11.03.2017, 08:13 Uhr

Schlangen im Enns-Donau-Winkel

Die Ringelnatter (natrix natrix) ist die häufigste Schlange im Donauraum
Enns: Kronau | Der Frühling steht in den Startlöchern und mit den ersten Sonnenstrahlen beenden auch die Reptilien ihre Winterstarre. Neben Eidechsen und Sumpfschildkröten wird man an den ersten warmen Frühlingstagen auch Schlangen beobachten können. Damit häufen sich sowohl Fundmeldungen von Schlangen aber auch jede Menge Schauermeldungen, vor allem, was die Gefährlichkeit der Schlangen betrifft. So wird z.B. regelmässig über Kreuzotternfunde in unserer Gegend berichtet, obwohl die Kreuzotter und auch keine andere Giftschlange im Donauraum vorkommt. Fast immer sind es Verwechslungen mit anderen Schlangenarten oder Schauergeschichten, die einfach weitererzählt werden. Aus diesem Grund möchte ich hier die bei uns vorkommenden Schlangenarten einmal kurz vorstellen.

Ringelnatter (Natrix natrix): Die Ringelnatter ist die weitaus häufigste Schlange im Enns-Donau-Winkel. Ca. 8 von 10 Sichtungen sind Ringelnattern. Die Schlange wird bei uns ca. 1m lang (Exemplare bis 1,5m kommen gelegentlich vor, sind aber äusserst selten). Sie lebt bevorzugt an oder in der Nähe von Gewässern und ernährt sich von Amphibien und kleinen Fischen. An sonnigen Tagen sonnen sich die Schlangen gerne auf Ästen oder Steinen und ergreifen rasch die Flucht, sobald sich ein Mensch oder ein grösseres Haustier nähert. Wird die Ringelnatter gefangen oder in die Enge getrieben, verströmt die Schlange ein übelriechendes Sekret. Bisse durch Ringelnattern sind extrem selten, die Schlange stößt meistens geschlossenem Maul zu, ohne zu beissen. Sie kommt häufig in den Enns- und Donauauen, aber auch an Schwimmteichen und Gartenbiotopen vor.

Äskulappnatter (Zamenis longissimus): Die Äskulappnatter ist die grösste einheimische Schlange. Sie wird in Ausnahmefällen bis zu 2m lang, die meisten Äskulappnattern werden aber nicht länger als 1,5m. Die wärmeliebende Schlange kann gut klettern und ernährt sich hauptsächlich von Mäusen, aber auch von anderen Kleinsäugern. Aus diesem Grund kommt sie auch häufig in der Nähe von Bauernhäusern, bei Holzlagerplätzen und Komposthaufen vor. Manchmal dringt sie auch in Schuppen oder Gartenhäuschen ein. Die Äskulappnattern sind ungiftig, beissen aber zu, wenn man sie fängt oder reizt. Bevor sie zubeissen geben sie ein schnarrendes Geräusch ab, indem sie die Bauchschuppen aneinander reiben. Während die erwachsenen Äskulappnattern eher einfärbig oliv, braun oder schwarz sind, weisen die Jungtiere eine typische Zeichnung auf.

Glatt- oder Schlingnatter (Coronella austriaca): diese Schlange ist bei uns ungefähr gleich häufig wie die Äskulappnatter, lebt aber eher verborgen. Man kann die Schlingnattern auch an bewölkten Tagen finden. Die Schlingnatter wird maximal 80cm lang, ist in der Regel braun gefärbt mit einem dunklerem Muster auf dem Rücken. Aufgrund dieses Musters wird sie oft mit der Kreuzotter verwechselt. Fast alle „Kreuzotternfunde“ im Donauraum entpuppen sich als harmlose Schlingnattern. Die Schlingnatter ernährt sich hauptsächlich von Eidechsen und ist auch gerne an Plätzen anzutreffen, an denen Eidechsen leben.

Blindschleiche (Anguis fragilis): die Blindschleiche ist zwar keine Schlange, sondern eine beinlose Echse, wird aber von Laien immer wieder zu den Schlangen gezählt. Sie ist sehr träge, absolut harmlos und kann den Schwanz bei Gefahr abwerfen. Sie ernährt sich von Insekten und Weichtieren und ist häufig in Hausgärten und lichten Wäldern anzutreffen.


In anderen Teilen Österreichs kommen weiters folgende Schlangenarten vor:

Würfelnatter (Natrix tessellata): die Würfelnatter ist noch mehr ans Wasser gebunden als die Ringelnatter, ein Vorkommen im Enns-Donau-Winkel ist aber nicht gesichert. Wohl gibt es immer wieder dokumentierte Fundmeldungen in der Nähe, so z.B. um Pleschingersee und an einigen Bächen im Mühl- und Waldviertel. Aufgrund der Zerstörung ihrer Lebensräume ist aber die Würfelnatter in Österreich sehr selten geworden.

Kreuzotter (Vipera berus): die Kreuzotter ist die häufigste Giftschlange Österreichs, kommt aber entlang der Donau nicht vor. Ihr Vorkommen in Österreich ist auf den Alpenraum und auf Teile des Mühl- und Waldviertels beschränkt. Es gibt sowohl Exemplare mit einem markanten Zick-Zack-Muster am Rücken, sowie komplett schwarze Exemplare. Die Gefährlichkeit der Kreuzotter wird sehr oft überschätzt. Die Schlange ist in der Regel sehr scheu und beisst nur im äussersten Notfall zu (wenn sie gefangen oder gereizt wird). Gefährliche Bisse von Kreuzottern sind extrem selten, da die Kreuzotter nur sehr wenig Gift injiziert. Ein tödlicher Kreuzotterbiss ist mir in Österreich nicht bekannt, der letzte dürfte schon einige Jahrzehnte zurück liegen.

Sandviper, Hornviper (Vipera ammodytes): die Sandviper kommt nur an einigen sehr isolierten Standorten in Kärnten vor. Aufgrund der Verfolgung durch den Menschen ist die Sandviper extrem selten geworden.

Wiesenotter: (Vipera ursinii): die Wiesenotter gilt in Österreich als ausgestorben. Der letzte Nachweis war in den 70er Jahren im Burgenland.

Generell gilt: alle einheimischen Schlangenarten stehen unter Naturschutz. Sie dürfen nicht getötet und gefangen werden. Von keiner Schlange geht irgendeine Gefahr aus. Sie suchen nicht die Nähe des Menschen, im Gegenteil: Menschen und Haustiere gelten als Feinde und werden gemieden, wo es nur geht. Selbst Giftschlangen beissen nur, wenn sie eingefangen, gereizt oder in die Enge getrieben werden. Sie benötigen ihr Gift in erster Linie zur Jagd und setzen es nur in Notfällen zur Verteidigung ein.

Entlang der Donau und im Gebiet um Enns gibt es keine natürlich vorkommenden Giftschlangen!

Weitere Infos zu den einheimischen Reptilien finden sie unter WWW.HERPETOFAUNA.AT
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