Am Ende der Wüste warten "Trail-Angels"

Durch die Negev-Wüste: Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und Sand ist ein allgegenwärtiger Begleiter
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BODENSDORF (fri). Auf die Frage, warum man solche Strapazen auf sich nimmt, hat der 34-jährige Bodensdorfer Marc Glintschnig nur eine Antwort: "Ich will gehen. Nun habe ich die 5.000 Kilometer vollgemacht. Nach dem Jakobsweg und dem Franziskusweg war der Israel National Trail nun die logische Pilgerweg-Folge. Dazwischen lag noch der Wild Atlantic Way in Irland."

Viele Sehenswürdigkeiten

Aber zurück nach Israel. Der Israel National Trail (INT) mit seinen 1.000 Kilometern Länge zählt zu den landschaftlich reizvollsten Weitwanderwegen. Er führt durch die Wüste Negev und entlang von kulturellen, geologischen, botanischen, historischen und archäologischen Sehenswürdigkeiten. "Die 400 Kilometer durch die Wüste verlangen den Pilgern einiges ab", schildert Glintschnig. "Beladen mit rund 28 Kilogramm Gepäck wandert man bei rund 30° C durch die Wüste. An zahlreichen Stellen muss man Klettersteige mit bis zu acht Meter hohen Stahl-Strickleitern überwinden. Da wird der Rucksack durchaus zur Last."

10 Liter Wasser am Tag

20.000 Höhenmeter hat das Brüderpaar in den 43 Tagen ihrer Wanderschaft überwunden. "Wir haben zuvor ein Leihauto gemietet und Proviant sowie Wasser in der Wüste vergraben. Das ist dringend nötig, wenn man wirklich den gesamten Weg zu Fuß zurücklegen möchte", so der Bodensdorfer. Immerhin würde der Wasserbedarf pro Person bei zehn Litern liegen. "Ich habe in der Vorbereitungsphase gelesen, dass man am Tag zehn Liter Wasser trinkt. Zuerst konnte ich das nicht ganz glauben, aber am Weg selbst wurde ich eines Besseren belehrt." Genächtigt wurde oft unter freiem Himmel: "Wir hatten zwar ein Zelt mit, aber wegen des starken Windes haben wir das nur selten aufgebaut. Meist haben wir eine geschützte Stelle gesucht und mit Steinen eine Art Lager gebaut." Überhaupt ergänzte sich das Brüderpaar während ihres Fußmarsches sehr gut. "Ich war für Holzsammeln und Feuermachen zuständig. Mein Bruder der Küchenchef", schmunzelt Glintschnig. Auf dem Speiseplan standen nahrhafte Lebensmittel, die noch dazu leicht zu transportieren waren. Es gab durchaus auch Begegnungen mit Tieren – wilden Kamelen, Wölfen, Schlangen und Skorpionen. "Mein Bruder wurde sogar von einem Skorpion gestochen. Zum Glück ist alles gut ausgegangen."

Große Gastfreunschaft

Entlang des Trails gibt es aber auch Menschen, die ihre Türen für die Pilger öffnen. Diese "Trail-Angels", wie sie genannt werden, versorgen die Wanderer gratis mit Essen und bieten ihnen eine Schlafgelegenheit an. "Überall ist man willkommen und die Menschen teilen ihr Hab und Gut mit den Pilgern. Denn der INT wird vorwiegend von jungen Israelis begangen. Diese sehen es als eine Pflichtübung an nach der dreijährigen Absolvierung ihrer Wehrpflicht einen Pilgermarsch zu machen."

Der lange Weg wird jetzt zu einem Buch

Weil die Eindrücke so tief gingen und die Brüder ihre Erlebnisse gerne weitergeben wollen, denken sie über ein gemeinsames Buch nach. "Ein deutscher Verlag hat Interesse bekundet und möchte, dass wir ein Buch über den INT aus zwei Perspektiven schreiben. Diese Herausforderung wollen wir annehmen. Man hört von uns."

Zur Sache

Der Israel National Trail (INT) erstreckt sich auf etwa tausend Kilometern zwischen Dan und Eilat.
Nach mehreren Änderungen am Routenverlauf gibt die Gesellschaft für den Schutz der Natur in Israel (SPNI) seine Länge heute mit 1.009 Kilometern an.

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