"Leidenschaft für die EU ist da!"

WOCHE: Ist die EU-Wahl zu sachlich, um die Menschen anzusprechen?
Otmar Karas: Für mich gehört Aufrichtigkeit, Leidenschaft, Ernsthaftigkeit und Sachlichkeit zusammen. Ohne Leidenschaft hat man keine Glaubwürdigkeit, aber die Grundlage ist die Sache. Mir ist es wichtig, dass die Kärntner sich das Friedens- und Wohlstandsprojekt EU zu ihrer eigenen Sache machen.

Wie weckt man Leidenschaft für die EU?
Die Leidenschaft für die EU ist da. Das spüre ich täglich in vielen Gesprächen. Die Menschen haben viele Fragen, sie wollen wissen, wohin die Reise geht. Und ich sage ihnen, die Europäische Union ist eine Familie, ist eine Gemeinschaft, die von der Teilnahme der Menschen lebt.
Die Zukunft Österreichs ist eng mit der der EU verbunden. Darum möchte ich die EU gemeinsam mit den MEnschen besser machen. Denn die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, dass die großen Fragen – Frieden, Arbeitslosigkeit, Armut und Klimaschutz – keine Person und kein Land alleine lösen kann.

Wie erklären Sie sich die prognostiziert geringe Wahlbeteiligung?
Damit, dass in den letzten Jahren immer Schuld zugewiesen wurde. Es wurde zu wenig informiert und kommuniziert. Die Bilder der erfolgreichen Zusammenarbeit wurden nicht sichtbar gemacht: In Kärnten etwa wird, obwohl das Land Nettoempfänger ist, jede Diskussion aus Sicht des Nettozahlers geführt. Kärnten erhält pro Jahr 118 Millionen Euro aus der Europäischen Union. Ohne EU gäbe es auch keinen Koralmtunnel. Diese Infrastruktur hängt eng zusammen mit Arbeitsplätzen, mit der Attraktivität des Standortes. Wenn man diese Bilder klar macht, dann entsteht ein anderes Bild, als das, das wir täglich über die EU vorgegaukelt bekommen.

Wieso setzen Sie bei ihren Plakaten stark auf die Person und weniger auf die Partei?
Ich habe ein klares politisches Selbstverständnis: Ich bin Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Das ist keine Parteifunktion, sondern eine von verschiedenen Ländern und politischen Lagern gewählte. Personen sind stärker als Institutionen. Sie prägen die Politik und gehen auf Menschen zu. Ich stehe für sachliche Politik und das plakatiere ich. So muss Politik sein – weg mit den Masken und stehen wir zu dem, was wir tun. Das schafft Glaubwürdigkeit. Und der Vertrauensverlust ist das größte Problem, mit dem wir in Europa konfrontiert sind.

Wie schafft man Glaubwürdigkeit und Transparenz?
Indem man die Wahrheit sagt. Zum Thema Freihandelskommen mit den USA etwa: Es ist nicht das erste, das verhandelt wird, aber es ist das erste, das öffentlich diskutiert wird. Wir wollen den globalen Handel regeln. Dafür müssen wir verhandeln. Und dann werden wir entscheiden, ob wir zustimmen oder nicht. Österreich ist als Land mit seinen Interessen in die Verhandlungen eingebunden und der Nationalrat muss das Abkommen gutheißen. Nahrungsmittelsicherheit ist für mich, ebenso wie die Datensicherheit, eine entscheidende Frage für die Zukunft. Daher brauchen wir europaweit generell hohe Standards.

Welche sind die größten Erfolge ihrer Zeit in der EU?
Ich war in jeder großen Frage Europas in den vergangenen Jahren eingebunden und alle meine Vorschläge, wie wir Europa besser machen können, hatten Österreich- und Kärntenbezug.

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