Abenteuer Schneeräumung auf der Großglockner Hochalpenstraße

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(kra) Die Saurer-Dieselmotoren dröhnen. Während sich die Rotationsschneepflüge„System Wallack“ durch meterhohen Schnee fräsen, schleudern die Wurfräder den Schnee bis 50 Meter weit und 25 Meter hoch in hochalpine Landschaft. 48 Straßenkilometer sind alljährlich im April zu räumen und für den Ausflugsverkehr ab Anfang Mai frei zu machen.

Mit der Schaufel in der Hand

In den ersten beiden Jahren nach der Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße zwischen Salzburg und Kärnten in Österreich, 1936 und 1937, schaufelten 350 Männer in durchschnittlich 70 Tagen 250 000 Kubikmeter Schnee, um die Straße zumindest einspurig freizulegen. Manchmal schien der Kampf gegen die meterhohen Schneewände (acht bis zehn Meter waren und sind immer noch durchaus üblich) aussichtslos. Schwielen an den Händen, Schneeblindheit oder starke Sonnenbrände setzten den Männern zu. Manchmal wurde die Räumarbeit noch verschärft durch starke Winde und unglaubliche Schneeverfrachtungen - 30 Meter hohe Schneeverwehungen machten die Anstrengungen von Tagen, ja manchmal von Wochen wieder zunichte.

Dipl.-Ing. Franz Wallack, der legendäre Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße, erkannte schon frühzeitig die Chancen einer mechanisierten Schneeräumung. Er konstruierte den „Rotationspflug - System Wallack“, eine Kombination aus Schneefräse und Pflug, der erstmals 1953 die harte Bewährungsprobe bestand. Seit 1953 räumen jedes Jahr im April diese Rotationspflüge - System Wallack - und zwölf Arbeiter in zirka 14 bis 21 Tagen die 600 000 bis 800 000 Kubikmeter Schnee von Straße und Parkflächen.

Diese gewaltigen Maschinen, die je drei Dieselmotoren aufweisen, schleudern jeweils 9 000 Kubikmeter Schnee pro Stunde weg. Dabei fräsen sich die "Ander", "Oskar" oder der "Eisbändiger", wie sie genannt werden, Schicht um Schicht von der Schneeoberfläche bis zur Fahrbahndecke hinunter, mit einem Kilometer pro Stunde und einer Fräshöhe von 1,2 Meter. Mitunter braucht es dann bis zu zehn Fahrten pro Abschnitt, um den Schnee zu beseitigen. Ortskundige Helfer signalisieren den Rotationspflug-Fahrern den anfangs ja nicht sichtbaren Fahrbahnverlauf.

Seit Mitte der 1990er Jahre übernehmen Pistenraupen das Abtragen der lockeren oberen Schneeschicht, die bis dahin immer noch händisch abgetragen werden musste.

Mit 800 000 Kubikmeter Schnee, was einem Eisenbahnlastzug von 250 km Länge entspräche, hält das Frühjahr 1975 den Rekord. In diesem Jahr gab es "Schneeschluchten" von 21 Metern (Niveau Schneedecke-Obergrenze zu Straßenbelag).

1937: 132 Tage, 2011: acht Tage

Der Einsatz dieser weltweit patentierten Wallack-Rotationspflüge verlängerte die Öffnungszeiten der Glocknerstraße erheblich. Waren es 1937 nur 132 Tage, konnte man 1963 sogar an 276 Tage die Glocknerstraße besuchen. Von Anfang Mai bis Ende Oktober ist die Großglockner Hochalpenstraße üblicherweise geöffnet. 2011 wurden die Schneeräumarbeiten mit den fünf Wallack-Rotations-Schneefräse in der Rekordzeit von acht Tagen bewältigt. Bereits am 19. April 2011 konnten die beiden von Norden und Süden arbeitenden Schneeräummannschaften den Durchbruch beim Hochtor melden. Mit 21. April 2011 ging dann die Straße wieder in Betrieb, so früh wie seit 75 Jahren nicht mehr (es war der Gründonnerstag 2011, allerdings war der vorangegangene Winter mild gewesen).

Abenteuer Schneeräumung 2013

In den Wintermonaten 2012/13 bereiteten Stefan Schwaiger, Dieter Strigl und Stefan Waltl die ehrwürdigen, unersetzbaren Wallack-Rotations-Schneefräsen für den Einsatz vor. Nach einem Erkundungsflug mit einem Helikopter, bei dem die Schneemenge und die Lawinengefahr begutachtet wurden, ging es dann am 8. April 2013 für die Schneeräumtrupps von Heiligenblut im Süden und Fusch an der Großglocknerstraße im Norden los.

