Pflegeexpertin Elisabeth Ebner im Interview: Unterstützung für pflegende Angehörige

Elisabeth Ebner: Einrichtungsleiterin der Haushaltshilfe und Hauskrankenpflege Salzburg zu Besuch bei den Bezirksblättern.
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Wie würden Sie den Ausdruck "Pflegende Angehörige" jemanden erklären, der sich nichts darunter vorstellen kann?
EBNER: Man spricht hierbei von Personen aus dem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis die Angehörige aus der Familie pflegen. Betroffen sind hierbei meist die erwachsenen Kinder mit Unterstützung der Ehepartner. Es kann aber auch vorkommen, dass schon Kinder oder Jugendliche in die Roller der "Pfleger" kommen. Diese werden dann als "young carers" bezeichnet. Pflegende Angehörige kümmern sich aber nicht nur um die Pflege im engeren Sinne. Meist übernehmen sie zu Beginn Aufgaben wie den Wocheneinkauf, tätigen Behördengänge und kümmern sich um die Medikamente des Angehörigen. Schritt für Schritt übernehmen sie mehr und mehr Aufgaben, bis sie sich in der Rolle des pflegenden Angehörigen wiederfinden. Tatsächlich wird die meiste Pflege von Personen aus Familie abgedeckt und nicht wie vermutet von professionell ausgebildeten Personen.

Stimmt es, dass sich viele betroffene Personen in die Rolle des pflegenden Angehörigen gedrängt fühlen bzw. denken es wird von ihnen erwartet sich dieser Aufgabe anzunehmen?
EBNER: Meist besteht natürlich eine emotionale Bindung zwischen den betroffenen Personen, weshalb man dem Familienmitglied gerne helfen will. Es gibt aber immer noch Vorurteile, dass besonders Frauen für die Pflege zuständig sind. Man spricht ihnen häufig auch die "Versorgerrolle" zu. Auch das Klischee, dass Frauen es leichter haben weniger zu arbeiten als Männer und sich dafür der Pflege eines Familienmitglieds widmen können, wurde noch nicht vollständig aus dem Weg geräumt. Meine persönliche Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass die Pflege der Angehörigen gerne übernommen wird.

Welche Berufsgruppen gibt es, die pflegende Angehörige unterstützen können?
EBNER: Zum einen kann eine Haushaltshilfe in Anspruch genommen werden. So fallen Tätigkeiten wie das Einkaufen, Wäsche waschen und der Haushalt im Allgemeinen für die pflegende Person schon mal weg. Will man sich noch mehr entlasten, kann eine Hauskrankenpflege Unterstützung bieten. Dadurch entsteht die Chance, Pflegetätigkeiten untereinander aufzuteilen, sodass der pflegende Angehörige nicht alleine für alles zuständig ist.

Welche Möglichkeiten gibt es für pflegende Angehörige, um für Entlastung und Ausgleich während der oft anstrengenden Aufgabe zu sorgen?
EBNER: Besonders gut geeignet für Ruhephasen sind Tageszentren. Dort wird die betroffene, pflegebedürftige Person tagsüber versorgt und kann viele ansprechende Angebote in Anspruch nehmen. Für den pflegenden Angehörigen bedeutet das eine Verschnaufpause um Zeit für seine eigenen Bedürfnisse zu haben. Wenn man zum Beispiel einen lang ersehnten Urlaub antreten möchte, bieten viele Seniorenwohnhäuser die Möglichkeit eine zu betreuende Person für den Zeitraum des Urlaubes bei sich aufzunehmen. Oft ist es auch so, dass zu Beginn eine Hauskrankenpflege sehr engmaschig zu Hause betreut und pflegt, was aber mit der Zeit meist weniger wird. Es geht darum für einen gut strukturierten Ablauf und vor allem für Wohlbefinden beim pflegenden Angehörigen und der pflegebedürftigen Person zu sorgen. Auch besteht das Angebot einer 24-Stunden-Pflege.

Was sagen Sie Personen, die davon berichten, ein schlechtes Gewissen zu haben wenn Sie sich eine Auszeit nehmen wollen?
EBNER: Das Problem ist, dass pflegende Angehörige es oft als persönliches Versagen und Scheitern ansehen, wenn sie eine Pause brauchen und sich der Aufgabe zwischenzeitlich nicht mehr gewachsen sehen. "Ich kann doch meine kranke Mutter nicht zu Hause lassen, während ich mich im Urlaub entspanne", sind dann Aussagen die ich so, oder so ähnlich oft zu hören bekomme. Daher ist viel Verständnis gegenüber den pflegenden Angehörigen ganz besonders wichtig. Auch sollte nicht darauf vergessen werden, den Betroffenen genug Wertschätzung für das was sie in ihrer Rolle leisten entgegenzubringen.

Was würden Sie persönlich Betroffenen mit auf den Weg geben?
EBNER: Jede Person ist sehr individuell. Deshalb fällt es mir gar nicht so leicht Tipps zu geben. Ich kann Betroffenen nur stark ans Herz legen darauf zu hören was die eigenen Gefühle und Bedürfnisse sind. Sich klar zu machen was man selbst braucht um der Herausforderung gewachsen zu sein. Auch denke ich, dass der Austausch unter Betroffenen ganz wesentlich ist. Vor allem um zu merken, dass man nicht alleine ist.

Die nächste Möglichkeit für Austausch bietet die Caritas Salzburg. Am Samstag den 05.05.2018 von 10:00-16:00 Uhr und am Donnerstag den 24.05.2018 von 18:00-21:00 Uhr finden Infoabende zum Thema "Soll ich, kann ich, will ich meinen Angehörigen pflegen?" statt. Ort der Veranstaltung ist der "Treffpunkt Bildung Elsbethen" in der Raiffeisenstraße 2. Die Kosten betragen für jeden Termin 20 Euro. Das Mittagessen ist inklusive.

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Autor:

Martina Stabauer aus Flachgau

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