04.09.2014, 18:06 Uhr

UNSTIMMIGKEITEN - Eine Satire

Meister Eder war gestorben und Maja mit dem Peter durchgebrannt, während sich Willi unentwegt um die Gunst von Heidi bemühte. Das waren noch Zeiten, als Wickie mit den Wildgänsen zur Maus am Mars düste, nachdem er Nils die Adresse von Ilvy gegeben hatte. Wäre Pinoccio ihr nicht zu Hilfe gekommen, hätten auch Tom und Jerry sie im knallroten Autobus nicht retten können. Denn ein Junge aus Flandern hatte es sich in den Kopf gesetzt die fesche Nordländerin gegen die immerzu schwermütige Perrine einzutauschen. Fast wäre diese den Schlümpfen zum Opfer gefallen, als ein kleiner, rothaariger Kobold an ihrem Strumpfband hängen blieb. Es war einmal der Mensch und vielen Dank für die Blumen.
"Und dieser Unsinn soll als Grundlage für deine neue Erzählung dienen?", fragte mich Maxima konsterniert, nachdem ich meinen Vortrag beendet hatte.
"Cool!", ergänzte meine Tochter Kati. "Was für eine Geschichte soll es denn werden?"
"Eine Sozialkritische!", antwortete ich prompt. "Es läuft zu viel schief in unserer Gesellschaft und deshalb habe ich mir gedacht, diese Unstimmigkeiten im völligen Chaos unserer frühzeitlichen Erinnerungen darzustellen. Das wirkliche Leben ist kein Zeichentrickfilm und doch könnte es einer sein."
"Du hast aber Spongebob vergessen … Kim Possible, Avatar, Winx Club und Spiderman … das sind meine Kindheitserinnerungen!"
"Aber das ist meine Geschichte …"
"… und wird es auch immer bleiben!", fügte Maxima hinzu. "Du glaubst doch nicht wirklich, dass irgendjemand diesen Schrott lesen wird? Und wenn, dann hat er sich wahrscheinlich verklickt!"
Ein wenig pikiert blickte ich in die Runde.
"Vielleicht wäre ja ein Video von Vorteil. Eine gesprochene Geschichte mit Bilduntermalung, für den modernen Menschen von heute."
"Unbedingt …", meldete sich mein Schatz zurück, "… ich sehe dich schon stundenlang in der Küche sitzen und zeichnen. Für 99 Klicks auf YouTube und drei 'Gefällt mir' in der Bezirkszeitung. Hast du gehört, Kati, das Wochenende gehört uns. Dein Vater schlüpft wiedermal in die Rolle von George Lucas - Industrial "Fight & Tragic", das Kreativstudio in Favoriten!"
"Gehen wir auf ein Eis?", fragte Kati Maxima vergnügt und rutschte von der Küchenplatte hinunter. Sie hatte diesen Platz schon vor Jahren auserkoren. Fragen Sie mich nicht warum Kinder so gerne auf Küchenkästen sitzen, ich mache es heute noch so. "Du musst aber unbedingt auch meine Helden miteinbringen, sonst schau ich mir das Video nicht an. Und bunt muss es sein … wegen der Stimmung!"
"Die ist aber trist!", erwiderte ich resigniert.
Höhnisch grinste Maxima zu mir herüber. "Dann brauchst du ja wenigstens nichts kolorieren. Das spart eine Menge Zeit, die du vielleicht auch mal uns widmen kannst! Ach übrigens, ich habe der alten Wintersteiger die gesammelten Ausgaben von Krone und BZ rüber gebracht - die passen so wunderbar in ihren Kanarienkäfig hinein!"
Ein Stich mitten ins Herz, wurde doch letzte Woche endlich wieder ein Bild von mir veröffentlicht.
"Na wenigstens haben die kleinen Piepvögelchen jetzt zwei bunte Schmetterlinge zum An…schauen!", gab ich zum Besten obwohl ich das 'Schei-Wort' zu Satzende weit stimmiger gefunden hätte.
"Und, weißt du schon wie du meine Superheros in deine Geschichte einbauen wirst?", fragte mein Töchterchen verlegen.
Angestrengt starrte ich zur Decke und begann zu erzählen: "Der Krieg der Sterne war vorbei, als Kim Possible und Spongebob die letzten Trümmer von Industrial Light & Magic in die Winx-Galaxie schleuderten. Hätte Spiderman nicht längst die bildhübsche Bloom in seinem Spinnennetz zum Traualtar getragen, dann wäre sie wohl im Harem des mächtigen Avatars gelandet. Wie all die anderen Feen auch, die nicht auf Patrick hören wollten und in die Krosse Krabbe flüchteten. Ein schwerer Fehler, denn dort saß schon der Pumuckl und weinte. Perrine hatte ihn verlassen um mit Ilvy auf ein Eis zu gehen. Die beiden Mädchen waren dicke Freundinnen geworden, nachdem Pinoccio zu Wickie auf den Mars gezogen war."
"Hm … das ist fad … also den Anfang fand ich irgendwie lustiger!", meldete sich Kati zu Wort. "Und warum weint der Pumuckl in der Krossen Krabbe?"
"Ich denke, er würde auch gerne auf ein Eis mitkommen …", ergänzte Maxima spontan und zwinkerte mir zu, "… nicht wahr mein Schatz?"
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Sylvia S. aus Favoriten | 04.09.2014 | 20:43   Melden
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Norbert Stöckl aus Favoriten | 04.09.2014 | 21:26   Melden
6.402
Karl Hailer aus Donaustadt | 05.09.2014 | 06:42   Melden
7.599
Norbert Stöckl aus Favoriten | 05.09.2014 | 07:32   Melden
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Julia Thrax aus Favoriten | 24.09.2014 | 13:05   Melden
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