Geplante Deutschförderklassen: Direktoren eher skeptisch

Ab dem kommenden Schuljahr sollen Kinder mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen 15 bis 20 Stunden in der Woche in separaten Förderklassen unterrichtet werden.
  • Ab dem kommenden Schuljahr sollen Kinder mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen 15 bis 20 Stunden in der Woche in separaten Förderklassen unterrichtet werden.
  • hochgeladen von Franz Tscheinig

BEZIRK (ft). Schüler, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, sollen ab Herbst 15 bis 20 Stunden in der Woche in separaten Deutschförderklassen verbringen. Dies wurde Ende Jänner im Ministerrat beschlossen. Welche Kinder in diese Klassen müssen, soll anhand eines österreichweit einheitlichen Sprachtests eruiert werden – getestet werden Schüler aber nur dann, wenn die Schulleitung es für notwendig erachtet.

Umstieg möglich

Separat geförderte Schüler sollen nach jedem halben Jahr die Möglichkeit haben, wieder in den Regelunterricht einzusteigen – sofern das Sprachniveau als ausreichend empfunden wird. Damit eine Deutschförderklasse aber überhaupt zustande kommt, braucht es mindestens sechs Schüler.
Während Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) von einem "durchdachten Konzept" spricht, ist in den heimischen Direktorenzimmern eher Skepsis zu vernehmen.  

"Fingerspitzengefühl"

"Reine Sprachförderklassen finde ich weniger gut und sie bringen wahrscheinlich eher wenig", meint Isabella Radatz-Grauszer, Direktorin der Volksschule Steinbrunn-Zillingtal. Denn Schüler zu separieren, brauche "ein gutes Fingerspitzengefühl." Dabei stelle sich auch die Frage, ob überhaupt Bedarf an den heimischen Schulen gegeben ist. "Ich glaube, dass in vielen Schulen die notwendige Anzahl an Schülern nicht erreicht werden würde. Wir haben momentan wenige Kinder, die solche Klassen benötigen würden." 

"Kommt nicht in Frage"

Auch in der Neuen Mittelschule Siegendorf stoßen die geplanten Deutschförderklassen auf wenig Gegenliebe. "Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass separate Klassen für uns nicht in Frage kommen, weil die Kinder viel mehr lernen, wenn sie mit jenen Kindern in der Klasse sind, die Deutsch als Muttersprache haben", erklärt Direktorin Rita Stenger. Man habe einige Schüler ohne deutscher Muttersprache "und die lernen das eigentlich in kürzester Zeit, gerade weil sie mit den anderen Kindern ständig in Kontakt sind". Man nehme die Kinder zwar für einzelne Förderstunden temporär aus der Klasse, "aber da geht es um ein paar Stunden und nicht um Tage. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht."

"Derzeit kein Bedarf"

Weniger skeptisch zeigt sich Karin Rojacz-Pichler, Direktorin des Gymnasiums Kurzwiese in Eisenstadt, die die Förderklassen grundsätzlich für sinnvoll hält. "Wir haben schließlich 18 Nationalitäten in unserer Schule." Trotzdem bestehe derzeit kein Bedarf, da man zu wenige Schüler habe, die momentan dafür in Frage kämen. Am Ende sei es auch eine Frage der Organisation. "Man müsste sich das dann organisatorisch ansehen und vielleicht Kinder aus den Eisenstädter Schulen zusammenfassen." 

"Noch nicht spruchreif"

Inwiefern die geplanten Deutschförderklassen im Bezirk nun tatsächlich umgesetzt werden, wird sich wohl erst im Frühherbst herausstellen. Claudia Nährer, Direktorin der NMS Rust: "Ich werde mich dazu nicht äußern, weil es noch nicht spruchreif ist."

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