"Tiefe Trauer ist Folge einer sehr tiefen Liebe"

Trauerseelsorger Johannes Staudacher: "Eine Welt, die meint, ohne Trauer auszukommen, muss auch ohne Liebe auskommen."
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  • hochgeladen von Gerd Leitner

"Man kann so wenig tun", sagt Trauerseelsorger Johannes Staudacher. Seit zehn Jahren begleitet er Hinterbliebene nach Todesfällen. Er kennt das Bedürfnis vieler Freunde von Trauernden, etwas aktiv beitragen und verändern zu wollen.
"Nur der Trauernde selbst weiß, was er aushält", so Staudacher zu Versuchen, ihn oder sie abzulenken. Jeglicher Druck sei fehl am Platz. "Einfach nur sein", ist das Beste, was man tun kann.
Trauernde Menschen müssen die Phase durchleben – in ihrem eigenen Tempo. "Sie sollten aber auch gut zu sich selbst sein", mahnt Staudacher, denn: "Viele gönnen es sich nicht, etwas Schönes zu erleben."

Gespräch als Therapie
Das Wichtige für Trauernde ist, sprechen zu können – immer wieder. "Irgendwann hat man jedem bereits alles gesagt", kennt Staudacher Schwierigkeiten. Deshalb kann ein professioneller Begleiter eine große Hilfe sein. "Ich bin verpflichtet, mir die Geschichte noch einmal anzuhören."
In den letzten Jahren habe sich im Umgang mit Trauer viel getan. "Ein Teil geht sehr bewusst mit Menschlichem um", analysiert Staudacher. In Kärnten nimmt er aber eine Zurückhaltung wahr. "Hier entscheiden sich die Menschen langsamer dafür, Hilfe zu suchen."

"Selbst, aber nicht allein"
Die Kärntner seien so geprägt, dass sie "selbst mit der Trauer fertig werden müssen". Staudacher dazu: "Selbst ja, aber nicht alleine." Deshalb bietet er sich für Gespräche an. "Viele melden sich aber erst, wenn es ihnen besser geht." Verluste bleiben keinem Menschen erspart. Und: "Jeder Verlust kann einen Menschen erschüttern", so Staudacher. "Auch der von Jugend, Erscheinungsbild oder Gesundheit." Je tiefer die Trauer ist, umso größer war die Zuneigung. "Der Schmerz hängt damit zusammen, wie sehr ich an jemandem hänge", weiß der Priester. "Eine tiefe Trauer ist die Folge einer tiefen Liebe."
Die Art des Abschieds bestimme, wie die Zurückgebliebenen mit dem Verlust zurechtkommen. "Ein liebevoller Abschied kann die Trauernden über Wochen tragen", so Staudacher. Ein plötzlicher Tod müsse erst eingeordnet werden. "Man muss den Abschied nachholen – der Weg auf den Friedhof ist ein Nachholen des Abschieds", erklärt Staudacher.

Zweifel am Glauben
"Plötzliche Tode lassen die Hinterbliebenen oft mit Zweifel am Glauben zurück", so Staudachers Erfahrung mit dem Sterben von Kindern oder Selbstmord. Er beruhigt: "Wenn dieses Gefühl sein darf, findet man wieder einen Anknüpfungspunkt."

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