5 Minuten Wien: Töne, Gegentöne und Kinder-Lachen

Ich liebe den Sommer in Wien, wenn die Hitze zwischen den Häusern steht, die Sonne herunterbrennt und man sich kaum mehr bewegen kann, ohne einen Schweißausbruch zu bekommen. Das gibt die beste Ausrede, sich in den Schani-garten zu setzen.

Leider voll, musste ich bei Ankunft vor meinem Lieblingscafé feststellen. Glück im Unglück: Im klimatisierten Raum ist noch ein Platzerl frei. Hier lässt es sich aushalten und ein wenig abkühlen. Im Hintergrund die unvermeidliche Musik: "I’m a legal alien", singt Sting.

Aber nicht lange und schon gibt es die Gegentöne: Die junge Frau am Nachbartisch spielt ihrer Freundin am Handy den neuesten Hit von DJ Antoine vor. Schön laut, damit sie ihn auch gut hört, schließlich soll Sting ja übertönt werden. Eigentlich wäre Falcos Song "Egoist" treffender, denn die restlichen Gäste im Café fühlen sich durch die nun tönende Kakophonie mehr gestört als unterhalten.

Am Weg nach Hause begleiten mich die verschiedensten, einander übertönenden Musikrichtungen: In der U-Bahn hört man das Schlagzeug aus den Kopfhörern, von links tönen 70, von rechts 130 Beats in der Minute; auf der Straße überbrüllen sich die Cabrio-Fahrer mit ihren Auto-Boxen – auch hier House gegen Hip-Hop.

Da lobe ich mir den Kirschblütenpark: Anlaufstelle, bevor es heimwärts geht. Hier gibt es zwar auch keine Stille, aber in den meisten Fällen die melodischste Musik, die ich kenne: glückliches Kinderlachen. – Bis auf das zornige Geweine der Kleinen nebenan, weil Mama nach drei Eis den Nachschub einstellte. Aber immerhin: Ganz nah dran an der Perfektion.

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