19.12.2012, 05:00 Uhr

Weihnachten in der ehemaligen DDR

Mathias Melzer erinnert sich für die WOCHE zurück, wie Weihnachten in der DDR gefeiert wurde.

Die DDR existierte von 1949 bis 1990 unter einer kommunistischen Diktatur und endete in einer friedlichen Revolution. Mathias Melzer, der früher in der DDR lebte, erinnert sich daran, wie damals unter schwierigen Voraussetzungen Weihnachten gefeiert und organisiert wurde.

Gab Zuteilungen
„Wir gingen in den Tante-Emma-Laden und fragten: „Haben Sie ...?“ Ab dem 6. Dezember gab es Schokoweihnachtsmänner. Jeder konnte nur eine gewisse Menge kaufen, es gab Zuteilungen und auch die Geschäfte hatten nur ein gewisses Kontingent. War dieses verkauft – gab es nichts mehr“, erklärt Mathias Melzer.
Es herrschte daher reger Tauschhandel und es gab „Bückware“. „Bückware“ wurde unter dem Tisch gelagert, nicht in den Regalen. Der Verkäufer musste sich bücken um die Ware auf den Tisch zu legen. „Mandeln oder Nüsse für die Kekse gab es überhaupt nicht zu kaufen. Wollte man backen, musste man sich schon im Herbst einen Vorrat anlegen“, erzählt der Diakon.

Geschenke im Sommer
„Die Weihnachtsgeschenke kauften wir oft schon im Sommer. Es gab ein Weihnachten, da bekam ich ein Planschbecken geschenkt. Ich konnte trocken schwimmen lernen!“, ergänzt Melzer, der schon seit 20 Jahren in Feldkirchen lebt. In der DDR gab es oft Wintersachen im Sommer und Sommersachen im Winter.
Die Weihnachtsbäume wurden im Lebensmittelgeschäft verkauft. Auch hier galt es sich früh anzustellen, ansonsten hatte die Familie keinen Baum. „Es gab einmal nur sehr schlecht gewachsene Bäume. Da musste mein Vater kreativ werden und hat aus drei Bäumen einen schönen zusammengesägt und geschraubt“, erinnert sich der sympathische Wairer mit einem Lächeln zurück.
„Es gab zwar Firmenweihnachtsfeiern, aber die durften keinen christlichen Bezug haben. Sie wurden „Fest des Friedens“ genannt. Wir stellten Holzschnitzereien ins Fenster. Lichterengel mit Kerzen, die aber geflügelte Jahresendfiguren genannt werden mussten. So viele Söhne eine Familie hatte, so viele Bergmänner stellte sie ins Fenster. Genauso viele Engel standen daneben, wie viele Töchter die Familie hatte“, ergänzt Melzer.
Weihnachten war das einzige Fest, an dem die Kirchen voll waren. „Sogar die eingefleischten Parteigenossen gingen zur Christmette!“, berichtet der evangelische Diakon.
„Genießen kann ich den Konsumrausch zu Weihnachten nicht immer, aber es ist schön in den Geschäften sagen zu können: ich hätte gerne ... “, sagt Mathias Melzer.
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