14.04.2017, 06:40 Uhr

Ohne Liebe ist das Leben fad

Gespräch über die Liebe: Psychologin Barbara Woitischek (Foto: KK)

Im Frühling spielen Hormone verrückt. Auch in der Liebe, weiß die "Lichtblick"-Psychologin Barbara Woitischek.

FELDKIRCHEN (fri). Beinahe jeder Mensch, egal welchen Alters, sehnt sich nach der süßen „Sucht“ des Verliebtseins. Die Psychologin Barbara Woitischek spricht über die Liebe und den Kummer, der oft damit verbunden ist.

WOCHE: Es ist Frühling. Geraten die Hormone da tatsächlich durcheinander?
Barbara Woitischek: Im Frühling werden die Tage länger, der Mensch braucht weniger Schlaf und gewisse Hormone regulieren sich „neu“ – der Körper produziert weniger Melatonin, ein Hormon das den „Schlaf-Wach-Rhythmus„ bestimmt und vorwiegend in der Nacht produziert wird. Männer wie Frauen benötigen nicht mehr so viel Schlaf. Da es mehr „Sonnenstunden“ pro Tag gibt, fühlen sich die Menschen frischer und unternehmungslustiger. Dies hat wiederum zur Folge, dass unsere Glücks- und Wohlfühlhormone Serotonin, Dopamin und Noradrenalin vermehrt produziert werden. Die Sonne wird zu unserem Lebenselixier.
Beim Verspüren von Frühlingsgefühlen hat auch die Psychologie ihren Einfluss: Mit dem Erwachen der Natur, erwacht auch der Mensch aus seiner „Ruhezeit“ – daran erkennt man, dass menschliches Handeln erstaunlich stark durch unsere Biologie bestimmt ist. Vor allem die optischen Reize spielen hier eine wesentliche Rolle – die Menschen kleiden sich luftiger und farbenfroher - die Körperlichkeit kommt bei Mann und Frau mehr zur Geltung. Frauen/Mädchen bevorzugen kürzere Röcke und T-Shirts, die so manchen Einblick gewähren – Männer/Burschen zeigen Muskeln und ihren durchtrainierten Po. All das erweckt intensive positive Gefühle beim Gegenüber – dies ist eine Taktik der Natur, um Beziehungen in Gang zu bringen. Hier handelt es sich um einen psychologischen Trick, den „Body-Talk“, dieser ist auch in der Tierwelt zu finden: der Pfau schlägt sein Rad, um dem Weibchen zu imponieren und auch eine Henne mag nun mal einen buntgefiederten Hahn lieber als einen grauen Gockel! Das sind animalische Grundinstinkte in ausgeprägtester Form, die auch beim Menschen zu finden sind, wir kennen dies unter dem klassischen Begriff Flirten – Signale von Männern und Frauen werden ausgesendet um den potentiellen Partner/die potentielle Partnerin zu beeindrucken. (Flirt-Tipps, damit es mit der LIEBE klappt – könnte ich ihnen zusenden, wenn es für Sie passen würde)
Beinahe jeder Mensch, egal welcher Altersgruppe er/sie angehört, sehnt sich nach der süßen „Sucht“ des Verliebt Seins. Kein Mensch will nur „Zaungast der Liebe“ sein, beinahe jeder Mann/jede Frau sehnt sich nach den Schmetterlingen im Bauch, den stundenlangen Telefonaten, den 100erten Whats App/Twitter/etc. Nachrichten, den prickelnden Gefühlen und der anhaltenden Besessenheit den anderen zu treffen, zu sehen und zu berühren. Im Rausch der Gefühle verlieren die Menschen oft den Bezug zur Realität - dieses Phänomen nennt man VERLIEBTSEIN, ein mächtiges und wunderbares Gefühl, dem wir uns nur zu gerne hingeben.

Steigen die Zahlen – neue Liebe oder Trennung?
Beim Lichtblick in Feldkirchen und bei mir in der Praxis in St. Veit/Glan kommen nicht die Verliebten zu mir, sondern Menschen, die in konfliktreichen und unzufriedenen Partnerschaften leben oder jene die sich getrennt haben und eine neue erfüllende Lebensform suchen, die sie glücklich macht. Diese neue Lebensphase ist aber für die meisten Menschen sehr anstrengend und viele benötigen dabei Unterstützung.

