Anna Kaiser ist 100 Jahre

Frau Kaiser geht gesund und wohlauf in ihr 101. Lebensjahr.
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WULKAPRODERSDORF. Ausführlich und lebhaft erzählt Frau Kaiser über ihre Herkunft, den kleinen Ort Zanegg, im ehemaligen Komitat Wieselburg in Ungarn. Die Gemeinden im Komitat waren großteils deutschsprachig. Sie lebten von Landwirtschaft und gegenseitiger Unterstützung. Am Bauernhof wuchs sie mit ihren Eltern, der Schwester Elisabeth und den beiden Brüdern Martin und Josef auf.
Geduldig erklärt sie die umständliche Arbeit am Feld, geprägt von ehrlicher Handarbeit. Mit Freuden erzählt sie, wie die Familie und die Nachbarn, alle ebenfalls Bauern, abends nach dem harten Tag am Feld gemeinsam in der Runde saßen und sich Geschichten bis spät in die Nacht hinein erzählten. Und wie es zu einem jähen Ende des idyllischen, selbstbestimmten Lebens kam.

Die Deportation 1946
Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte bekanntlich nicht von einem Tag auf den anderen Frieden und Heiterkeit. Nachdem ihre beiden Brüder Josef und Martin in Budapest bei den Kämpfen gefallen waren, blieb ein weiterer Schicksalsschlag der Familie nicht erspart. Die Entscheidungen der Pariser Friedensverträge führten folgenschwere Entwicklungen für Zanegg herbei, denn in Folge wurden sämtliche deutschsprachige Bürger enteignet, und mit eigens herangeschafften Zügen wurden ganze Gemeinden ausgesiedelt. Zum Großteil nach Deutschland. Da Anna Kaisers Schwester Elisabeth in Wulkaprodersdorf verheiratet war, durften Anna Kaiser, damals noch Diewald, und ihr Vater Mathias in Österreich aussteigen. Der Vater kam erst nach Mönchhof zu einem Weinbauern. Anna Diewald kam nach Wulkaprodersdorf, zur Familie Kaiser, wo sie als Dienstmädchen im Gemischtwarenladen der Familie Kaiser lebte.

Ein neues Leben
"Man darf nie den Mut verlieren", so beschreibt Frau Kaiser ihre Umgangsweise mit den tiefen Einschnitten ihres Lebens. Ihre Mutter war bereits vor der Deportation verstorben, und ihr Vater hatte mit der Aussiedelung Haus und Hof verloren. Doch dort, im Gemischtwarenladen in Wulkaprodersdorf, lernte sie Franz kennen, und die beiden verliebten sich. Franz war Witwer, mit einer Tochter, Maria, im Alter von drei Jahren. 1949 heirateten die beiden, und 1950 wurde Sohn Franz geboren. 1953 konnte dadurch auch der Vater Mathias nach Wulkaprodersdorf zur Familie Kaiser kommen. Gemeinsam versorgten sie mit ihrer Greißlerei das Dorf mit Lebensmitteln ebenso wie mit Schuhen oder Textilien. Am 26. 10. dieses Jahres feierte sie ihren 100. Geburtstag. Frau Kaiser ist wie ein wandelndes Geschichtsbuch, dessen Schrift noch so klar und deutlich geschrieben steht, dass nur ein Narr es nicht lesen wollen würde. Mehr über unsere Jubilare finden Sie unter meinbezirk.at/Jubilare.

Frau Kaiser geht gesund und wohlauf in ihr 101. Lebensjahr.
Anna und Vater Mathias Diewald im Jahr 1947

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