Kunstprojekt „Schweigend in der Kunst und durch die Kunst begegnen“

5,6 bis 6,3 Millionen europäische Juden wurden während des als Shoah
bzw. als Holocaust bezeichneten Genozids zwischen 1941 bis 1945
ermordet. Mit der systematischen „Vernichtung lebensunwerten Lebens“
und mit der Diagnose „unbrauchbar“ fanden mehr als 5000 Kinder mit
geistiger und körperlicher Behinderung durch die Kinder-Euthanasie den
grausamen Tod. Den Krankenmorden in der Zeit des Nationalismus fielen
mehr als 200.000 Menschen zum Opfer, alleine die Aktion T4 bedeutete
für mehr als 70.000 körperlich, geistig und seelisch behinderter Menschen
in Deutschland und Österreich den Tod. In den Konzentrationslagern
starben Menschen, die aufgrund ihrer Sexualität verfolgt wurden,
Andersgläubige, Angehörige von Minderheiten....

Obwohl die nachfolgenden Generationen diese Zeit nicht selbst erlebten,
wirken sich die Geschehnisse und Erlebnisse in einem kollektiven Trauma
in unbewussten Verhaltensweisen und Gedankengut noch in der
Gegenwart aus. Das Projekt „Schweigend in der Kunst und durch die Kunst
begegnen“ wird eine Begegnung der Vielfalt sein, wobei alle in dem
Bewusstsein in gleich geborener Würde agieren sollen.

Die beiden Organisatoren Adisa Czeczelich und Stefan Alexander Kamp
rufen zur Teilnahme an der öffentlichen Malperformance auf, um einander
verbunden in der Gegenwart zu begegnen und an die gemeinsam zu
gestaltende Zukunft zu erinnern.
An der Kreuzung Stumpergasse / Mittelgasse / Schmalzhofgasse werden
Gedanken und Gefühle auf zehn Leinwänden schweigend und malerisch
mit Farbe sichtbar gemacht.

Die Begegnung in der Kunst und durch die Kunst wird von den
anwesenden Künstlerinnen und Künstlern mit ihrem Wissen unterstützt,
wenn sie den mitmachenden Wienerinnen und Wienern Hilfestellungen bei
der Hantierung mit den vorbereiteten Farbeimern und Pinseln geben.

Der gewählte Ort der Aktion Stumpergasse / Schmalzhofgasse ist aus
zweierlei Gründen prädestiniert für eine Begegnung: Adolf Hitler lebte
1907 und abermals 1908 in der Stumpergasse. Sein gescheiterter Wunsch
an der Akademie der bildenden Künste in Wien zu studieren und später
seine erfolglose Karriere als Kunstmaler, hatten bestimmt auch eine
Auswirkung auf seine späteren politischen Machenschaften. Dem Projekt
„Schweigend in der Kunst und durch die Kunst begegnen“ wird so eine
zusätzliche Komponente offensichtlich: In der Gegenwart wird mit Hilfe der
Kunst ein Aufarbeiten der Geschichte sensibel vorangetrieben, dem
Vergessen und Verdrängen Einhalt geboten. So wie wir uns heute
begegnen wollen und können, so wird auch unsere Zukunft sein.

Die Lichtstele in der Stumpergasse 42 markiert den Standort der in den
Novemberprogromen zerstörten Stumperschule und bildet nicht nur das
die Aktion begleitende Motiv, sondern wird auch ein zentraler Punkt in den
Ansprachen sein.

In der Galerie Eisenwaren Kamp können die an der Aktion mitmachenden
Wienerinnen und Wiener eine Präsentation der beteiligten Künstlerinnen
und Künstler besuchen, um sich auch auf deren künstlerischen Zugang zu
dem Thema einzulassen.

Organisatoren: Adisa Czeczelich und Stefan Alexander Kamp

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: Adisa Czeczelich, A Downstairs
Affair, Sylvia Fischer, Silva Guenova, Veronika Junger, Stefan Alexander
Kamp, Rolf Laven, Brigitte Kratochwill, Richard Bodyn, Angela Olbrich,
Herwig Prammer, Zsuzsi Vécsei

Kuratorin und Text: Gabriele Baumgartner

Eisenwaren Kamp
Stumpergasse 23/1
1060 Wien

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