03.10.2017, 22:34 Uhr

„Ich möchte, dass die Leistungen der Ehrenamtlichen anerkannt werden“

Gaby Schwarz will sich für die Ehrenamtlichen einsetzen.

Interview mit Gaby Schwarz, Spitzenkandidatin der ÖVP Burgenland für die Nationalratswahl.

Wie überraschend kam für Sie das Angebot, für die ÖVP zu kandidieren?
GABY SCHWARZ: Sehr überraschend. Ich war aber angenehm überrascht, weil ich mir gedacht habe, Sebastian Kurz traut mir das zu. Allerdings habe ich mich im ersten Moment dagegen entschieden. Ich hatte als Programmchefin beim ORF Burgenland einen sehr guten Job, den man nicht so einfach hinschmeißt.

Wie ist Sebastian Kurz auf Sie aufmerksam geworden?
Er hat mich seinerzeit in der Rot Kreuz-Uniform kennen gelernt. Ich bin dort schon sehr lange in der Krisenintervention tätig. Und nachdem ich aus meinen Ideen keinen Hehl mache, habe ich ihm gesagt, was im Bereich des Ehrenamtes noch zu tun wäre. Er hat das alles genau abgespeichert und offensichtlich auch gemerkt, wie ich dafür brenne.

Es war also nicht Ihre Prominenz, sondern Ihr Engagement im Bereich des Ehrenamtes…
Es war definitiv über die Funktion des Ehrenamtes. Auf der Bundesliste nutzt mir meine Popularität im Burgenland auch wenig.

Wollten Sie schon immer in die Politik gehen?
Mich parteipolitisch zu engagieren, war in keiner meiner Lebensphasen ein Thema. Der Journalismus war immer das, was ich wollte. Was ich jedoch immer gehabt habe, war das gesellschaftspolitische Engagement.

War es dann schlussendlich die Person Sebastian Kurz, wegen der Sie sich doch für diesen Schritt entschieden haben?
Absolut. Als ich ihn das erste Mal wahrgenommen habe, dachte ich mir: Der ist ein politisches Talent der Extraklasse. Er redet Dinge klar an, egal ob sie populär sind oder nicht. Auch mein Führungsstil war immer so: Lieber einmal unangenehme Sachen klar aussprechen.

Gab es Widerstände in der ÖVP Burgenland gegen Ihre Kandidatur?
Es gab überhaupt keine Ressentiments. Ich war immer als extreme Teamplayerin bekannt. Und das wusste man.

Können Sie genauer schildern, was Sie für die Ehrenamtlichen tun wollen?
Es geht vor allem darum, den Ehrenamtlichen den Stellenwert zukommen zu lassen, den sie verdienen. Viele arbeiten im Verborgenen, wenn ich etwa an die Freiwilligen im Hospiz- oder Palliativbereich denke. Ich möchte, dass die Leistungen der Ehrenamtlichen anerkannt und dokumentiert werden. Es gibt dafür ein sehr gutes Beispiel in Bayern mit einer Ehrenamtskarte als sichtbares Zeichen der Anerkennung. Ab einer gewissen Stundenanzahl ehrenamtlicher Tätigkeit und Fortbildungszeit gibt es Vergünstigungen – etwa für Theater- oder Konzertbesuche.

Sebastian Kurz propagiert einen neuen Stil in der Politik. Wie würden Sie den politischen Stil im Burgenland bewerten?
Ich würde mir wünschen, dass dieses verbissene Hinhauen aufhört. Wir alle sollten zum Ziel haben, dass es den Menschen im Land gut geht.

Die ÖVP Burgenland bezeichnet die rot-blaue Landesregierung als schwächste Landesregierung aller Zeiten. Würde Sie dem zustimmen?
Ich würde unterschreiben, dass es wesentlich bessere Möglichkeiten gäbe, dieses Land zu einem besseren Ansehen zu führen – vor allem, wenn man anständig und respektvoll miteinander umgeht.

Wie unterscheidet sich der Tagesablauf einer ÖVP-Spitzenkandidatin von dem einer ORF-Führungskraft?
Geändert hat sich, dass ich nicht jeden Tag um 9 Uhr, um 14 Uhr und dazwischen Meetings habe, sondern dass ich mir meine Termine selbst einteile. Allerdings habe ich jetzt keine freien Tage, aber das macht mir nichts aus.

Wie lange wollen Sie in der Politik tätig sein?
So lange ich etwas bewegen kann und so lange man mich etwas bewegen lässt, stehe ich zur Verfügung. Ich bin jetzt 55, und wenn ich die Gene meines Vaters (Alois Schwarz, ehemaliger Bürgermeister von Eisenstadt, Anm. d. Red.) geerbt habe, kann das Team Kurz noch lange mit mir rechnen – so man mich haben will.

Kommentar von Chefredakteur Christian Uchann

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