13.03.2017, 11:21 Uhr

Instrumentenbau: Holz mit Klang für die Ewigkeit

Geduld und Feinarbeit in der Hirschengasse 1.

Um Bassgeigen zu bauen, braucht man Holz – aber nicht irgendeines. Und schnell geht hier gar nichts.

MARIAHILF. Einmal kurz zum Holzhändler, ein paar Kubikmeter kaufen und dann ran an die Werkbank: So schnell geht das bei "Kanzian & Traunsteiner" nicht. Sogar ganz im Gegenteil. Die beiden Instrumentenbauer, die in ihrer Werkstatt in der Hirschengasse in Mariahilf Wiener Bässe bauen und Bassgeigen aller Art restaurieren, brauchen vor allem Fichtenholz. Denn daraus besteht die Decke eines Basses, die Zargen – also die Seitenteile – aus Ahorn, das schwarze Griffbrett aus Ebenholz. Und diese Hölzer bekommen sie nicht im Baumarkt, sondern bei einem speziellen Tonholzhändler. Fabian Traunsteiner und Alex Kanzian bevorzugen heimisches Fichtenholz, denn: "Fichten aus dem Alpenraum haben ein langsames, gleichmäßiges Wachstum, und das ist genau das, was wir brauchen", so Traunsteiner.

Denn ein Baum, aus dem ein Bass gebaut werden soll, muss einige Kriterien erfüllen: Er muss groß sein und das heißt: mindestens 200 bis 300 Jahre alt. Dazu sollte der Baum "perfekt" gewachsen sein, also gerade und astfrei. Nachdem man aber von außen nicht 100-prozentig feststellen kann, ob ein Baum den hohen Ansprüchen des Instrumentenbaus genügt, wird oft erst nach dem Fällen klar, ob er geeignet ist. "Die Tonholzhändler haben meistens eigene Wälder, kennen ihren Bestand sehr gut und suchen da-rin nach dem nächsten Baum, der gefällt werden kann", so die beiden. Und ist der Baum erst mal gefällt, muss das Holz noch rund 20 Jahre liegen, bevor es zu einem Bass verarbeitet werden kann.

Volles Lager

Dass hier rein gar nichts "auf die Schnelle" geht, ist offensichtlich, deshalb müssen die Bassbauer stets auf der "Jagd" nach Holz sein und ihr Lager befüllen – sonst kann man eines Tages den Aufträgen nicht mehr nachkommen. Kanzian und Traunsteiner haben ein eigenes Holzlager, in dem stets 36 Prozent Luftfeuchtigkeit herrscht, außerhalb ihrer Werkstatt. Darin lagert auch Holz, das sie etwa pensionierten Kollegen abgekauft haben. "Wir machen auch immer wieder Roadtrips, um Holz aufzutreiben", schildert Kanzian die nicht immer leichte Materialbeschaffung.

Insgesamt belaufen sich die Kosten für das Holz, das man braucht, um einen Bass herzustellen, auf rund 2.500 Euro. "Wir arbeiten nur mit Topqualität, denn das Instrument soll dann ja auch lange halten" – man denke an 300 Jahre alte Streichinstrumente, die heute noch gespielt werden. Zusammengehalten werden die einzelnen Holzbestandteile eines Basses mit Knochenleim, einem tierischen Produkt, das im Unterschied zu synthetischem Leim nicht verklebt, sondern in das Holz einzieht und zwei Teile so miteinander verbindet. Das hat zur Folge, dass diese auch wieder gelöst werden können, wenn Reparaturen notwendig werden. Behandelt werde das Holz mit Lack und keinesfalls gebeizt, denn das würde das Holz angreifen, der Lack hingegen schütze und konserviere, wie die Experten erklären. Und das für lange, lange Zeit.

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