Wie kann man Menschen mit Liebeskummer helfen – bzw. wird Hilfe angenommen?
Hilfe wird sehr gerne angenommen, da Personen mit Liebeskummer sich in einem emotionalen Ausnahmezustand befinden. Nichts ist mehr so wie es früher war, die eigene kleine Welt ist auf den Kopf gestellt. Das plötzliche „Allein-Sein“ bewirkt bei vielen Menschen Angst, Verzweiflung, Sehnsucht und Wut, aber auch körperliche Reaktionen wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Rastlosigkeit - bis hin zu suizidalen, daher sind Netzwerke von größter Bedeutung – wie Familie, Freunde und ArbeitskollegInnen. Denn Soziale Isolation wirkt sich negativ auf den Menschen aus und gefährdet die psychische und physische Gesundheit.
Frauen wie Männer benötigen wieder Struktur im Alltag und diese könnte mit folgenden Faktoren wieder hergestellt werden:
Z wie Zeit – lass dir Zeit und stelle dich in den Mittelpunkt - Zeit ist der zentrale Faktor bei Liebeskummer
A wie Abstand – strikten Abstand vom Ex/von der Ex halten
S wir Sport – durch sportliche Betätigung könne „Glückshormone“ wieder produziert werden
A wie Ablenkung - Freundschaften wieder aufleben lassen, etwas unternehmen, sich in die Arbeit/Ausbildung stürzen, bei Kursen einschreiben (Tanz-, Koch-, Yoga-, Mal- oder Sprachkursen, etc.)
N wie Neue Ziele – Veränderung erfolgt immer von Außen nach Innen
Die Palette der menschlichen Empfindungen hat sich seit Jahrtausenden nicht wirklich verändert - Menschen verlieben sich, Menschen trennen sich. Liebeskummer macht vor keiner Altersgruppe Halt. Daher sucht man schon seit Menschengedenken nach Lösungen.
Ein Beispiel:
In der Zeit von 980 bis 1037 lebte ein berühmter persischer Arzt, Philosoph, Wissenschaftler und Physiker namens Ibn Sina und der gab folgende Empfehlungen für die Heilung der Liebeskrankheit:
Mache Diäten, diese sind wichtig für die Balance des Körpers und den Humor
Trinke Tee`s für einen erholsamen Schlaf
Arbeite, um auf andere Gedanken zu kommen – eine sinnvolle Beschäftigung lenkt vom Liebeskummer ab
Gehe auf Reisen oder auf die Jagd, um die Gedanken an die Geliebte/den Geliebten abzulenken.
Heute im 21 Jahrhundert schaut dies sehr ähnlich aus.

Ist Liebe ohne Schmerz vorstellbar?
Leider Nein. Es tut immer weh, wenn wir jemanden verlieren, den wir lieben!

Wie verändert Liebeskummer den oder die Betroffene?

Beim Lichtblick und in meiner Praxis kann ich beobachten, dass Liebeskummer oft Auslöser für tief greifende Krisen ist. Viele erleben diesen emotionalen Zustand als eine persönliche Katastrophe. Sie verweigern die Arbeit, vernachlässigen ihr Äußeres, ziehen sich von allem und jeden zurück. Sehr oft spielen Alkohol und Drogen, aber auch Gewalt eine große Rolle. Menschen versuchen alles, um diese emotionale Schieflage zu überwinden. Solch ein Lebensereignis tritt oft unerwartet auf und verändert die Person dauerhaft. Sie bewirken bzw. fordern eine Neuorientierung und Neuorganisation - Ressourcen müssen aktiviert werden, um sich neu zu definieren.
Es muss den Betroffenen immer wieder bewusst gemacht werden, dass Liebeskummer ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Sehr oft werde ich gefragt, wie lange Liebeskummer nun dauert. Da gibt es keine mathematische Formel, die in der Lage ist Liebekummer zu berechnen. Die hängt immer von der Intensität und Dauer der Beziehung ab, aber als Orientierungshilfe kann man sagen, dass in den meisten Fällen nach einem +/- halben Jahr das Schlimmste überstanden ist und nach +/- einem Jahr kann die betroffen Person wieder neu durchstarten. Vorausgesetzt der Mann, die Frau nimmt Hilfe an.

Welche Erfahrungen kann man auf den weiteren Weg mitnehmen? 
Das Motto könnte lauten: „Wer nicht spricht, zerbricht!“
Reden mit anderen Personen entlastet. Häufig sind Familienmitglieder und Freunde überfordert, da sie die gewünschte Hilfe nicht geben können. Hier wäre es ratsam, externe Unterstützung anzunehmen und mit einem Profi darüber zu reden.
In den meisten Fällen stellen Menschen später fest, dass es auf der Welt bzw. in ihrer näheren Umgebung nicht nur „den Einen“ oder „die Eine“ gibt, der/die zu ihnen passt. Doch sehr oft zeigt sich ein vermeintlicher Verlust später betrachtet als „Glücksfall“.

Was bedeutet Liebe für Sie als Therapeutin?
Der Mensch ist und bleibt ein Beziehungswesen und leidet zunehmend unter „Mangelkrankheiten wie: zu wenig Nähe, zu wenig Zärtlichkeit, zu wenig Anerkennung und zu wenig wahrgenommen werden – viele Menschen erleben heute zu wenig positive und zu wenig tiefe Bindungen …daraus resultieren die Schwächung des Immunsystems und weniger Stress-Resistenz –Menschen erkranken ….. z.B. an Depressionen, Angststörungen, Sinnlosigkeitskrisen, Burn-Out, etc.;
Mein Fazit: Liebe ist die wichtigste Emotion überhaupt. Ein Leben ohne LIEBE hat keine Bedeutung, aber die Liebe ist auch ein Wagnis – doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Zur Person

Die Psychologin Barbara Woitischek leitet in St. Veit eine Liebeskummer-Praxis.
Zudem ist sie in der Mädchen-, Frauen- und Familienberatungsstelle "Lichtblick" in Feldkirchen als Beraterin tätig.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.