Jugendcoach Ludmila Schindler gibt Tipps
Familienglück in Zeiten von Corona

3Bilder

In der momentanen Situation mit dem Corona-Virus und den darauf folgenden Ausgangssperren kann es für Familien schwer sein, den Haussegen aufrecht zu erhalten. Ludmila Schindler, Pädagogin aus Müllendorf und Wolfgang Gröpel von der Bildungsdirektion Wien geben Tipps um mit der aktuellen Situation besser zurecht zu kommen.

EISENSTADT. Die erste Woche mit Ausgangsbeschränkungen liegt hinter uns, eine Abwechslung der sozialen Kontakte ist nicht wirklich möglich und eine permanente Konfrontation mit den anderen Familienmitgliedern ist kaum zu vermeiden.
Ludmila Schindler, eine Pädagogin aus Müllendorf die erst kurz vor der Krise ihre Gemeinschaftspraxis in Eisenstadt eröffnete, bietet dort Beratungen für Eltern und Schüler an. Sie und Bildungstheoretiker Wolfgang Gröpel geben Tipps, wie Familien in dieser Zeit Krisen gemeinsam bewältigen und vermeiden können.

Dem Tag eine Struktur geben

Sowohl Kinder als auch Erwachsene brauchen Strukturen, um sich gegen Chaos zu schützen. Ein geregelter Tagesablauf vermittelt Sicherheit. Auch wenn derzeit auf Homeoffice und E-Learning umgestellt wird, sollte versucht werden, die Tage weiter wie bisher zu verbringen. Zu lange im Bett zu bleiben oder den ganzen Tag im Pyjama herumzulaufen verhindert einen "dynamischen" Tagesbeginn, was zu Frustration oder längerfristig sogar zu Depressionen führen kann. Alle bisherigen Essen-, Arbeits- und Schlafenszeiten sollten deshalb weiterhin eingehalten werden. Auch wenn die Kinder am nächsten Tag nicht in die Schule müssen, sollten sie nicht jeden Abend bis Mitternacht fernsehen oder am Handy hängen. 

Rückzugsmöglichkeiten finden

Klebt die ganze Familie jede Minute des Tages aufeinander, wird es für alle Familienmitglieder recht schnell anstrengend werden. Auch Kinder brauchen ihre Zeit für sich allein. Die Pädagogin rät dazu, sich mit den Kindern auszumachen wer wann und wo für sich alleine sein will. Ausgeglichen wird die Zeit alleine dann durch gemeinsame Highlights wie das gemeinsame Essen oder ein gemeinsames Spiel. "Nehmen Sie sich zwischen den Ruhe- und Rückzugsphasen und den gemeinsamen Essenszeiten auch Zeit für Gesellschaftsspiele", rät Schindler. Wird ein tägliches Ritual des gemeinsamen Spielens geschaffen, pflegt die Familie gleichzeitig eine Selbstdisziplin, die sich unbewusst auf die gesamte Gestaltung des Alltags positiv auswirkt. 

Jetzt ist die beste Zeit für gemeinsame Spiele oder andere Hobbys.
  • Jetzt ist die beste Zeit für gemeinsame Spiele oder andere Hobbys.
  • Foto: pixabay/jarmoluk
  • hochgeladen von Angelika Illedits

Zeit für gemeinsame Hobbys

Um als Familie wieder näher zusammen zu rücken, bietet die Frage "Welche Hobbys wurden von der ganzen Familie in den letzten Monaten oder Jahren vernachlässigt?" eine Hilfestellung. Auch den Kindern sollte diese Frage gestellt werden.
Nur weil es derzeit nicht möglich ist sich draußen mit anderen zu treffen, heißt das nicht, dass soziale Kontakte überhaupt nicht mehr möglich sind. Digitale Medien helfen dabei, sich mit Freunden, Familienmitgliedern, Bekannten und Nachbarn in Kontakt zu bleiben und sich abzulenken.

Positive Erfahrungen in Erinnerung rufen

"Jede Krise ist gleichzeitig auch eine Chance! Man lernt in Krisenzeiten mehr über sich, als in Zeiten völliger Sorglosigkeit", weiß Ludmila Schindler. In jeder schwierigen Situation kann es hilfreich sein darüber nachzudenken, welchen schwierigen Situationen man in der Vergangenheit bereits ausgesetzt war und wie man diese gemeistert hat. Das kann auch in der Familie besprochen werden, so erkennt jeder wieviel Potential in einem steckt um die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. "Sehen Sie sich nicht als 'Opfer der aktuellen Umstände' und verfallen Sie nicht in Selbstmitleid. Damit ist niemandem geholfen. Ihnen nicht und Ihrer Familie nicht! Machen Sie das Beste aus der jetzigen Situation! Sie können sie nicht ändern", sagt die Expertin.

Sich als Familie gemeinsam an einen Tisch zu setzen und rücksichtsvoll über Probleme zu sprechen, stärkt den Zusammenhalt.
  • Sich als Familie gemeinsam an einen Tisch zu setzen und rücksichtsvoll über Probleme zu sprechen, stärkt den Zusammenhalt.
  • Foto: pixabay/Alexas_Fotos
  • hochgeladen von Angelika Illedits

Klare Kommunikation

"Bei kleinsten Missverständnissen am besten nachfragen, ob man das was gesagt oder vereinbart wurde, richtig verstanden hat", gibt Ludmila Schindler einen Tipp, "denn, wer fragt, gewinnt!" Wenn sich Politiker oder Unternehmensvorstände zu einem Krisenstab versammeln können, kann das eine Familie auch. So können Konflikte und Missverständnisse aus der Welt geschaffen werden. Wichtig ist nur, die anderen Familienmitglieder und ihre Meinungen auch wertzuschätzen und ernst zu nehmen. 

Motivation zum Lernen finden

Die Kindererziehung verlangt Fähigkeiten auf dem Gebiet der Kommunikation, Motivation, Führung, Kreativität, des Konflikmanagements und vielen mehr. Dabei sollte aber niemals auf die drei "Z" vergessen werden: Zuwendung, Zärtlichkeit und Zeit. Wenn sich die Kinder einfach nicht an ihre Hausaufgaben machen wollen oder die Motivation zum Lernen für den nächsten Test fehlt, funktioniert oft ein ganz einfacher Trick: Wetten! Ein Beispiel: "Ich wette, du schaffst es nicht bis 15 Uhr 20 Vokabeln gelernt zu haben!" Kinder lieben Wetten und auch Jugendliche können so ihre Motivation zum Lernen finden. "Geben Sie dabei realistische Zeitvorgaben! Kein Zeitdruck. So lernt ihr Kind sich die Zeit einzuteilen. Es wird schon draufkommen, ob es zu spät oder rechtzeitig mit den Hausübungen begonnen hat oder nicht!", so Ludmila Schindler.

Autor:

Angelika Illedits aus Eisenstadt

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Wirtschaft

Corona-Krise gemeinsam meistern
Hilfe vor Ort mit dem österreichweiten Netzwerk #schautaufeinander

In Ausnahmesituationen wie diesen stehen die Menschen zusammen und helfen sich gegenseitig. Die Regionalmedien unterstützen dies in allen Bundesländern und Bezirken Österreichs mit dem Netzwerk #schautaufeinander. Hier könnt Ihr Dienste suchen oder anbieten, die uns gemeinsam durch diese Krisenzeiten helfen. Du suchst jemanden, der/die notwendige Lebensmittel nach Hause liefert? Du willst dich in deiner Nachbarschaft nützlich machen, oder gibst online Nachhilfe? Dann poste doch deinen...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen