17.07.2017, 10:38 Uhr

Infrarotfotografie

Der höchste Schlot Kroatiens in Plomin, 700nm
Die Sommerzeit ist ideal für Infrarotfotografie. Blauer Himmel und üppiger Pflanzenbewuchs bieten ideale Motive. Seit nunmehr 25 Jahren beschäftige ich mich mit der Thematik. Anfangs - in den 90er Jahren war ich beruflich mit der Infrarot-Fotografie betraut. Allerdings nicht mit der Herstellung von Infrarot-Bildern, sondern vor allem mit der Auswertung von Infrarot-Luftbildern. Anhand von Infrarot-Aufnahmen wurden damals Waldschäden und Vegetationstypen kartiert und thematische Karten für den Forst- und Umweltbereich erstellt. Bereits damals reizte mich die Aufnahmetechnik und ich begann mit Infrarotfilm zu experimentieren.

Mehr als 20 Jahre später bekam die Infrarotfotografie wieder eine neue Bedeutung bei mir. Im Jahre 2011 bekam ich einen ganzen Satz Filter geschenkt, darunter war auch ein Infrarot Filter. Ich machte damals mit meiner Fuji S2 sowie mit einer Kodak DCS 14 ein paar Testaufnahmen und begann mich auch in die Materie einzulesen. An den Bildern konnte man schon einen Infrarot-Effekt erkennen, die Ergebnisse waren allerdings noch nicht nach meinem Geschmack. Lange Belichtungszeiten und starkes Rauschen beeinträchtigten vor allem die Bilder, die mit der Kodak aufgenommen wurden.
Diese Aufnahmetechnik ist eine günstige Möglichkeit, um in die digitale Infrarotfotografie hineinzuschnuppern. Sperrfilter bekommt man im Internet ab ca. 30,- Euro. Gute Filter in Grössen von 72mm oder 77mm kosten aber schnell mal mehr als 100,- Euro.
Nicht alle Kameras eignen sich für diese Art der Infrarotfotografie. Vor allem neuere Kameras haben einen starken Infrarotsperrfilter eingebaut und eignen sich nicht für Infrarotfotografie.
Geeignete Kameras für Infrarotfotografie mit Filtern sind: Leica M8, Kodak DCS, Fuji S2, alte Nikons (D1, D100, D70) und alte Canon Kameras.
Die Arbeit mit Filtern ist allerdings etwas schwierig: für die Aufnahme benötigt man lange Belichtungszeiten, daher ist nur eine Aufnahme von statischen Objekten vom Stativ aus möglich (Architektur, Landschaft, Objekte). Zusätzlich muss die Entfernung am Objektiv korrigiert werden.

Aufnahme mit meiner umgebauten Nikon D2H:
Trotzdem liess mich der Gedanke nicht los, mich intensiver mit der Infrarot - Fotografie zu beschäftigen. Im Dezenber 2012 liess ich dann bei Optik Maccario meine alte Nikon D2H auf Infrarot umbauen. Dabei wird der Sperrfilter durch einen infrarotdurchlässigen Filter ersetzt. Der Umbau ging schnell und problemlos über die Bühne, die Kamera ist nun ausgelegt auf einen Spektralbereich von 700nm aufwärts. D.h. es wird noch ein wenig sichtbares Licht durchgelassen. Man kann mit der Kamera "ganz normal" fotografieren, d.h. die Belichtungszeiten sind ungefähr so lang, wie bei einer Kamera, die im sichtbaren Spektralbereich aufnimmt. Man muss allerdings die Belichtung immer wieder korrigieren. Bei starker Infrarotabstrahlung der aufgenommenen Objekte kann eine Korrektur bis zu -3EV erforderlich sein. Der ganze Aufnahemprozess erfordert ein wenig Einarbeitung, der Lernerfolg stellt sich aber aufgrund der Digitaltechnik rasch ein. Man kann die Bilder am Display sofort nachkontrollieren und gegebenenfalls mit einer Belichtungskorrektur neu aufnehmen.

Die ersten Aufnahmen im Winter waren noch etwas langweilig. Erst im Frühling wurden die Aufnahmen durch die zunehmende Infrarotabstrahlung der Vegetation interessanter. Ab Ende April ging es Schlag auf Schlag. Gerade das Augebiet bot unzählige Motive, die sich gut für Infrarot-Fotografie eigneten. Mit der Zeit bekam ich auch den Dreh heraus, wie die Aufnahmen nachzubearbeiten sind. Ein Kanaltausch ist bei den meisten Aufnahmen notwendig. So wird der Himmel blau. Mann kann aber auch in einzelnen Fällen die Bilder ohne Kanaltausch fertig machen. Wichtig ist jedenfalls eine Aufnahme mi RAW-Format, sowie eine Bildbearbeitung.
Die Nikon D2H ist aufgrund ihre Schnelligkeit gut für Sportaufnahmen geeignet. Eine Sache, die bisher bei der Infrarotfotografie nicht wirklich Bedeutung hatte. Obwohl ich mit der Kamera jahrelang fotografiert habe, erfordert die Infarot-Fotografie etwas Eingewöhnung. Neben der Belichtungskorrektur muss bei Gegenlichtsituationen besonders auf Flares geachtet werden. Die Kamera ist sehr anfällig dafür und zeigt Flares auch, wenn diese nicht im Sucher zu sehen sind. Weiters hat die Kamera keinen AA-Filter. Bei Naturaufnahmen mag das von Vorteil sein. Die Aufnahmen werden dadurch einen Tick schärfer. Aufpassen heisst es, wenn regelmässige Strukturen (z.B. Hausdächer) im Bild sind. Hier kommt es häufig zu Moire-Effekten.

Aufnahme mit einer umgebauten Olympus E-PL1:
Neben der Nikon D2H fotografierte ich auch mit einer Olympus E-PL1, die auf 630nm umgebaut wurde. Mit dieser Kamera sind andere Aufnahmen möglich, da sie mehr vom sichtbaren Licht aufnimmt und zudem eine höhere Auflösung hat. Bei dieser Kamera erfolgt die Bildgestaltung und Fokussierung ausschliesslich über das hintere Display. Das kann bei starkem Sonnenlicht etwas beschwerlich sein Ansonsten kann man mit der Kamera sehr einfach und komfortabel fotografieren, Eine Belichtungskorrektur ist nur mehr in seltenen Fällen notwendig.Wie die D2H neigt auch diese Kamera bei Gegenlichtsituationen zu Flares. Diese sind aber leichter kontrollierbar, da sie bereits im elektronischen Sucher erkennbar sind.

Im Laufe der Zeit legte ich mir noch eine Panasonic GF-1 zu, die allerdings auf 800nm umgebaut wurde. Mit dieser Kamera waren ausschließlich SW-Aufnahmen möglich, die Belichtungszeiten waren länger als bei den beiden vorher genannten Kameras.

Derzeit habe ich lediglich eine Infrarotkamera, eine Nikon Coolpix A, die auf 700nm umgebaut wurde. Diese kleine und leichte Kamera ist ideal für Wanderung und fast immer dabei. Die Bildqualität ist besser als bei den alten Kameras.

Infrarotbilder müssen speziell bearbeitet werden, dazu gibt es HIER und HIER Anleitungen.
Neben den hier gezeigten Bildern gibt es HIER eine grosse Anzahl von Bildbeispielen.
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Herta Goldschmied aus St. Veit | 28.07.2017 | 13:59   Melden
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