02.09.2014, 18:17 Uhr

MORD AM SONNTAG - Eine Satire

Ein wirklich spannender Fall, der "Tatort" an diesem Wochenende - oder aber eine Woche zuvor - ich bring sie schon alle durcheinander, bei dieser Flut an mordenden Tätern und aufklärenden Ermittlern.

Ein wenig gelangweilt legte ich mein IPad zur Seite und blickte in die fragenden Augen meiner Maxima.
"Sprich, wie hat er dir gefallen?", fragte sie mich mit schläfrigem Blick, den Fernseher auf Standby schaltend.
"Umwerfend, grandios, einfach nicht zu toppen … so aufregend wie die 'Zwergerlbahn' im Wiener Prater! Am meisten fühle ich mit der feschen Unternehmerin! Zuerst erfährt sie vom Tod ihres Sohnes und dann stürzt ihr auch noch Peter Weck vor ihre Füße. Allemal der Krassnitzer wäre ihm prompt nachgefolgt, dann könnte man mit der Neuhauser gleich einen Neustart probieren. Für Simon Schwarz die große Chance endlich vom Inkasso-Heinzi zum verdeckten Assistenten aufzusteigen. An skurrilen Drehbüchern sollte es bekanntlich nicht scheitern!"
Mein Engel verdrehte die Augen. "Also so schlecht hab ich ihn jetzt auch wieder nicht empfunden!"
An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass Sonntagabend unser Wohnzimmer immer zum Tatort wird. Wir nuscheln in Hamburg, obduzieren in Münster, essen Curry Wurst in Köln, verlieben uns in Kiel, streiten in München und raunzen in Wien. Selbstverständlich ermitteln wir auch in Berlin, Leipzig, Stuttgart, Ludwigshafen, Hannover, Dortmund und Bremen. Lediglich Mordfälle in der Schweiz lehnen wir kategorisch ab. Sprachliche Barrieren und eidgenössisches Gedankengut erlauben uns auch einen gemütlichen Wochenendausklang ohne Mordanalysen.
Schon mal was von Miss Maximarple gehört - einer entfernten Urgroßnichte, österreichischer Herkunft, der berühmten Kriminalautorin Agatha Christie? Ich auch nicht, aber bei meinem Schatz bin ich mir da manchmal nicht so sicher.
"Du kannst doch nicht abstreiten, dass diesen Schnellschuss-Autoren schön langsam der Zündstoff ausgeht!", setzte ich nach kurzer Weile besonnener Schweigsamkeit fort. Immerhin hatte SIE die Folge ja soeben als nicht schlecht empfunden.
"Wieso … ich bin davon überzeugt, dass es solche Fälle gibt. Wer schaut schon bei einer Rentnergruppe genau nach, was sie über die Grenze bringen?", antwortete Maxima bedacht und trottete ins Bad.
Ich folgte ihr auf leisen Sohlen. "In der nächsten Folge werden dann wohl die Geriatriepatienten vom Wienerwald als mobile Lagerstätten der Drogenmafia benutzt. Kokain in Wiener Wurstdärmen zwecks Austria-Werbewirksamkeit. Als Special Guest-Stars würden mir sofort die Ott und der Schenk einfallen!"
"Du bist einfach unmöglich!", konterte mein Augenstern.
Gewitzt setzte ich fort: "Ich sehe schon die Fernsehkritik in der Krone - Ott und Otto rollen Krassnitzer an die Wand … oder … Krass daneben ist Ott(o) vorbei!"
Maxima schüttelte den Kopf. "Dir kann man auch wirklich nichts recht machen!"
"Doch …", antwortete ich wie aus der Pistole geschossen, "… mit spannenden Krimis á la Inspector Barnaby oder aber den neuen Sherlock-Folgen. Die wissen, was wir Tele-Ermittler wollen. Scharfsinnige Dialoge, gespickt mit Witz und Ironie, dann werden die Bluttaten ganz schnell zur Nebensache. Da können sich die Tatort-Schreiber ein Scherzerl davon abschneiden!"
Die Augen meiner Maximarple blieben stumpf, obwohl ich doch gerade ihre beiden Lieblingsserien genannt hatte.
"Tatort ist Tatort und Barnaby eben Barnaby - von Sherlock wollen wir erst gar nicht reden!" Mit einem Ausdruck der Unmissverständlichkeit schritt sie an mir vorbei, ins Schlafzimmer hinein. "Mir hat er trotzdem gefallen. Zumindest besser als die alten Tirol-Folgen, wo der Krassnitzer noch alleine war. Die meiste Zeit ist er in irgendwelchen Stuben gehockt und hat unter scheinbarem Einfluss von Sedativa seine Ermittlungen geführt. Ein Satz, eine Schweigeminute, und das den ganzen Film lang! Die Rede des Bundespräsidenten zu Neujahr ist ein wahrer Straßenfeger dagegen."
"Stimmt, seitdem die Neuhauser dabei ist, kann man zumindest wieder zuschauen. Ach übrigens, warum ist der Weck nun von dem Dach gesprungen …"
"Das erzähle ich dir morgen!", unterbrach mich mein Goldschatz und stellte den Fernsehtimer auf 50 Minuten, wohl wissentlich, dass wir den nächsten Krimi nicht zu Ende sehen würden.

Ihr/Euer NorbS
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Josef Schelling aus Baden | 03.09.2014 | 05:24   Melden
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Karl Hailer aus Donaustadt | 03.09.2014 | 07:06   Melden
7.603
Norbert Stöckl aus Favoriten | 04.09.2014 | 17:20   Melden
53.230
Sylvia S. aus Favoriten | 04.09.2014 | 20:49   Melden
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Norbert Stöckl aus Favoriten | 04.09.2014 | 21:15   Melden
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Julia Thrax aus Favoriten | 24.09.2014 | 13:04   Melden
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