100 Jahre Republik: Schicksalstage
Generalprobe für den Fall der Berliner Mauer

<f>Ein Skulpturenkomposition</f> umringt von Schaukästen mit Zeitungsausschnitten erinnern heute an die Ereignisse in St. Margarethen
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  • <f>Ein Skulpturenkomposition</f> umringt von Schaukästen mit Zeitungsausschnitten erinnern heute an die Ereignisse in St. Margarethen
  • hochgeladen von Hannes Gsellmann

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, zu bröckeln begann sie jedoch in St. Margarethen

ST. MARGARETHEN. In 100 Jahren Republik Österreich blickt auch das Burgenland auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Neben der ersten Zusammenkunft des Burgenländischen Landtags 1922, den Schüssen von Schattendorf 1927 oder der Flüchtlingstragödie 2015 kam es in den letzten 100 Jahren zu einigen „Schicksalstagen“ im Burgenland. Der wohl bewegendste Moment in der Geschichte des Burgenlandes war der 19. August 1989.

Europa zweigeteilt

Der Eiserne Vorhang stand viele Jahrzehnte lang zwischen Ost und West, teilte Europa und gewissermaßen die Welt in zwei Lager. Für 20 Jahre war der Eiserne Vorhang eine kaum zu überwindende Barriere, am 19. August 1989 erhielt er erste Risse.

Paneuropäisches Picknick

Im Zuge des Paneuropäischen Picknicks in St. Margarethen sollte ein Grenztor, das jahrzehntelang geschlossen war, für kurze Zeit symbolisch geöffnet werden – als symbolisches Zeichen der Annäherung Ungarns und Österreichs.

Flucht aus dem Osten

Doch es kam anders, an diesem heißen Sommertag in St. Margarethen. Rund 700 DDR-Flüchtlinge nutzten die Möglichkeit zur Flucht in den Westen. Es war die größte Fluchtbewegung aus Ost-Deutschland seit der Errichtung der Berliner Mauer.
Die Grenze wurde in den folgenden Tagen wieder verschärft kontrolliert, doch der Eiserne Vorhang bröckelte erstmals, wurde am 20. September des selben Jahres geöffnet und nur zwei Monate später fiel auch die Mauer in Berlin.
Erfahren haben die fast 700 DDR-Bürger vom Paneuropäischen Picknick aus Flugblättern. Die von der Regierung bewilligte Idee ging von Otto Habsburg und der MDF-Organisation der ostungarischen Stadt Debrecen aus. Trotz der Zweifel, es könne sich um eine Falle der Stasi handeln, wagten diese die Flucht in den Westen.

Árpád Bellas Rolle

Dafür, dass diese Massenflucht so friedlich ablief, ist an erster Stelle der Grenzwache-Offizier Árpád Bella verantwortlich. Er wies seine Grenzsoldaten an, keinesfalls auf Flüchtende zu schießen, obwohl der Gebrauch von Schusswaffen damals bei Missachtung von Befehlen vorgeschrieben war.
Bella wies sein Grenzpersonal an, die direkt vor ihren Augen vorüberlaufenden Grenzgänger schlicht zu ignorieren. Damit verstieß er gegen seine Dienstpflicht und riskierte eine Haftstrafe, verhinderte aber eine fast zwangsläufige Eskalation der Situation.

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