31.08.2017, 21:20 Uhr

AMAG-Chef Wieser: "Setzen pro Tag 30 Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter um"

AMAG-Vorstandschef Helmut Wieser studierte nach der HTL Steyr Maschinenbau und Wirtschaft in Graz. 1980 nahm er als Fünfkämpfer an den Olympischen Spielen in Moskau teil. (Foto: AMAG)

Eine Milliarde Euro investierte die AMAG in den letzten zehn Jahren in Ranshofen – weil Alu in immer mehr Produkten Einzug hält und weil Vorstand und Eigentümer vom Standort überzeugt sind.

"Wir könnten heute, wenn wir nicht ausgebaut hätten, nicht liefern, weil wir praktisch ausverkauft sind", sagt Helmut Wieser. Der Teilnehmer an den Olympischen Spielen in Moskau 1980 (Fünfkampf) ist seit 2014 Vorstandsvorsitzender der 1840 Mitarbeiter zählenden AMAG. Zuvor war er für den Alu-Riesen Alcoa von New York aus tätig und schon einmal bis zum Jahr 2000 AMAG-Vorstandsmitglied.

300 Millionen Euro investiert

Seit seiner Rückkehr hat die AMAG 300 Millionen Euro investiert – in ein neues Kaltwalzwerk, Veredelungsanlagen, eine Gießerei, den Ausbau des Recycling und damit in eine Steigerung der Kapazität von 225.000 auf 300.000 Tonnen pro Jahr. Dadurch kann etwa das Aluminium für den neuen Porsche Panamera geliefert werden: "Ein Wahnsinnsauto, alles aus Alu: Kotflügel, Motorhaube, Heckklappe, gepresst in Österreich aus unserem Aluminium, da denkt keiner mehr an Stahl", zeigt sich Wieser stolz. "Studien sagen, dass künftig 75 Prozent aller weltweit produzierten Autos eine Alumotorhaube haben werden. Wir wissen ja gar nicht, wie oft wir Aluminium pro Tag verwenden." So stecken das Flüssigaluminium, die Bleche oder Platten aus Ranshofen "in so gut wie jedem Ski", "in praktisch jedem Airbus-Flieger", in Schiffen, Zügen, Seilbahnen, Brücken, Fassaden, Verpackungsmaterialien wie Tetrapacks oder "in den Shimano-Zahnkränzen von Fahrrädern. Und auch bei immer mehr Motorrädern werden Alu-Zahnkränze verwendet, um Gewicht zu sparen. Da haben wir eine Nische entwickelt", so Wieser.

Alu: "You like it"

Neben dem geringen Gewicht zeichne sich Alu durch seine Wärmeleitfähigkeit, leichte Bearbeitung und hochwertiges Aussehen aus. "You like it", bringt Wieser seine Liebe zu Alu amerikanisch auf den Punkt. Und hebt eine Eigenschaft besonders hervor: "Es ist unendlich oft recyclebar, das kann nur Alu." Genau das macht sich Ranshofen zu Nutze. Denn: Im Innviertel wird schon lange nicht mehr Aluminium als Grundstoff erzeugt. 75 bis 80 Prozent des benötigten Alus stammen aus recyceltem Schrott. Den Rest bezieht die AMAG aus der Elektrolyse Alouette in Kanada, an der sie mit 20 Prozent beteiligt ist. "Den hohen Recyclinganteil glauben uns Experten nie, ist aber so – da kommt uns keiner nach."

13.000 Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter pro Jahr

Das notwendige know how baut sich die AMAG selbst auf: "Wir haben einen wissenschaftlichen Beirat mit Universitätsvertretern aus Graz, Leoben, Wien und von der ETH Zürich. Die schicken uns Diplomanden, die bei uns arbeiten und dann nicht mehr weggehen. So haben wir uns ein Technologieniveau geholt, das beeindruckend ist. Und wir haben 13.000 Verbesserungsvorschläge unserer Mitarbeiter pro Jahr – so viele wie sonst kein Unternehmen. 30 davon setzen wir pro Tag um. Das geht, weil nicht die Chefs sondern Meister oder Schichtführer die Ideen bewerten", verweist Wieser auf flache Hierarchien: "Bei uns muss man auch nicht hunderttausendmal fragen, bis man den Chef sieht. Wenn einer was will, dann kommt er." Als Motivation für den Verbesserungsprozess gibt es Prämien – und natürlich die Mitarbeiterbeteiligung: "Seit wir an der Börse sind, wird eine Dividende bezahlt. Aber auch, dass wir so kräftig investieren und das alles aus dem cash flow, zieht bei den Arbeitskräften." Trotzdem ist die AMAG auf Mitarbeitersuche:

50 bis 100 Mitarbeiter gesucht

"Wir sind ein interessanter Arbeitgeber, aber es ist schwieriger als früher, wir suchen derzeit 50 bis 100 Mitarbeiter." Der Standort Ranshofen sei kein Problem – "wir haben ein riesiges Einzugsgebiet", sagt Wieser und schreibt den Namen der Gemeinde im Bezirk Braunau auf ein Blatt Papier. Rundherum zeichnet er als Beleg für die gute Lage Ranshofens die Standorte der nahe gelegenen Kundenstandorte ein – wie Audi in Ingolstadt, BMW in München oder Daimler in Stuttgart. Dazu das Audi-Werk im ungarischen Györ, das BMW-Dieselmotorenwerk in Steyr. "Unser 800 Grad heißes Flüssigaluminium geht mit dem Lkw nach Landshut, wo die Motorblöcke für Steyr gegossen werden. Oder nach Lannach bei Graz, wo die Gehäuse für den Allrad von BMW und Mercedes erzeugt werden."
Die Magna-Werke in der Steiermark ringen Wieser Respekt ab: "Der Stronach wird ja immer bei uns kritisiert. Aber was der da in der Steiermark für Österreich aufgebaut hat, das ist gewaltig. Das sind unzählige hochqualitative Arbeitsplätze. D'rum tut es mir immer weh, wenn sie ihn so runtermachen."


Österreich: "Insel der Seligen"

Kritik ist auch Wieser nicht fremd: "Als ich nach Österreich zurückgekommen bin, habe ich viel Kritik bekommen, weil ich immer gesagt habe: 'Eine Insel der Seligen, Wir sind gut aufgestellt.' Natürlich sind wir überreguliert, es braucht einen Bürokratie- und vor allem einen Schuldenabbau." In Sachen Ausbildung müsse sich Österreich aber nicht verstecken. "Ich habe viel mit Unis wie Harvard zu tun. Im Vergleich ist auch bei uns die Qualität top – auf jeden Fall auf Universitätsebene. Und auch die HTLs sind top" Im Pflichtschulbereich werde die Qualität dagegen "eher nicht besser".
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