Gleich am Beginn stellte sich an der Nordseite in der Bärenschlucht, noch vor der Mautstelle Ferleiten, die erste Herausforderung. Gewaltige Lawinen mit einer Höhe von ca. zehn Meter Höhe und einer Breite von 60 Meter mussten geräumt werden. Nach fünf Stunden Räumzeit hatten die bewährten Rotations-Schneefräsen die Straße geräumt und es ging weiter in Richtung Kehre 1. Allein 27 Kehren gibt es auf der 37,7 Kilometer langen Durchzugsstraße, drei auf der Gletscherstraße (das ist auf der Kärntner Südseite von Guttal bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe) und sechs auf die Edelweißspitze hinauf.

Schon am dritten Tag, dem 10. April 2013, bekamen die Räumtrupps den extrem langen schneereichen Winter zu spüren. Die Schneehöhen begannen zu wachsen und erreichten bereits sechs Meter. Am Abend standen die Schneeräummannschaften auf der Nordseite beim Hochmais (1 850 m ü. A.) und auf der Südseite kurz unterhalb des Wallackhauses (2 304 m ü. A.).

Das Wetter war auch am vierten Tag, dem 11. April 2013, wieder auf der Seite der Männer. Trotz Ausfall der Pistenraupe durch einen Motorschaden konnte die Straße bis zur Kehre 7 im Norden freigeräumt werden. Die Schneeräummannschaft auf der Südseite stand mit den Rotationspflügen bei Kehre 20 (die Nummerierung der Kehren beginnt im Norden in Salzburg mit eins und endet im Süden in Kärnten mit 27). In der Nacht vom fünften auf sechsten Räumtag gab es 20 Zentimeter Neuschnee ohne Windeinfluss. Aber das war kein Problem für die Schneeräumung und am Tag sechs ging es mit großen Schritten bis zur Kehre 10 auf der Nordseite.

Am 15. April 2013, dem siebten Tag der Schneeräumung, wurde auf der Nordseite das Besucherzentrum Wilfried-Haslauer-Haus am oberen Nassfeld (2 260 m ü. A.) erreicht. Am nächsten Tag wurden die Kehren im Bereich des oberen Nassfeldes geräumt und man erreichte am späten Nachmittag die Kreuzung Auffahrt Fuscher Törl (2 428 m ü. A.) – Edelweißstraße zur Edelweißspitze (2 571 m ü. A., der höchste Punkt entlang der Großglockner Hochalpenstraße) beim Parkplatz Dr.-Franz-Rehrl-Haus. Die Schneeräumung war an diesem Tag auch Schauplatz für Filmaufnahmen für den Fernsehsender „Servus TV“ für die Sendung „ W wie Wetter“.

Am Tag 9 der Schneeräumung, dem 17. April 2013, wurden die Parkplätze rund ums Fuscher Törl vom Schnee befreit. Auf der Südseite mussten oberhalb des Südportals des Hochtor-Tunnels (2 504 m ü. A., höchster Punkt der Durchgangsstraße) Lawinen gesprengt werden. Am 18. April 2013 erreichte das Schneeräumteam von Süden die Kehre 17, auf der Nordseite wurde einen Tag später die Fuscher Lacke erreicht und auf der Südseite Kehre 16. Am zwölften Tag (22. April 2013) war das Schneeräumung-Team von Norden her nach einer kleinen Reparatur von der Fuscher Lacke bis zum Mittertörl-Tunnel gekommen. Das Schneeräumteam von der Südseite hatte mit der Schneeräumung zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2 369 m ü. A.) begonnen. Die beiden Tunnels "Hochtor" und "Mittertörl", die im Winter verschlossen werden müssen, da sonst der Schnee die Tunnelröhren völlig verlegen würde, wurden geöffnet. Am 22. April wurde die Tunnelröhre des Mittertörls geöffnet.

Die Räummannschaften treffen einander

Am Montag, 29. April 2013 um 10:30 Uhr, erfolgte bei extrem starkem Südwind der Durchstich zwischen Hochtor- und Mittertörltunnel - die beiden Räumteams von Süden und von Norden trafen sich und somit war die Großglockner Hochalpenstraßen wieder durchgehend geräumt. Jetzt folgten nur noch "kleinere" Schneeräumungen wie die Räumung von Parkplatzflächen u.a. Am 1. Mai 2013 wurde dann die Großglockner Hochalpenstraße für den allgemeinen Verkehr freigegeben, die der Auffahrt der Gletscherstraße bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe erfolgte am 4. Mai 2013.

Information
Alle Bilder stammen von der Großglockner Hochalpenstaßen AG und sind für diese Reportage freigegeben worden.
Die Großglockner Hochalpenstraße im Internet: www.grossglockner.at

Wo: Großglockner Hochalpenstraße, 5672 Fusch an der Großglocknerstraße auf Karte anzeigen

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