Ein Ennser Zeitzeuge im Gespräch
Kindheit in der Grenzstadt Enns

Zeitzeuge Dietmar Heck mit seinem mehrbändigen Werk „Enns in der Zeitung 1860 bis 1960".
  • Zeitzeuge Dietmar Heck mit seinem mehrbändigen Werk „Enns in der Zeitung 1860 bis 1960".
  • hochgeladen von Bianca Karr-Sajtarevic

Die Enns trennte nach dem Krieg die US-amerikanische Besatzungszone von der sowjetischen.

REGION (bks). Dietmar Heck wurde 1940 in Enns geboren. Das Besondere: Er war das erste Kind, das im Ennser Krankenhaus das Licht der Welt erblickte. „Die ersten drei Lebensjahre verbrachte ich jedoch in Berlin", erzählt der 78-jährige. „Als die Bombardierungen zu groß wurden, zog meine Mutter mit uns nach Enns in ihr Elternhaus." Die Familie hatte ein Lebensmittelgeschäft im Reintal, in unmittelbarer Nähe zur Ennsbrücke, welche die spätere Demarkationslinie zwischen den Besatzungszonen darstellte. Einige der Kindheitserinnerungen handeln von den Besatzern. „Ich kann mich noch gut an den 5. Mai erinnern, als die Amerikaner eingezogen sind. Das war für mich ein Knackpunkt. Seitdem interessiere ich mich für Geschichte", so das Mitglied des Museumsvereins Lauriacum.

Stadtturm bedeutete Freiheit

Enns wurde von Bombardierungen und Angriffen im zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. „Als der Krieg zu Ende war, haben die Frauen weiße Leintücher zusammengenäht und auf den Ennser Stadtturm gehängt", erinnert sich Heck. Die Männer der SS wollten die Fahne jedoch wieder abnehmen und bis zum Schluss weiterkämpfen. Dann der glückliche Zufall: „Die Fahne verhing sich an den Zeigern der Turmuhr." Das war das Signal an die Besatzer, dass man keine kämpferischen Absichten habe. Der Krieg war zu Ende, und die Zeit der Besatzungszonen begann. „Auf der Ennsbrücke war die Welt geteilt", sagt Heck. „Der Stadtturm, den man bereits von der Ennsbrücke erblicken kann, war ein Zeichen der Freiheit." Auf der anderen Seite der Brücke war der „unbekannte Osten".

Enns in der Nachkriegszeit

„Enns hatte 1945/46 mehr Flüchtlinge als Einwohner", so Heck. 11.000 Geflüchtete lebten in Notunterkünften und Baracken. Die Schulen sowie die Kaserne wurden zu Flüchtlingsquartieren umfunktioniert. Ein wichtiger symbolischer Akt hat sich 1948 am Ennser Hauptplatz zugetragen. „Der Stadtturm hatte wieder volles Geläut." Die fünf Glocken mussten im Krieg eingeschmolzen werden. Relativ schnell stellte sich in Enns der Aufschwung ein. „Die Zuckerfabrik war ein wichtiger Arbeitgeber für die Stadt", so der 78-Jährige. Für viele stellte die Nachkriegszeit auch eine Zeit der Ungewissheit dar: „Immer wieder kamen Busse am Stadtplatz an mit Heimkehrern aus der Kriegsgefangenschaft." Viele hofften, ihre geliebten Angehörigen wieder in die Arme schließen zu können. 1947 kam schließlich auch Hecks Vater zurück in die Heimat.

Aufschwung

„1955 gab es in Enns schon das erste Hochhaus", so Heck. Das Gebäude hatte zehn Stockwerke. „Im selben Jahr kam auch der erste Fernseher nach Enns. Ins Gasthaus zur Stadt Linz", erinnert sich der Ennser. Ebenfalls im Jahr 1955 wurde der langersehnte Staatsvertrag unterzeichnet. „Dann bauten auch die Russen ihre Hütte von der Ennsbrücke ab", so der Zeitzeuge. Seit dem Antritt seiner Pension im Jahr 2000 arbeitet Dietmar Heck akribisch an seiner Sammlung an Quellenmaterial zur Ennser Geschichte. „Die Stadt hat mit der Landesausstellung ein sehr gutes Römermuseum geschaffen. Es sollte aber künftig auch wieder eine reichhaltige Volkskundeabteilung geben", so der Ennser. Denn: Die Weitergabe des Wissens und der Geschichte ist ihm ein großes Anliegen.

Autor:

Bianca Karr-Sajtarevic aus Enns

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