Die Wilde Jagd 2019
Atemlos durch die Nacht mit dem „Zug der Seelen“ in Fürstenbrunn

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Einmal im Jahr erwacht ein besonderer Mythos rund um den sagenumwobenen Untersberg zum Leben: Die Wilde Jagd. Der Jahrhundertealte Brauch mit Tiermasken das Böse von Bauernhöfen zu verjagen und das Gute zu bringen, wird jeden Donnerstag zwischen dem 2. und 3. Advent durchgeführt. Der Platz, wo das heidnische Ritual im „Weichbild des Untersberges – dem Reich des Riesen Abfalters“ abgehalten wird, ist streng geheim und wird erst eine Woche vorher von den zwölf Perchten der Wilden Jagd, Mitglieder des Vereins Jung Alpenland, ausgewählt. Die Gemeinden rund um den Untersberg – so auch in Bayern - bewerben sich, und die Darsteller gehen bei der Wahl nach den Kriterien, wem der Ritus besonders Freude macht oder es einen besonderen Bezug dazu gibt.

Sagenhafte Sagenfiguren

Jede der mythologischen Figuren des „Zuges der Seelen“ hat eine besondere Symbolik, ob Moosweiberl, Tod, Untersbergrabe oder die Wildfrauen, sie sind die Vorläufer der Perchten, die in der heutigen Zeit ihr Unwesen treiben. Der Perchtenzug läuft mindestens zehn Stationen in der Dunkelheit der Nacht ab und führt dort den „Tresterer“ Tanz auf. Die Glocken vertreiben das Böse und sollen „die Erde wieder aufwecken“. "Berührt ein Percht einen Zuseher, so soll das Glück bringen", erklärt mir der Perchtenreferent Werner Schumacher vom Verein  Brauchtumsgruppe Jung Alpenland, mit dem ich nach dem Lauf sprechen konnte. Auch seinem Sohn Stephan wurde die Ehre dieses Jahr zuteil - er durfte das erste Mal als Percht mitmachen.

Erlebnis Wilde Jagd

So wild die Wilde Jagd auch ist, so wild suchte ich auch nach dem Startpunkt des Perchtenlaufes – im Eisregen und im Dunklen, denn, wie gesagt, alles ist streng geheim…! Bei der Schlosskapelle vom Gutshof Mayr-Melnhof in Glanegg wurde ich dann fündig - ihr lautes Glockengewirr, die unheimlichen Trommelschläge, das böse Knurren und die lieblichen Flötentöne führten mich durch die düstere Nacht. Nur vom Kerzenschein erleuchtet, wurde schaurig schön „Glück hinein, Unglück hinaus - es zieht das Wilde Gjoad ums Haus!"gerufen und dann tanzten die großen Perchten den Tresterer-Tanz. Danach rannten sie aus dem Schlosshof in die finstere Allee in Richtung Fürstenbrunn. Die Zuseher, die überraschend zahlreich da waren, obwohl der Ort der Wilden Jagd geheim gehalten wird, mussten schnell mitlaufen, damit sie die wirbelnden Perchten nicht aus der Sicht verloren. Der kecke Untersbergrabe und der Hahnengickerl neckten die folgende (im Dunklen übereinander stolpernde) Menge. Sie zerzausten Haare, nahmen Mützen vom Kopf, schubsten, warfen mit Schnee, klingelten bei Häusern an und benahmen sich gar nicht gentleman-like. Bei jeder Station führten sie wieder ihren Tanz auf und brachten das Glück mit. Auch der alte Kugelmüller (Martin Leitner) und der neue Kugelmüller (Georg Maric) der Untersberger Kugelmühle kamen in den urigen Genuss.

Nach zweieinhalb Stunden war der besonders stimmungsvolle und unvergessliche Lauf vorbei, und nicht nur Kinder und Erwachsene waren davon tief beeindruckt. Auch der Vollmond dürfte neugierig geworden sein, denn er vertrieb den Eisregen und schaute immer mehr hinter den Wolken hervor;)! Ein Brauchtum, das einen besonderen Reiz hat – eben so geheimnisumwoben wie der Untersberg selbst.

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Autor:

Tatjana Rasbortschan aus Flachgau

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