,Koralmtunnel ist nicht auf dem Sparplan‘

ÖBB-General Christian Kern am Klagenfurter Bahnhof: „Ich will die Südstrecke stärken“
  • ÖBB-General Christian Kern am Klagenfurter Bahnhof: „Ich will die Südstrecke stärken“
  • hochgeladen von Vanessa Pichler

WOCHE: Welchen Wert legt die ÖBB auf die Südbahn – viele Steirer und Kärntner haben das Gefühl, dass die ganze Aufmerksamkeit zurzeit der Westbahn gilt?
KERN: Es ist mein erklärtes Ziel, die Südstrecke zu stärken. Zwischen Wien und Villach wohnen und arbeiten in etwa gleich viele Menschen wie zwischen Wien und Salzburg. Wir haben aber bis jetzt nur rund ein Viertel des Fahrgastaufkommens, das wir auf der Westrecke haben. Der Süden hat demnach enormes Potenzial für die Bahn. Seit November fährt jetzt unser Premiumzug, der Railjet, bis nach Villach. Für uns ist das ein wichtiger Schritt. Die Resonanz der Kunden ist hervorragend. Bis Juli werden wir fast alle Fernverkehrszüge auf den Railjet umstellen. Daneben renovieren wir entlang der Strecke etliche Bahnhöfe wie zum Beispiel in Spittal oder Bruck/Mur.

Immer wieder geraten große Infrastrukturprojekte in Diskussion angesichts der Sparzwänge. Können Sie ausschließen, dass der Bau des Koralmtunnels doch noch scheitern kann?
Wenn Österreich spart, muss auch die Bahn ihren Beitrag leisten. Das Ziel muss sein, so zu sparen, dass nicht die Lebensqualität und der Wirtschaftsstandort in unserem Land leiden. Daher schlagen wir vor, den Koralm- und den Semmeringtunnel fertig zu bauen bzw. zu realisieren. Diese Projekte haben auch einen enormen Beschäftigungseffekt. Zehntausende Arbeitsplätze hängen daran.

Aber weitere Verzögerungen – also eine Inbetriebnahme der Koralmbahn nach dem Jahr 2022 – sind möglich?
Letztendlich muss die Bundesregierung entscheiden, wie groß das Sparvolumen sein muss. Wir haben Vorschläge gemacht, mehr als zwei Milliarden in den nächsten fünf Jahren einzusparen. Der Koralmtunnel ist nicht auf unserer Kürzungsliste.

In Kärnten sind die drei S-Bahnlinien gut angelaufen – ist die Einrichtung weiterer Linien bzw. die Verdichtung des vorhandenen Linienverkehrs vorstellbar?
Kärnten ist für die ÖBB eine Erfolgsstory. Das gemeinsam mit dem Land Kärnten realisierte Vorzeigeprojekt der S-Bahn wird derzeit in mehreren Stufen etabliert. Die vorerst letzte Phase startet nach der Fertigstellung der neuen Villacher Draubrücke. Dann verfügt Kärnten über ein dichtes Netz an attraktiven Bahnverbindungen, das mit zusätzlichen Bus-Verkehrskonzepten ergänzt wird.

Eine Inbetriebnahme der Koralmbahn hätte negative Auswirkungen für die Belastung der Bevölkerung entlang des Wörthersee-Nordufers. Ist eine Verlegung ins Rosental oder aber eine Untertunnelung der Wörthersee-Bahnstrecke möglich?
Das Thema darf man nicht aus den Augen verlieren. Realistisch betrachtet lassen die Sparzwänge aber eine Prognose, wann es zur Umsetzung kommen könnte, derzeit nicht zu. Im Rahmen der Trassenfindung für eine eventuelle Neubaustrecke im Kärntner Zentralraum wurde vor Jahren ein mehrstufiges Bürgerbeteiligungsverfahren gestartet. Als beste mögliche Trasse ging eine nördlich der Südautobahn hervor, die großteils im Tunnel geführt werden sollte. Eine Trassenführung durch das Rosental scheidet unter anderem wegen der schwierigen Topographie aus.

Das Land fordert zur Wörthersee-Tunnelvariante die Ausarbeitung eines konkreten Projekts. Wie weit ist das schon gediehen?
In Ermangelung der Notwendigkeit einer zweiten Bahnachse durch den Kärntner Zentralraum wurden vor einigen Jahren die Planungsarbeiten nach Abschluss des Trassenauswahlverfahrens gestoppt. Die bestehende Bahnstrecke zwischen Klagenfurt und Villach ist derzeit nur zu rund 50 Prozent ausgelastet. Selbst mit Inbetriebnahme der Koralmbahn würden wir dann noch über ausreichende Kapazitäten verfügen um zusätzliche S-Bahn- und Güterverkehre auf die Schiene zu bringen.

Welche Vision haben Sie als ÖBB-Chef für die Bundesbahn? Wohin geht die Reise?
Die Bahn ist das Verkehrsmittel der Zukunft. Österreich hat bereits jetzt die drittfleißigsten Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer in Europa. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit den Maßnahmen, die wir bereits gesetzt haben, das Image der Bahn weiter verbessern und den Menschen noch mehr Lust aufs Bahnfahren machen. Wichtig dafür ist natürlich eine starke wirtschaftliche Basis. Wir konnten bereits 2011 unsere Pläne übererfüllen und werden nach einen Verlust von 330 Millionen Euro im Jahr 2010 mit nur mehr minus 28 Millionen abschließen. Spätestens 2013 soll es dann wieder Gewinne geben.

Autor: Uwe Sommersguter

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