicht absolvieren können, aber die meisten sind motiviert und engagiert." Betrieben wurden die Wohncontainer vom Roten Kreuz. "Diese provisorische Unterkunft wurde im Herbst 2015 geschaffen, da wir in der Krise einen zwingenden Bedarf an Wohnraum für Asylsuchende hatten – die Menschen brauchten ein Dach über dem Kopf", erklärt Martina Doblhofer, Bezirksstellenleiterin des Roten Kreuzes Grieskirchen. "Im darauf folgenden Jahr war die Zahl der ankommenden Flüchtlinge stark rückläufig, und einige Standorte wurden geschlossen. Das hat aber nicht nur etwas mit Kostenreduzierung zu tun, sondern auch mit angemessenen Unterkünften. Die Container waren von Anfang an als Übergangslösung gedacht, und zum gegebenen Zeitpunkt konnten wir die Menschen in adäquatere Wohnungen übersiedeln. Natürlich haben sich die Neuankömmlinge zum Teil in Peuerbach eingelebt, und es sind persönliche Beziehungen entstanden. Als die Unterkunft aufgelassen wurde, versuchte das Rote Kreuz, so gut wie möglich auf die Wünsche der Bewohner einzugehen. Manche gingen in Privatverzug und blieben in Peuerbach, andere hatten Freunde oder Bekannte in anderen Orten – da gab es sehr unterschiedliche Motive. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Großteil der Asylsuchenden noch keinen positiven Bescheid hat und – so schlimm es klingt – in eine ungewisse Zukunft blickt." Zu dem Vorwurf, durch "Großinternierung" Parallelgesellschaften und Kriminalität in den Städten zu fördern, meint Doblhofer: "Die Konzentration von Asylwerbern in Ballungsräumen hat vielfältige Ursachen – dazu gehört auch die bessere Infrastruktur. Aber wir achten grundsätzlich auf eine räumliche Verteilung der Quartiere, und die meisten beherbergen nur sechs bis acht Personen, die größten maximal zwanzig – das ist keine Großinternierung."
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