Demos in Favoriten
Die Geschichte ums Ernst Kirchweger Haus

Die Demonstration am Keplerplatz. In der Folge wurden die Teilnehmer provoziert und angegriffen.
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  • Die Demonstration am Keplerplatz. In der Folge wurden die Teilnehmer provoziert und angegriffen.
  • Foto: Stella Witt
  • hochgeladen von Karl Pufler

Bei Demonstrationen rückte das "autonome Zentrum" in den Mittelpunkt.

FAVORITEN. Lange Zeit war es still um das Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) in der Wielandgasse 2–4. Im Zuge einer Demonstration am 24. Juni rückte das ehemals besetzte Haus wieder in den Mittelpunkt.

Der Auslöser war eine Demonstration zu Frauenrechten und Kurdistan. Diese von einem kurdischen Verein angemeldete Kundgebung wurde in der Folge von gewaltbereiten Menschen gestört und angegriffen.

Es kam zu Kämpfen, die sich auch bis zum Ernst-Kirchweger-Haus zogen. Einige türkische Rechtsextreme belagerten die Wielandgasse und griffen an, so die Bewohner des EKH. Die gesamte Stellungnahme des EKH finden Sie hier und am Schluss des Artikels.

Wechselhafte Geschichte

Aber wie kam es dazu, dass eines der ältesten Stahlbetonbauwerke Wiens zu einem Zentrum der autonomen Szene wurde? Gebaut wurde das Haus in den 1920er-Jahren als Komensky-Schule. Kinder von Tschechen und Slowaken bekamen hier ihre Ausbildung und im riesigen "Wieland-Theater" im Keller besuchten bis zu 300 Menschen verschiedene Kultur-Events.

Mit der Zeit wurde die Schule nicht mehr benötigt und die KPÖ kaufte das Haus an der Wielandgasse 2–4.

Antifaschismus

1990 wurde das Haus dann von Autonomen besetzt und nach dem antifaschistischen Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger benannt.

Aus Geldnöten mussten die Kommunisten das Haus in den 1990er-Jahren weiterverkaufen. Das Problem dabei: Der neue Eigentümer soll Kontakte zur rechten Szene gehabt haben. Das wollten die Antifaschisten, die im Haus wohnten, so nicht hinnehmen, wodurch es zu Unruhen kam.

Ruhe ab 2007

In der Folge gab es immer wieder Probleme, bis die Stadt Wien das EKH 2007 kaufte. Alle Bewohner bekamen einen Mietvertrag – derzeit leben rund 50 Menschen in dem geschichtsträchtigen Haus. Zusätzlich haben sich zwei kurdisch-türkische Vereine, der "Verein für Gegenkultur" und der "Dachverband der serbischen Kulturvereine" hier eingemietet.

Seit dieser Zeit gab es ein friedliches Miteinander und keinerlei Probleme mehr. Bis es zu den anfangs erwähnten Unruhen anlässlich einer Demonstration kam.

Das Statement im Wortlaut

Statement zu den faschistischen Angriffen auf das Ernst Kirchweger Haus.

vom 26.06.2020

Stellungnahme zu den Geschehnissen des heutigen Tages in Wien Favoriten aus dem EKH.

Türkische Faschisten griffen am 24.06. eine Kundgebung zu Frauenrechten und Kurdistan in Wien-Favoriten an. Auch danach wurden Kundgebungsteilnehmer_innen vor dem Ernst Kirchweger Haus (EKH) von Faschisten attackiert. Es folgte ein solidarischer Protest vor dem EKH, im Zuge dessen es zu rassistischen Kontrollen und der Festnahme einer unbeteiligten Person seitens der Polizei kam.

Auf der Demonstration gegen faschistische Angriffe am nächsten Tag versuchten türkische Faschisten wiederholt zu provozieren, die Demo zu stören und anzugreifen. Nach dem Ende der Demonstration sammelten sich rechtsextreme Graue Wölfe, AKP-Anhänger und selbsternannte “Wächter von Favoriten” erneut in der Gegend und griffen das EKH an, nachdem sich die Polizei trotz der offensichtlich bevorstehenden Eskalation zurück zog. 200-300 Faschisten randalierten über einen längeren Zeitraum in der Wielandgasse und griffen gezielt mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern das EKH an und versuchten gewaltsam in das Gebäude einzudringen. Mehrere Fensterscheiben im Erdgeschoss wurden dabei eingeschlagen.
Nur durch die Solidarität von Antifaschist_innen konnte Gröberes verhindert werden. Die Polizei hingegen blieb über längere Zeit untätig.

Dies war schon der zweite Angriff innerhalb von zwei Tagen auf linke und emanzipatorische Srukturen und Veranstaltungen und wir rechnen damit, dass es auch nicht der letzte sein wird. Diese Angriffe stehen in Zusammehang mit der repressiven Politik der Türkei unter der Führung Erdogans, die aktuell die kurdische Bevölkerung terrorisiert und kurdische Gebiete bombadiert. Sie reihen sich aber auch in eine längere Geschichte von Attacken auf das EKH ein, in dem sich auch kurdische Vereine organisieren. Unsere Solidarität gilt daher den Betroffenen der türkischen Aggression in den kurdischen Gebieten, hierzulande und auch weltweit all jenen, die sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen.

Wir rufen alle Antifaschist_innen zur Solidarität und der Teilnahme an weiteren Kundgebungen auf.
Treffpunkt Samstag Columbusplatz. Kommt zahlreich!

Nie wieder Faschismus!
Biji Berxwedan! Jin, Jiyan, Azadî!

Einige aus dem EKH

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