Eine Kärntner Größe sagte leise Servus

Martin Gratzer hat sich vom Leistungssport Kugelstoßen verabschiedet. Dem Sport will er erhalten bleiben
  • Martin Gratzer hat sich vom Leistungssport Kugelstoßen verabschiedet. Dem Sport will er erhalten bleiben
  • Foto: Kuess
  • hochgeladen von Erich Hober

FELDKIRCHEN. Er war österreichweit der bestimmende Kugelstoßer der letzten Jahre. Vor wenigen Tagen hat er seinen Rücktritt vom Leistungssport bekannt gegeben. Gesundheitliche Probleme machten dem Kärntner Aushängeschild schon länger zu schaffen.

WOCHE: Welche gesundheitlichen Probleme führten zum Rücktritt?
Gratzer: Es waren nicht nur gesundheitlichen Dinge. Zum einen ist es der Job als Filialleiter bei einer Bank in Perchtoldsdorf. Der zeitliche Aufwand war schon groß, Urlaube gingen für Trainingslager auf. Dazu Fahrten an Wochenenden nach Kärnten oder nach Ostdeutschland zum Trainer. Zum anderen waren es eben gesundheitliche Probleme wie ein Gleitwirbel, denn ich wohl schon seit Jahrzehnten habe, dem jedoch der Leistungssport nicht so gut bekommt. Dazu Zwicken in der Achillessehne und Ellebogen. Grundsätzlich war mein Motto: Aufhören, bevor der Körper soweit rebelliert, das nichts mehr geht. Ich habe es bei einigen Sportkollegen gesehen, die dann nahezu als Invalide geendet sind. Das wollte ich mir ersparen.

Was waren rückblickend deine Highlights? Was machte für dich Kugelstoßen so interessant bzw. die Entscheidung, diese Sportart aus zu üben?
Gratzer: Sicher mein erster Staatsmeistertitel in der Halle, die erste Verbesserung des Kärntner Rekordes von Gerd Matuschek und meine letzten Titel im Freien 2011 und in der Halle 2012. Dazu die Verbesserung des Indoor-Rekords in der Hallensaison 2011-2012. Warum? Nach Bandscheibenvorfall, massiven Gleitwirbelproblemen, Leistenbruch und chronischen Problemen in den Adduktoren kämpfte ich mich nochmal zurück an die Spitze und verbesserte nochmal den Kärntner Rekord. Mein Hauptproblem war leider mein Kopf. Ich wollte immer zu viel. Im Training stieß ich mehrmals über 19 Meter, was das Limit für die EM bedeutet hätte. Leider stand mir da mein Ehrgeiz im Weg. Das faszinierende am Kugelstoßen ist sicherlich, dass man ganz allein für die Leistung verantwortlich ist. Man kann sich weder auf sein Team, sein Sportgerät oder sonst was raus reden. Die Leistung liegt zu 100 Prozent in der eigenen Hand. Zum Kugelstoßen bin ich über meinen Vater gekommen, der ja in der Leichtathletik (TLC Feldkirchen) aktiv war. Ich habe mich aber erst spät, mit 19 Jahren, darauf fokussiert.

Vom Leistungssport bist du nun weg. Bleibst du in irgendeiner Form diesem Sport erhalten?
Gratzer: Natürlich. Ich schließe es nicht aus, bei der einen oder anderen Leichtathletikmeisterschaft noch am Start zu sein - wenn ich um Medaillen mitkämpfen kann. Dafür müssen aber zuerst alle gesundheitlichen Wehwehchen ausgeheilt sein. Ich habe natürlich nicht mehr den Leistungsanspruch wie vor einem Jahr. Zusätzlich habe ich Fortbildungen im Bereich Krafttraining absolviert und trainiere einige talentierte Sportler aus verschiedenen Sportarten und Leute, die sich in Form bringen wollen. Gerne auch mit Leichtathleten, so lange die Motivation bei den Athleten stimmt. Es wäre schön, einen jungen motivierten Kugelstoßer auf seinen Weg zu begleiten. Aufgrund meiner Erfahrung könnte ich ihm sicher einige "leere Kilometer" ersparen.

Autor:

Erich Hober aus Klagenfurt

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