„Volk soll auch zahlen“

Atomexperte Wolfgang Kromp ist überzeugt: „Panikartiger Ausstieg ist nicht möglich!“
  • Atomexperte Wolfgang Kromp ist überzeugt: „Panikartiger Ausstieg ist nicht möglich!“
  • hochgeladen von Vanessa Pichler

Der renommierte Risikoforscher und Atomexperte Wolfgang Kromp war kürzlich zu Gast in Kärnten und hielt für das Unternehmen „Alpswind“ einen Vortrag. Die Kärntner WOCHE traf ihn zum Interview.

WOCHE: Ist die nukleare Katastrophe im japanischen Fukushima schlimmer als die von Tschernobyl im Jahr 1986?
Wolfgang Kromp: Ja, auf alle Fälle. In Tschernobyl war der Prozess der Kernschmelze ziemlich rasch vorüber, während in Fukushima bis jetzt alles am Dampfen ist und teilweise ein permanenter Austritt von Radioaktivität stattfindet.

Worin liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen Fukushima und Tschernobyl?
Zum einen in der Brennstoffmenge, zum anderen in der Anreicherung. In Tschernobyl handelte es sich um 180 Tonnen nukleare Brennstoffe, während es sich in Fukushima um mehr als die doppelte Menge dreht. Dort sind es zirka 400 Tonnen Brennstoffe.

Wie wurden die Brennstoffe angereichert?
In Tschernobyl wurden die Brennstoffe mit rund zwei Prozent nur sehr gering angereichert, während für die Anreicherung im Atomkraftwerk in Japan viel mehr Plutonium verwendet worden ist. In Tschernobyl wurde der Großteil der Brennstoffe herausgeschleudert, was von der Intensität her nicht an eine nukleare Explosion heranreicht. Atomasche produziert immerhin weiter Energie, die gefährlich ist.

Welche Folgen befürchten Sie von Fukushima?
Die Insel Japan als solche kann von Glück reden, weil die meiste Gefahr einfach ins Meer abgeflossen ist. Die Langzeitfolgen für den Ozean sind vermutlich verheerend, aber in ihrer gesamten Dimension noch nicht absehbar, weil es ein solches Ausmaß bisher noch nie gegeben hat.

Wer wird von den Folgen am meisten betroffen sein?
Wahrscheinlich die gesamte Weltbevölkerung und alle Meerestiere. Allein, wenn man bedenkt, dass sich ein beträchtlicher Teil der Menschheit von Meeresfrüchten ernährt und diese knapp werden. Plankton als einer der wichtigsten Sauerstoffregeneratoren ist ebenfalls stark betroffen. Hinzu kommen große Fische, die sich von kleineren ernähren, usw.

Könnte es in Krsko zu einer vergleichbaren Atomkatastrophe wie in Fukushima kommen?
Das Schlimmste für das Atomkraftwerk in Fukushima war nicht das Erdbeben, sondern die dadurch ausgelöste Flutwelle, welche die massivste Zerstörungskraft war. Gäbe es also in der Nähe von Krsko Staudämme, die durch ein Erdbeben zerstört werden könnten, wäre es möglich. Ansonsten aber eher unwahrscheinlich, dass allein durch ein Erdbeben eine vergleichbare Katastrophe ausgelöst werden könnte.

Sind Sie für den weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie?
Grundsätzlich ja. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass so ein Ausstieg keinesfalls panikartig von heute auf morgen möglich ist. Jedes Land müsste für sich eine eigene Lösung finden, welche alternativen Energien vorhanden sind, die es anstatt der Atomkraft nutzen kann.

Viele Länder verfügen über alternative Energien wie Wind, Sonne und Wasser. Und betreiben trotzdem Atomkraftwerke. Woran liegt das?
Fossile und nukleare Energieformen werden sehr hoch subventioniert. Mein Vorschlag wäre, alle Steuerzahler zur Förderung alternativer Energien mitzahlen zu lassen. Anders ist es nur schwer finanzierbar.

Wie kann langfristig ein Umstieg auf alternative Energien gelingen?
Die Gesellschaft müsste sich grundlegend ändern, sich hin zur Biolandwirtschaft entwickeln und es müsste eine Gleichverteilung vorhandener Ressourcen stattfinden. Wir als Konsumenten sollten nicht mehr bei globalisierten Unternehmen einkaufen, um so für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Die Industrie muss sich doch letztlich nach den Konsumentenwünschen richten.

Autorin: Eva-Maria Peham

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