5 Minuten Glück in Wien

WIEN. In der jüngsten Zeit bin ich öfter in einem Dorf. Das Leben dort ist natürlich ganz anders – und Neuigkeiten werden tatsächlich über Lautsprecher angesagt: Erst wird ein Hit aus den 1960er-Jahren gespielt. Dann werden die brennenden News verkündet, etwa welcher Arzt wann ordiniert oder wann es in welchem Dorf ein Fest gibt.

Das ist natürlich nicht mit der Millionenstadt Wien zu vergleichen. Anders als in "meinem" Dorf, gelten hier Informationen nicht als so dringend, dass man sie verbreiten müsste. Und per Lautsprecher machen das bei uns ja nur die Wiener Linien. Da hört man dann aber kein Lied – dafür hat man in Wien keine Zeit –,sondern welche Linie ausfällt.

Was mir aber jedes Mal auffällt, wenn ich wieder zurück in meine Heimatstadt komme: Die Wiener sind mit einem gestressten Blick, einem unglücklichen Gesicht unterwegs. Kaum ein Einheimischer, der mit einem Lächeln durch die Stadt geht. Ohne Probleme kann man die Touristen erkennen: an ihrem neugierigen, erstaunten, fröhlichen Herumschauen.

Als ich diese Erkenntnis meinem Freund Reinhard mitteilte, erzählte er mir, was ihm kürzlich passiert ist: "Ich habe meine Frau zum Abendessen ausgeführt. Den ganzen Abend haben wir gegessen, getrunken, uns gut unterhalten und viel miteinander gelacht. Mir ist aber ein anderer Gast aufgefallen, der die ganze Zeit zu uns geschaut hat. Als ich ihn schon zur Rede stellen wollte, kam er zu uns und sagte: ‚Sie sind die ganze Zeit so glücklich. Das sieht man so selten. Ich wollte mich nur bedanken. Sie haben meinen Tag gerettet.'“

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