08.08.2016, 15:59 Uhr

"Birdhouse": Zwischennutzung statt Leerstand

Ausstellung im Birdhouse. (Foto: farbraum wien)

Raum leer? Raum her! Zwischennutzungskonzepte schaffen leistbare Büros und Ateliers in Wien. Das "Birdhouse" in der Auerspergstraße zeigt, wie man das Potenzial von ungenutzten Objekten ausschöpfen kann.

JOSEFSTADT. "Man kann aus allem noch was machen." – Um diesen Gedanken geht es NEST, der Agentur für Leerstandsmanagement. Es gebe für jeden Zustand eines Hauses Nutzer. Man müsse nur das richtige Objekt mit den richtigen Leuten zusammenbringen, sagt Angie Schmied von NEST.

So etwa in der Josefstadt, im ehemaligen Bankgebäude in der Auerspergstraße. Sieben leer stehende Stockwerke in Toplage, von denen zwar klar war, dass sie früher oder später in luxuriöse Wohnungen umgebaut werden – bis dahin sollte aber noch Zeit vergehen. Also haben sich Angie Schmied, Lukas Böckle und Magdalena Greis, die Menschen hinter NEST, des Hauses angenommen – oder besser – es übernommen. Und zwar in Form sogenannter "Zwischennutzung".

Das Konzept dahinter: Raum, der leer steht, etwa weil umgebaut werden muss, wird während der baulichen Planungsphasen – die oftmals Jahre dauern – genutzt. Somit entstehen für einen begrenzten Zeitraum leistbare Büros, Ateliers und Werkstätten. Das "Birdhouse" in der Auerspergstraße dient noch bis September seinen derzeitigen Nutzern. Die sehr vielfältig sind: Fotografen, Journalisten, Architekten, Künstler, NGOs und sogar Bierbrauer sind dort zu Hause.

DIY-Bier aus der Josefstadt


Für Roland und Robert Schalken etwa war der Raum, den sie im "Birdhouse" gegen eine Miete nutzen, die Betriebskosten und Infrastruktur abdeckt, perfekt. "Nachdem wir nicht wussten, wie sich das Brauen entwickelt, war es wichtig, einen Raum zu finden, der kein finanzielles Risiko darstellt", sagt Robert.

Denn noch ist das Braugewerbe im Aufbau, bald werde das Bier der "Braumanufaktur Schalken" kommerziell erhältlich sein – derzeit kann man sich im "Birdhouse" aber schon eine Kostprobe genehmigen. Die Brüder sind eigentlich professionelle Jazzmusiker, haben aber in ihrer Freizeit bzw. in ihrer eigenen Küche begonnen, Bier zu brauen. "Wir machen gerne Sachen selber. Eines Tages haben wir uns ein Buch über das Bierbrauen gekauft und es einfach probiert", sagt Roland, der Jüngere der beiden.

Die Sauerei in der eigenen Küche war nach eineinhalb Jahren dann doch zu viel und ein eigener Raum musste her. Seither sind sie mit ihren Braukesseln, Schläuchen sowie mit Hopfen und Malz im "Birdhouse" am Werk. 150 Liter brauen sie während eines Braudurchgangs, der rund zwei bis drei Wochen in Anspruch nimmt. Dabei wird experimentiert: Aktuell ist etwa ein Brombeer-Bier angesetzt, das am Ende lila sein soll.

NEST: Agentur für Zwischennutzung


Das Haus in der Auerspergstraße ist nicht das einzige Projekt von NEST, etwa im 15. Bezirk wird ebenfalls ein Objekt zwischengenutzt, das hauptsächlich Künstlern als Atelier dient. "Man muss immer schauen, welche Bedürfnisee die Nutzer eines Hauses haben", sagt Angie Schmied. So bräuchten die Grafiker, Fotografen, Musiker, Journalisten und Architekten zum Beispiel eine ganz andere Internetanbindung, als die Künstler im 15. Bezirk.

Angie Schmied selbst ist Architektin, wie auch ihr Kollege Lukas Böckle, mit dem sie NEST gemeinsam betreibt. Die dritte an Board, Magdalena Greis, kommt aus der Immobilien-Branche. Der eigene Bedarf nach einem leistbaren Arbeitsplatz hat sie einst auf die Idee mit der Zwischennutzung gebracht. Geld verdienen sie mit der Verwaltung von zwischengenutzten Häusern zwar nicht, da sie die Büro- und Atelierräumlichkeiten so vermieten, dass die Betriebskosten gedeckt sind. "Ich denke es ist zeitgemäß, nicht alles auf Gewinn auszurichten, sondern auch was für die Gemeinschaft zu tun", so Angie über die Philosophie dahinter.

Ihr eigenes Einkommen erzielen die beiden Architekten aus Aufträgen für Nutzungskonzepte von unterschiedlichen Standorten und Grätzelinitiativen. Wo das "Birdhouse" in Zukunft seinen Standort haben wird, ist derzeit noch unklar. NEST ist ständig auf Aquise, um neue Obkjekte, die zwischengenutzt werden können, zu finden. "Das ist nicht immer leicht, viele können sich nicht so viel darunter vorstellen und haben Angst vor einer Hausbesetzung." Ein Vorurteil, denn auch die Besitzer leerstehender Objekte ziehen durchaus einen Vorteil, aus der Zwischennutzung - etwa, dass das Haus nicht verfällt.

Nutzer zu finden, die einziehen wollen, geht hingegen schneller, da der Bedarf nach leistbarem Raum vor allem bei jungen Menschen und Start-Ups in Wien sehr groß sei, sagt Schmied. Dafür hat NEST auch eine eigene Online-Datenbank angelegt - über die bereits mehr als 2.000 Raumanfragen eingegangen sind.

Video: Rundgang durchs "Birdhouse"
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