10.09.2014, 06:30 Uhr

Gelassen durch die turbulenten Zeiten

Wechsel der Generationen: Hans Raunig (62, re.) übergibt nach 27 Jahren das Zepter bei Dr. Oetker an Manfred Reichmann

Manfred Reichmann ist der neue Mann an der Spitze von Dr. Oetker. An Strategien hält er weiter fest.

"Wir haben damit den Generationenwechsel abgeschlossen", kommentiert der langjährige Geschäftsführer von Dr. Oetker Österreich, Hans Raunig, seine Nachfolge. Seit 38 Jahren ist er im Unternehmen; vor 27 hat er die Leitung übernommen.
Nun ist Manfred Reichmann (47) am Ruder; er ist seit 1997 im Unternehmen. "Ich war in den letzten sechs Jahren viel im Ausland unterwegs", so Reichmann. "Das war hochinteressant, aber jetzt möchte ich mehr Stabilität."
Noch drei Jahre leitet Raunig die Schweizer Dependance von Dr. Oetker. Schon jetzt sagt er: "Ich gehe leicht, denn ich habe mehr kommen gesehen als gehen." Am meisten hat ihm die Entwicklung der Marke Freude bereitet. "Und die der Mitarbeiter", ergänzt er.

Gespür fürs Unternehmen
"Mein Nachfolger bringt ein Gespür für die Mitarbeiter mit – und auch für das Unternehmen", streut Raunig Rosen. Soziale Kompetenz war stets von großer Bedeutung in der über 100-jährigen Geschichte von Dr. Oetker. "Es waren immer Menschen, die die Marke geprägt haben", so Raunig.
Klare Ziele setzt sich Reichmann dennoch: "Ich möchte in allen Bereichen wachsen", nimmt er sich vor. "Jeder Markt ist zu beleben, es bedarf der richtigen Impulse."
Wie es geht, hat Dr. Oetker in den letzten Jahrzehnten gezeigt. Von Backpulver bis Pizzaburger – alles passt unter eine Marke. "In drei von 3,2 Millionen österreichischen Haushalten sind unsere Produkte vertreten", so Raunig stolz.

Trend zur Verzierung
Jetzt gehe es darum, Trends zu lesen. Reichmann: "Jeder Trend hat einen Gegentrend." Zu Fertigprodukten aufgrund von Zeitmangel gesellt sich derzeit eine wachsende Liebe zum Backen. "Wir bemerken steigende Nachfrage nach den Verzierungen von Backwaren", so Raunig. Dass sich Tradition und Innovation nicht ausschließen, zeigt Dr. Oetker mit der Einführung des Pizzaburgers. "Er war zeitweise nicht lieferbar", berichtet Raunig. "Ein schöner Beweis für die Qualität unserer Arbeit."
Kurzlebigkeit verpflichtet
Innovativ soll es auch weitergehen – ohne die Wurzeln zu vergessen. Auf panische Reaktionen des Marktes verzichtet Dr. Oetker gänzlich. "Wir planen langfristig, schwenken nicht bei Turbulenzen um", erklärt Reichmann. Raunig ergänzt: "Gerade die Kurzlebigkeit verpflichtet uns dazu, weiter in die Zukunft zu schauen." Derzeit arbeite man an der Strategie für 2025.
Langfristig ist auch das Engagement der Mitarbeiter. "Manfred Reichmann hat keinen Fünf-Jahres-Vertrag wie andere Manager", gibt Raunig preis, "sondern einen unbefristeten." Reichmann blickt weit in die Zukunft: "Ich möchte mich hinsetzen und sagen können, ich habe Spuren hinterlassen. Für die Marke und die Mitarbeiter."

Zur Sache:
Dr. Oetker wurde im Jahr 1891 in Deutschland gegründet.

Bereits seit 1908 gibt es Dr. Oetker Österreich. Zuerst war der Firmensitz in Baden bei Wien, 1960 siedelte das Unternehmen nach Villach.

Derzeit sind rund 60 Personen für Dr. Oetker in Villach tätig. Sie kümmern sich um Marketing und Vertrieb.

In drei Millionen
(von 3,2 Mio.) Haushalten in Öster-reich werden Produkte von Dr. Oetker verwendet.

Im Jahr 1980 brachte man das erste Buch – es widmete sich dem Backen – heraus. Innerhalb eines Jahres wurden 121.000 Exemplare verkauft.

Heute hat Dr. Oetker rund eine Million Zugriffe auf die Anleitungsvideos im Internet. Über 70.000 Fans folgen dem Unternehmen auf Facebook.
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