27.06.2017, 17:37 Uhr

„Burgenlands Wasserversorgung ist nicht gefährdet“

LR Astrid Eisenkopf zeigt sich mit der Qualität der burgenländischen Gewässer sehr zufrieden. (Foto: Büro Eisenkopf)

LR Astrid Eisenkopf beantwortet Fragen rund um das Thema „Wasser im Burgenland“.

EISENSTADT. Wie zufrieden sind Sie mit der Qualität der burgenländischen Gewässer?
ASTRID EISENKOPF: Die EU hat Ende Mai ihren jährlichen Bericht, über die Qualität von Europas Badegewässern, präsentiert. Die burgenländischen Seen weisen darin durchgehend eine „ausgezeichnete“ Qualität auf. Das Land Burgenland unternimmt sehr viel um die Qualität der Fließgewässer als auch der Badeseen, auf einem hohen Niveau zu halten. Die Qualität der Fließgewässer wird von der Gewässeraufsicht in Wulkaprodersdorf regelmäßig kontrolliert, die Qualität von Badeseen und Kleinbadeteichen von der Biologischen Station Illmitz. Wir arbeiten hier auch eng mit der AGES, der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, zusammen.

Wie ist das Problem der Nitrat-Belastung zu bewerten. Ist unser Grundwasser gefährdet?
Um einer hohen Nitratbelastung entgegenzuwirken, wurden auch im Burgenland entsprechende Schutzmaßnahmen, wie Wasserschutz- und Grundwasserschongebiete, gesetzt. Gerade im Bereich von Brunnenanlagen, die das Grundwasser zur Trinkwassergewinnung heranziehen, muss ein ganz spezielles Augenmerk auf die Nitrat-Belastung gelegt werden. Sollte etwa ein Brunnen temporär zu hohe Werte aufweisen, wird das Wasser mit dem Wasser anderer nicht belasteter Brunnen gemischt, sodass die Grenzwerte nicht überschritten werden.

Gibt es weitere Maßnahmen?
In Niederösterreich läuft seit 2016 ein Pilotprojekt für ein umweltgerechtes Düngemanagement, das nun auch auf burgenländische Flächen ausgedehnt werden soll. Im Rahmen dieses Projektes werden Bewirtschaftungsmaßnahmen gefördert, die besonders auf den Grundwasserschutz ausgerichtet sind. Im Zuge des Projektes soll es zu einer maßgeblichen Reduktion der Stickstoffeinträge in das Grundwasser durch eine optimierte pflanzenbauliche Bewirtschaftung und ein verbessertes Management der Güllebewirtschaftung kommen. Vorhandene Stickstoffüberschüsse sollen maßgeblich reduziert werden. Ziel ist es, den Grundwasserschwellenwert für Nitrat von 45 mg/l flächenhaft und nachhaltig zu unterschreiten.

Wir erleben gerade eine Hitzewelle. Ist die Wasserversorgung gefährdet?
Ab wann die Wasserversorgung gefährdet wäre, kann pauschal schwer beantwortet werden, da es natürlich auch vom täglichen Wasserverbrauch bzw. auch von der lokalen Infrastruktur (Anzahl der Brunnen) des jeweiligen Wasserverbandes oder – genossenschaft abhängig ist. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass trotz der aktuellen Hitzewelle die Wasserversorgung im gesamten Land nicht gefährdet ist. Nichts desto trotz ist natürlich gerade in langanhaltenden Hitzeperioden ein sparsamer Umgang mit Trinkwasser zu empfehlen.

Ein immer wieder aufkommendes Thema ist die „Austrocknung des Neusiedler Sees“. Handelt es dabei nur um Panikmache?
Ich kann diesbezüglich Entwarnung geben. Der Neusiedlersee wird uns noch lange erhalten bleiben. Ich darf kurz ausführen: Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Europas. 6/7tel des jährlichen Wasserseinstroms stammt aus Niederschlag, nur 1/7 aus oberirdischen oder unterirdischen Zuflüssen. Beim Neusiedler See halten sich langfristig die Verdunstung und der Niederschlag die Waage, sodass der See von seiner Ausdehnung und Tiefe als stabil betrachtet werden kann – und dies seit zumindest 10.000 Jahren! Natürlich kann es in trockeneren Perioden zu niedrigen Wasserständen kommen, in feuchteren Jahren zu höheren Wasserständen – dies liegt in der natürlichen Dynamik bei Steppenseen und ist nicht weiter besorgniserregend.

Es gab Überlegungen, Wasser aus der Donau zuzuleiten. Sind diese Pläne noch aktuell oder gibt es neue Erkenntnisse?

Eine langfristige Einleitung von calziumreichem Fremdwasser, wie etwa von der Donau würde zu einer gravierenden Veränderung des Wasserchemismus führen, mit weitreichenden Folgen - der See würde durch einen chemischen Prozess klar werden, die Wasserpflanzen würden durch das verstärkte Sonnenlicht viel besser wachsen und der See würde verstärkt Verlandungstendenzen zeigen. Das kann nicht unser Ziel sein!

Kommentar von Chefredakteur Christian Uchann
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