„Ich war nie ein Hütchen-Aufsteller!“

Am Kärntner Landesfeiertag feierte der gebürtige Lavanttaler Günther Gorenzel-Simonitsch seinen 39. Geburtstag. Zuhause. Und das ist für den Ex-Walter Schachner-Assistenten alles andere als selbstverständlich. „Einmal pro Monat darf ich heimfliegen. Das war das Erste, das ich bei den Vertragsverhandlungen angesprochen hab“, erzählt Gorenzel-Simonitsch im WOCHE-Exklusivinterview.

Vor knapp einem Jahr signierte der studierte Sportwissenschaftler und Analytiker beim russischen Fußball-Meister. Als einer von sechs (!) Co-Trainern. „Ein interessanter Mix. Neben vier Russen und meiner Wenigkeit gibt es auch einen spanischen Co. Er ist für das typisch spanische Spiel verantwortlich, ich soll das strategisch-analytische Denken rüberbringen.“
Der Erfolg gibt dem Team recht; zuletzt holte Kazan ein 1:1 in der Champions League gegen den FC Barcelona. Für den St. Pauler Günther Gorenzel-Simonitsch ein Quantensprung. Im Herbst 2009 coachte er noch den Klagenfurter Unterligisten FC KAC. „Die Mechanismen sind überall die gleichen. Man hat überall mit denselben Problemen zu kämpfen. Einzig das Tempo ist ein anderes“, stellt er fest.

„Es ist eine Riesenehre“
In Russland hat es der Kärntner mit einer kleinen Weltauswahl zu tun. Spieler aus Argentinien, Spanien, Schweden oder Südafrika verdienen dort gutes Geld, ihre Marktwerte bewegen sich zwischen 5 und 20 Millionen Euro. „Natürlich ist es eine Riesenehre, mit denen zu arbeiten. Auch die internationalen Spiele gegen Barcelona oder Inter Mailand – das sind Erfahrungen, die dir niemand mehr nehmen kann.“ Das Leben in Russland sei mit dem in Mitteleuropa nicht zu vergleichen. „Hier gibt es für mich kein Leben abseits des Fußballs. Mein soziales Leben findet via Internet und Skype statt.“

Bodyguard mit Handgranate
Russland beschreibt der Wahl-Krumpendorfer als ein „Land im Umbruch“. Es gäbe große Teile, die sich nach Europa orientieren, solche, die nach Asien tendieren, und wieder andere, die sich den Kommunismus zurückwünschen. „Da gibt es Luxushotels, und zwei Straßen weiter Blechhütten, in denen der Winter zum Überlebenskampf wird“, beschreibt Gorenzel. Er selbst wohnt in einer vereinseigenen Appartement-Anlage. Sie ist, wie alles rund um den Klub, strengstens bewacht. „Die Terrorgefahr ist immer und überall. Auf der Fahrt zu so manchen Auswärtsspielen glaubt man, auf einer Militärparade zu sein. Da sitzt der Bodyguard samt Handgranaten neben dir. Und dann gibt es Moskau oder St. Petersburg, die absolut europäisch, von England oder Spanien angehaucht, wirken.“

Kazan selbst befindet sich im Aufbau. 2013 steigt dort die Universiade, 2018 könnte man sogar WM-Austragungsort sein. Ereignisse, die Gorenzel aber nicht von Russland aus erleben will. „Mein Vertrag läuft zwar bis 2013, ich kann mir aber nicht vorstellen, diesen bis zum Schluss zu erfüllen. So lukrativ er auch ist.“ Psychisch sind für ihn zwei, drei Jahre vorstellbar. Mehr aber auch nicht. „Ich bin ein Familienmensch. Mir fehlen meine Lieben“, gibt Gorenzel zu. Die Söhne Dennis (13) und Tim (6) und Gattin Tanja konnten ihren Vater nicht nach Russland begleiten. „Das ist allein aufgrund der schulischen Situation undenkbar.“

Gorenzel, der seinen Cheftrainern immer auf Augenhöhe begegnete („Ich war nie ein Hütchen-Aufsteller, hab immer meine ehrliche Meinung gesagt!“), will künftig als Allein-Verantwortlicher arbeiten. „Ich bringe immer meine Strategie ein. Ich scheue nicht davor zurück, Verantwortung zu übernehmen.“ Das wollte er auch vor gut einem Jahr beim SK Austria Kärnten. „Aber da wussten die Verantwortlichen nicht, wie es weitergehen soll. Mein großes Ziel ist es, in der Heimat etwas aufzubauen. Es geht um Emotion. Zuhause ist zuhause, da ist man viel mehr mit dem Herzen dabei.“ Spricht’s, und macht sich auf dem Weg zum Flughafen. Am Samstag emfängt der Tabellenzweite der russischen Premier League Rostow, am Mittwoch geht’s in der Champions League zu Panathinaikos Athen.

Karriere:
Der St. Pauler Günther Gorenzel maturierte 1990 am Klagenfurter BORG, studierte in Wien Sportwissenschaften und lernte dort Ex-Rapid-Kicker Heimo Pfeifenberger kennen. Über ihn und Hans Krankl-Intimus Franz Leberbauer kam er zum Spitzenfußball. 2000 heuerte er beim Regionalligisten FC St. Veit an. Von dort lotste ihn Manager Günter Hafner zum FC Kärnten, wo er mit Trainer Walter Schachner Geschichte schrieb. Es folgten Engagements bei Austria Wien, GAK und 1860 München (3 Jahre). Seit Dezember 2009 werkt der Familienvater bei Rubin Kazan.

Autor: Florian Zuschlag

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