27.10.2016, 11:54 Uhr

"Augen auf beim Spielzeugkauf"

Kinderfreunde mit neuer Kampagne vor Weihnachten

Es klingt fast ein wenig retro, das Motto der vorweihnachtlichen Kampagne der Kinderfreunde OÖ. Bei Friedenerziehung denken viele an die 1970iger Jahre, an John Lennon, der gemeinsam mit Yoko Ono „Give peace a chance“ singt, an weiße Tauben und das Friedenszeichen. Viel ist seither passiert, weltweit gab es keinen einzigen Tag ohne Krieg. Die geflüchteten Menschen, die bis nach Europa kommen, führen uns das vor Augen.

Was hat das mit uns zu tun?

„Da können wir aber nicht viel tun. Die Weltpolitik können wir kaum beeinflussen“, so der durchaus berechtigte Einwand, wenn die Sprache auf den Frieden kommt. Aber Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Friedenserziehung bedeutet, gewaltfreie Lebensstrukturen aufzubauen und Kinder und Jugendliche zu einem Konfliktmanagement zu befähigen, das es ihnen ermöglicht, sich selbst und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen und die Bedürfnisse und Wünsche anderer zu respektieren.

Was wollen die Kinderfreunde?

Frieden entsteht nicht von selbst. Frieden muss gelebt und geschaffen werden. Von Staaten, einer Stadt oder einem Dorf. Von einer Familie, einer Schulklasse oder Gruppe. Und von einem selbst. Frieden ist die Folge davon, wie Menschen miteinander umgehen, wie sie sich in Konflikten verhalten aber auch gegenüber Umwelt und der Natur. Frieden hat auch viel mit Verantwortung zu tun. Nämlich dann, wenn Menschen entscheiden, wie sie miteinander umgehen.

Frieden bedeutet, nicht Gewalt ausgesetzt sein zu müssen. Frieden heißt, dass niemand seine Stärke oder Macht ausnutzt, um anderen körperlich oder seelisch weh zu tun. Das muss nicht heißen, dass es keine Konflikte, keinen Streit geben darf. Aber die sollen gewaltlos und ohne Beleidigungen und Kränkungen ausgetragen werden. Das muss gelernt werden. Und darum geht es den Kinderfreunden.

Gewaltfreie Erziehung

Leider wird auch in Österreich mit dem Thema Gewalt gegenüber Kindern immer noch sehr schlampig umgegangen. Die „gesunde Watschn“ ist immer noch nicht von der Bildfläche verschwunden. Auch subtilere Methoden wie „Liebesentzug“ oder andere Formen der nonverbalen Gewalt bestimmen so manchen kindlichen Alltag. „Seit fast zwei Jahrzehnten bemühen wir uns mit unseren Elternbildungsangeboten, gewaltfreie Erziehungswege aufzuzeigen und zu ermöglichen“, so Kinderfreunde-Vorsitzender Roland Schwandner. Aber auch der gewaltfreie Umgang in den Kindergruppen sei ein wichtiger Beitrag für einen friedvolleres Zusammenleben, so Roland Schwandner.

Frieden im Spiel – so geht’s!

Es gibt Situationen beim Spiel, wo neben der lustvollen Spannung und manchem Jubel auch andere Emotionen aufkommen. Es wird gestritten, beleidigt und manchmal fließen Tränen. All diese verschiedenen Emotionen brauchen Platz. Spiel ist ein wichtiger Ort, mit der vollen Gefühlspalette umgehen zu lernen. Zusätzlich kommen Kinder auf Problemlösestrategien und trainieren ihre Konfliktfähigkeit.

Friedenserziehung heißt nicht Ablehnung von Aggression. Aggression ist ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens. Die Kinderfreunde wollen Mittel und Wege aufzeigen, die Aggression auf sozial verträgliche Art und Weise abzubauen, um sie in in positive, konstruktive Kraft umzuwandeln.

Augen auf beim Spielzeugkauf

Viele Spiele befeuern die üblichen Gewinner-/Verlierer Situationen. Wer Lust auf etwas anderes hat, probiert Spiele, bei denen Ausdrucksmöglichkeit und/oder Kreativität gefragt sind. Dazu gehören TABU, Activity, Spielkarten zum Gefühle-Nachstellen, Rollenspiele,… Wichtig ist, dass die gewählten Spiele dem Entwicklungsstand und den Interessen des Kindes entsprechen. Grundsätzlich sollten Eltern überlegen: was macht das Spiel mit meinem Kind, in welchem Bereich wird es mit dem Spiel gefördert und wo liegen der Reiz und das Ziel des Spiels? „Augen auf beim Spielzeugkauf“, heißt die langjährige Kampagne der Kinderfreunde. Schließlich ist Spiel der Übungsraum fürs spätere Leben.


Kinder finden selbst oft schnell einen friedvollen Weg miteinander umzugehen.

So können sie dabei unterstützt werden:

Kindern genug Platz zum Spielen einräumen

Eine ruhige Umgebung für ein konzentriertes Spiel schaffen (Radio/ Fernseher ausschalten)

Streitigkeiten unter Kinder „aushalten“ können, so lange sie im Rahmen sind
Vorbild darin sein, dass wir einander zuhören und uns gegenseitig ausreden lassen

eine freundliche Sprache verwenden, Beleidigungen sind nie okay

Emotionen wahr- und ernstnehmen, aushalten und klären, um was es eigentlich geht
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