19.12.2013, 16:14 Uhr

Pongratz: "Scheitern beginnt, wo das Missgeschick endet"

Der Gailtaler Christian Pongratz ist Trainer, Wirtschaftskabarettist und hat zwei Bücher Geschrieben (Foto: KK)

Gailtaler Autor Christian Pongratz bringt in seinem zweiten Buch eine Anleitung und praktische Tipps zu stilvollem Scheitern.

Der gebürtige Gailtaler Christian Pongratz hält Vertriebsschulungen, leitet Workshops und hat sein zweites Buch veröffentlicht. Ging es in "Betriebsdesaster" darum, wie man sein Unternehmen am besten ruiniert, fokussiert Pongratz in "Erfolglos" auf das Individuum und gibt praktische Tipps zum Scheitern auf ganzer Linie.

WOCHE: Sie erheben Scheitern zu einer Kunst, warum sollte man sie beherrschen?

CHRISTIAN PONGRATZ: Weil es nicht einfach ist, nachhaltig zu scheitern, die meisten Menschen haben Erfolgsrückfälle.

Was genau verstehen Sie unter Scheitern?

Es ist ja kein Problem einmal oder meinetwegen auch viermal etwas nicht zu schaffen! Vom Scheitern wie ich es meine, sind wir dabei aber noch meilenweit entfernt. Scheitern beginnt, wo das Missgeschick endet. Das bedeutet, zu scheitern ist harte und langwierige Arbeit, es kann sehr lange dauern, bis wirklich nichts mehr geht. Da heißt es hart bleiben, durchhalten und den Mut zum Untergang nicht verlieren.

Ist es notwendig, dass Menschen scheitern? Aus welchem Grund?

Zwingend notwendig ist es nicht, wenn man aber betrachtet, mit wie viel Einsatz manche an ihrem eigenen Untergang arbeiten, komme ich ins Staunen. Was alleine die Raucher auf sich nehmen, um sich Zug um Zug zu vergiften, ist kontinuierlicher Einsatz für die Selbstzerstörung.

Was kann man aus dem Scheitern lernen? Sollte man daraus überhaupt lernen?

Auf keinen Fall, wenn man es zur Perfektion bringen will. Nur Zauderer verabschieden sich vom Weg in den Abgrund und drehen plötzlich um, richtige Experten des Untergangs bleiben felsenfest auf ihrer Spur – komme, was da wolle.

Mit welcher Methode/welchem Verhalten scheitert man am schnellsten?

Das hängt von der jeweiligen Person ab, das lässt sich nicht generalisieren. Es hilft, wenn einem bereits in der Schule beigebracht wird, wie wenig man wert ist, wie viele Fehler man macht, und dass es keinen Grund gibt, eigenes Selbstvertrauen aufzubauen. „Nicht gescholten ist gelobt genug“ – glücklicherweise haben wir ausreichend Lehrpersonal, die mit dieser besonderen Methode vertraut sind. Was man im Kindesalter bereits zerstören kann, muss später nicht mühevoll bei einem Erwachsenen – der sich womöglich bereits dagegen wehren könnte – vernichtet werden. In diesem Zusammenhang appelliere ich auch an die Eltern, den Druck aus der Schule nach Hause zu importieren und dort weiterzumachen, wo die Lehrer aufgehört haben.

Welcher Missverfolgsfaktor ist der Verlässlichste?

Sehr gut eignen sich Statussymbole wie extrem teure Autos, Frauen oder Häuser. Wenn man sich mit dem Geld, das man nicht hat, Sachen kauft, die man nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die man nicht mag, dann passt es optimal! Hirnloser Konsum in Verbindung mit einem feschen Privatkredit vom Bankinstitut Ihres Vertrauens schafft die optimale Basis. Lassen Sie sich beraten, wie man sich mit Haut und Haaren an eine kreditgebende Organisation verpfändet, die selber nur durch diverse Staatshilfen überleben konnte.

Es gibt Menschen, die nie zu scheitern scheinen - was machen die "falsch"?

Diese Versager lassen sich von Misserfolgen einfach nicht entmutigen! Wenn die straucheln stehen sie auch wieder auf, solche Typen nehmen die Kunst des stilvollen Scheiterns nicht ernst. Sie wären am besten Weg zum eigenen Absturz und drehen unvermittelt um – so etwas sehe ich nicht selten. Jedes mal denk ich mir: Wieder einer, der den Weg des Untergangs verlassen hat, wie kann das sein und darf es sein?

Gibt es Naturtalente, oder muss man das Scheitern jedenfalls lernen?

Es gibt schon Spezialisten, die mit Anlauf über die Klippen hechteln. Ich will keine Namen nennen, nur soviel: Wir müssen nicht weit schauen, um zu erkennen, dass es immer wieder Menschen geben wird, die eine Sache so gut beherrschen, dass man von vollendetem Stil sprechen darf. Wenn ein Tanklaster ohne Sprit stehenbleibt oder eine Bank mangels Geld Staatshilfen braucht, so hat das eine Eleganz, die ihresgleichen sucht. Wahre Könner sind am Werk – sehet und staunet!

Was unterscheidet privates von beruflichem Scheitern?

Wenig, in beiden Situationen hat man die Möglichkeit, andere in den Strudel mit hineinzuziehen, Gesundheit und Vermögen zu vernichten. Die eindrucksvollsten Resultate erzielen Kombinationen aus diesen zwei Disziplinen, quasi als Links-Rechts-Kombination mit totalem KO.

Hängt privates und berufliches Scheitern immer zusammen, oder kann man es auch unabhängig voneinander betreiben, also in einer Disziplin erfolgreich sein, in der anderen nicht?

Ein einseitiger Fokus ist sehr gefährlich, denn man kann sich in einer solchen Situation auf den verbliebenen Bereich stützen und womöglich dort Kraft schöpfen, um eine Trendwende herbeizuführen. Eine starke Familie, die Rückhalt gibt, ist Gift für den wirtschaftlichen Untergang. Ich betone es immer wieder, Scheitern mit Stil verlangt vollen Einsatz auf allen Ebenen. Erst wenn der letzte Hoffnungsschimmer erlischt, darf man sich zurücklehnen, der kleinste funke Hoffnung kann eine dramatische Wendung einleiten, damit ist nicht zu spaßen!

Sind Sie selbst auch gescheitert? Wie?

Keine Frage, ich muss doch wissen, worüber ich schreibe! Ich war etliche Male in der sogenannten Schurti-Position ohne es zu wissen. Worum es sich dabei handelt, wird im Buch eingehend erörtert.

Weitere Informationen unter:
www.durchdacht.cc
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