Nachruf
Abschied von einem Lehrer und wahren Menschenfreund

Historische Aufnahme (Anfang der 1950er-Jahre): Schuldirektor Franz Müller mit den beiden Lehrerinnen Erlacher und Marold.
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  • Historische Aufnahme (Anfang der 1950er-Jahre): Schuldirektor Franz Müller mit den beiden Lehrerinnen Erlacher und Marold.
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Mit Professor Franz Müller verließ ein großer Pädagoge und wahrer Menschenfreund diese Welt!

KLAGENFURT, GLANHOFEN, ST. NIKOLAI. In der Nacht des 7. November verschied im hohen Alter von fast 98 Jahren der bekannte Pädagoge und Erziehungswissenschafter Professor Franz Müller nach einem erfüllten und langen Leben. Nur mehr der älteren Generation ist der Name Müller noch vertraut und sie weiß von seiner Pionierarbeit in der Erwachsenenbildung, die in den ersten Nachkriegsjahren im kleinen Radius in seiner Dorfschule St. Nikolai begann.

Blick in die Vergangenheit

Franz Müller wurde am 7. März 1924 in Klagenfurt geboren, besuchte nach dem Realgymnasium die Lehrerbildungsanstalt, die er vorerst wegen der Einberufung zur deutschen Wehrmacht und zum Kriegseinsatz ab 1943 nicht fertig abschließen konnte. Als Schwerkriegsverletzter (Verlust des rechten Beines) kehrte er in seine Heimat zurück und heiratete die Lehrerin Edith Fischer. Mit Schulbeginn 1945 übernahmen die beiden die Lehrerposition der kleinen zweiklassigen Volksschule in St. Nikolai. Franz Müller wurde zugleich die Schulleitung übertragen. Seine 19-jährige Gattin unterrichtete die 1. Klasse – 1. bis 3. Schulstufe mit 45 Kindern – der 21 Jahre alte Junglehrer übernahm die 2. Klasse – 4. bis 8. Schulstufe mit ca. 50 Kindern. Das Paar bezog die Lehrerwohnung im 1. Stock des Schulgebäudes und freute sich in den nachfolgenden Jahren über vier Söhne.

Man kam mit wenig aus

Was uns heute als Selbstverständlichkeit erscheint, war damals in den Dörfern nicht vorhanden. Es gab kein Fließwasser, keinen elektrischen Strom. Selbst in der Schule erhellten nur Kerzen und Petroleumlampen die Räume. Das Dorf war nur mit Pferdewagen erreichbar und der Dorfplatz war eine Rosshalt mit einem Wassertrog, der als Tränke für das Vieh der umliegenden Bauern diente. Die Schulkinder kamen aus allen Himmelsrichtungen und bei jedem Wetter in die Schule – von Debar über den Klammbachgraben, von Dellach, von Alpen und Pernegg, Leiten und Adriach.

Neue Zeit bricht an

„Wir fühlten uns geborgen bei bäuerlichen einfachen Menschen, die uns sofort liebevoll aufnahmen, ihrem jungen Oberlehrer und seiner Frau halfen, ein neues Leben, ja das Leben überhaupt erst zu beginnen", schilderte Müller seine Anfänge in St. Nikolai. Im Bereich der Volksbildung begann eine dynamische Zeit. "Von 1945 erlebten wir den technischen Aufbruch. Elektrischer Strom und Wasserleitungen, Telefon, Radio und Fernsehen eroberten die Wohnhäuser. Straßenbau mit Omnibusverbindung stellten eine Verbindung in die Stadt her, Ross und Wagen wurden durch maschinelle Landwirtschaft ersetzt, das Pendlerwesen veränderte die Menschen und Landschaft derart, dass die „Volksbildung“ kaum Schritt halten konnte.“

"Tage des Dorfes"

"Schon zu Beginn unserer Tätigkeit im Dorf gründeten wir mit Genehmigung der englischen Besatzungsmacht eine Dorfgemeinschaft, aktivierten eine ländliche Volkshochschule, die der Bevölkerung Gelegenheit gab, kriegsbedingt Versäumtes nachzuholen", schildert der Obmann der Dorfgemeinschaft St. Nikolai-Glanhofen Willi Modritsch die damalige Situation. "Es war eine Zeit blühenden Gemeinschaftssinnes und produktiver Aktionen, wofür Franz Müller den ersten Förderungspreis für Volksbildung erhielt."
Schon bald darauf gab es die ersten "Tage des Dorfes" sowie die ersten "Bildungswochen" in Kärnten, die später von anderen Dorfgemeinschaften übernommen wurden. Das Laienspiel war dem Lehrerehepaar Müller ein besonderes Anliegen und jährlich wurde ein Stück aufgeführt. "Von 1949 bis 1975 war er Obmann des Landesverbandes für Amateurtheater, im Jahr 1947 Mitbegründer des Kärntner Bildungswerkes und ab 1950 stellvertretender Landesobmann und pädagogischer Referent des Landesverbandes", so Modritsch. "Ab 1950 freier Mitarbeiter des ORF, ebenso Mitarbeiter des Schulfunks. Nebst seiner Tätigkeit als Pädagoge war er Standesbeamter in Glanhofen, Ansprechperson für alle Probleme der Bevölkerung des „Kloatznwinkels“ – wie dieses Gebiet mundartlich genannt wird."

Hohe Auszeichnungen

Nach 20-jährigem Wirken im Dorf bezog er 1965 sein Heim in Annabichl, war zehn Jahre Leiter der Volksschule Wölfnitz, dann freigestellter Volksschuldirektor, betraut mit dem Aufbau und der Leitung des Erwachsenenbildungszentrums Kärnten. Über 35 Jahre war er Mitarbeiter des Bildungsheimes Krastowitz, beschickte jahrelang die "Sozialspalte" im Kärntner Bauer. "Müller bekam die höchsten Auszeichnungen vom Kärntner Bildungswerk, der Kärntner Landsmannschaft, der Kärntner Landjugend, vom Roten Kreuz, zweimal erhielt er den Volksbildungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst", zählt der DG-Obmann auf. "Das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich, das große Verdienstzeichen des Landes Kärnten sind Zeichen öffentlicher Anerkennung. 1983 verlieh ihm der Bundespräsident den Berufstitel Professor."

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