Anifer planen neue Schule selbst

Ursula Spannberger (links im Bild) setzt auf Teamwork.
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ANIF (buk). Als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet Anifs Bürgermeisterin Gabriella Gehmacher die Volksschule ihres Ortes. Allerdings bezieht sich diese Aussage ausschließlich auf das Gebäude und die Räumlichkeiten selbst – die Ausstattung sei bereits auf einem sehr hohen Niveau. Konkret geht es der Ortschefin etwa um Gemeinschaftsräume für mehrere Klassen, Möglichkeiten zur Freiarbeit oder auch einen Ersatz für den kalten Klinkerboden.

"Betroffene müssen mitreden"

Um hier nicht einfach einen modernen Kasten hinzustellen, beschreitet die Gemeinde einen neuen Weg: Mittels Großgruppenworkshops und Exkursionen werden bereits vor der konkreten Planungsphase Eltern, Schüler und Lehrer in den Prozess mit eingebunden. "Ich bin überzeugt, dass die Betroffenen unbedingt mitreden müssen. Das Projekt soll ja weit in die Zukunft reichen", sagt Gehmacher.
Begonnen wurden die Workshops in der großen Gruppe, bevor sich die Teilnehmer in Kleingruppen an die Arbeit machen konnten. Dazu gab es Tische als Arbeitsstationen, die anhand der Raumwerte – etwa Nähe/Distanz oder Übersichtlichkeit/Orientierung – angeordnet wurden. Zustätzlich zu den Workshops hält eine Steuerungsgruppe, bestehend aus Mitgliedern des Lehrkörpers, der Gemeinde und externen Beratern, eigene Termine ab.

"Architektur muss dienen"

Entwickelt wurde diese "Raumwert" genannte Methodik von der Salzburger Architektin Ulrike Spannberger – "unmerklich" und aus der täglichen Arbeit heraus. "Ich habe mich schon immer für Kommunikation interessiert und gemerkt, dass sich Leute oft schlecht ausdrücken können, wenn es um ihre Bedürfnisse geht", erzählt sie. Der Ansatz dahinter: Architektur könne nicht allen gefallen, solle aber allen dienen.

Ein Quadratmeter für den Ofen

Vor allem im Schulbereich habe sich hier in den letzten Jahren sehr viel getan. "Was noch gleich ist wie vor 250 Jahren sind Kasernen, Schulen und Gefängnisse", weiß Spannberger. Zu Zeiten Maria Theresias hätten Klassenräume 63 Quadratmeter gehabt – je einen pro Kind, zwei für den Lehrer und einen für den Ofen. "Kinder sollen aber keine Maschinen werden, sondern selbst entscheiden können, wie sie lernen, etwa in Gruppenarbeiten", so die Architektin.

Akustik als Problem

Und in der Grundgestaltung selbst sei die Schule eigentlich "ausreichend bis sehr gut", ist Direktorin Angelika Aichholzer überzeugt. So gebe es hier etwa digitale Tafeln und Einzeltische für die Schüler. Allerdings wünscht sie sich eine Öffnung nach außen und innen. "Meine Vision wäre es, die Natur mehr einzubeziehen, etwa durch Terrassen oder Balkone sowie einen größeren Lichteinfall", sagt sie. Ein wirkliches Problem sei die Schalldämmung. "Alleine in den letzten 15 Jahren haben wir drei verschiedene Messungen gehabt und die Kinder werden nun einmal immer lauter." Wichtigster Punkt sei für sie daher eine Akustikdecke.

Photovoltaik, LEDs und Außenbeschattung

Für Bürgermeisterin Gehmacher zählen – neben der Akustik – vor allem auch Atmosphäre, Licht und die Materialien an sich. "Wenn man in die Schule hineingeht, soll das einladend aussehen", ist sie überzeugt. Bei einer Exkursion in Freistadt habe die Gruppe gut erkennen können, dass dort Freiflächen eingebunden worden sind und die Böden aus geöltem Holz gefertigt wurden. Ebenfalls auf Gehmachers Wunschzettel: den Kindern ökologisches Bewusstsein vorzuleben – mittels Photovoltaik, LEDs und einer Außenbeschattung.

Wettbewerb im Herbst?

Ziel der Gemeinde, die bereits Rücklagen für den Bau bildet, ist es, im Herbst mit dem Architektenwettbewerb beginnen zu können. Bis dahin soll auch entschieden werden, ob die Schule um- oder neu gebaut wird. Gehmacher lässt das den Teilnehmern der Workshops offen. Architektin Spannberger ist in diesem Punkt "hin- und hergerissen", nimmt aber eine neutrale Rolle ein. Unbedingt das alte Gebäude erhalten will hingegen die Direktorin: "Wir haben aktuell vier zusätzliche Klassenräume, in denen wir einen Musikraum, einen Religionsraum, einen textilen Werkraum und einen Sprachraum untergebracht haben", sagt sie. "So viel Platz würden wir nie wieder bekommen."

Hier geht's zum Kommentar "Wenn die Laien Architekten spielen"

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