"Manche können's halt nicht besser"

Redakteurin Theresa Kaserer mit Hubert von Goisern. Auf www.meinbezirk.at (Gewinnspiele) können Sie zwei vom Musiker signierte Rucksäcke gewinnen.
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Interview von Theresa Kaserer

Hubert, du sitzt am 22. Mai 2014 beim "Jugend Band Wettbewerb" in Puch (Infos auf www.keywi.com) nun schon zum dritten Mal in der Jury. Warum nimmst du dir die Zeit dafür?
Hubert von Goisern:
Man kann nicht nur die ganze Zeit lästern, dass heimische Bands zu wenig gefördert werden und selbst nichts dagegen unternehmen. Der "Jugend Band Wettbewerb" ist eine gute Sache. Da geht es nicht um fix fertige Bands, sondern um Nachwuchsmusiker, die selbst komponierte Stücke spielen.

Du hast häufiger die österreichische Musikbranche und die Radiosender kritisiert, weil sie heimische Künstler zu wenig unterstützen. Ist in den vergangenen Jahren gar nichts besser geworden?
Hubert von Goisern:
Es hat sich nicht viel geändert, da herrscht immer noch ein großes Vakuum. Ich war eigentlich immer gegen eine Quote, dass Radiosender eine bestimmte Prozentzahl an heimischer Musik spielen müssen, aber mittlerweile bin ich dafür. Wenn man die Radiomacher nicht dazu zwingt, dann passiert nichts.

Wie viel Prozent sollten im österreichischen Radio Musik aus Österreich sein?
Hubert von Goisern:
Mindestens 30 Prozent wäre schon ein Muss.

Wer soll die Radiomacher dazu zwingen?
Hubert von Goisern:
Die Politik. Eine Partei muss sich einmal dazu bekennen. Die Grünen zum Beispiel, ja, die sollten das übernehmen.

Lieder interpretieren oder selbst komponieren. Was ist besser?
Hubert von Goisern:
Kreativität ist unser größtes Potenzial. Wenn du kreativ bist und du Lieder selbst komponierst, dann lässt du immer deinen momentanen Seelenzustand mit einfließen. Wenn du ein eigenes Lied produzierst, dann ist das schon mal was Lässiges, wenn dann noch deine Kreativität dazu kommt, dann hat dich das Lied bei den Eiern und das ist auch vom Volkswirtschaftlichen her super: Du bekommst die Tantiemen und dein Lied hat eine gesellschaftspolitische Relevanz.

Und wie passieren dann Songtexte, wie: "Tränen passen nicht zu dir, viel zu schade sind dafür deine Augen, mein blondes Kind. Sie sind schöner, wenn du lachst und mich damit glücklich machst"? Kastelruther Spatzen übrigens. Oder findest du das eh gut, aber so ein Text ist dir eben bis jetzt einfach noch nicht eingefallen?
Hubert von Goisern
(lacht): Naja, die können's halt nicht besser. Die Aussage lautet "Mach mir keinen Stress, mach mich glücklich." Das ist doch blöd. Bei so etwas geht's mir, wie wenn ich in die Kirche geh' und dem Pfarrer zuhöre. Davon krieg' ich Wimmerl. Aber man kann nicht jemandem vorwerfen, dass seine Musik schlecht ist, wenn er es einfach nicht besser kann. Ein Stabhochspringer würde ja auch höher springen, wenn er es könnte. Er kann es halt nicht.

Du singst "I wollt i war a wengal mehr katholisch": Wie katholisch bist du?
Hubert von Goisern:
Mit der Kirche hab' ich mein Kreuz. Aber nicht nur mit der Katholischen, sondern mit allen Religionen, die strukturell in der Vergangenheit leben und wo sich nichts ändert. Alles Männer - und die beten irgend etwas herunter, das keine Relevanz mehr hat. Aber Spiritualität ist mir wichtig. Und es muss einen Verhaltenskodex geben. Die zehn Gebote sind größtenteils schon in Ordnung. Man darf mich nicht missverstehen: Ich habe Respekt vor allen Religionen und ich kenne viele Katholiken und Muslime, die echt lässig drauf sind.

Du hast es also einfach nicht so mit dem Vatikan.
Hubert von Goisern:
Genau. Diesen Zentralismus mag ich nicht. Allerdings ist der neue Papst Franziskus einer, der relativ normal zu den Dingen Stellung nimmt. Er ist ja Jesuit und es gibt echt voll lässige Leute unter den Jesuiten. Papst Franziskus fühlt sich derweil gut an. Aber Obama hat sich am Anfang ja auch gut angefühlt und jetzt ist er eine riesen Enttäuschung geworden.

Du bist für viele ein Idol. Gefällt dir das?
Hubert von Goisern:
Ich will kein Idol sein, in die Richtung: So wie der musiziert, will ich auch musizieren. Ich mag keine Sänger ohne eigene Stimme. Wenn ich Vorbild sein will, dann nur deswegen, weil ich immer meinen eigenen Weg gegangen bin.

Gibt es aber vielleicht etwas, das du Nachwuchsmusikern raten kannst: Ein paar Tipps, wie man den Durchbruch schafft?
Hubert von Goisern:
Wenn dir beim Spielen heiß wird, dann bist du schon auf einem guten Weg. Ich wollte früher auch ab und zu alles hinschmeißen. In den 80er Jahren hab' ich Jon Hiseman von der Band Collosseum einmal gefragt: "Jon, ach Jon, was soll ich machen?" Da hat er gesagt: "Es gibt zwei Regeln." Und die gebe ich hiermit gerne weiter. Erstens: Was auch passiert, du darfst nie aufgeben! Und zweitens: Spiel nie auf Partys.

Ich erinnere mich an den armen Klavierspieler bei unserer Weihnachtsfeier. Der hat im Hintergrund geklimpert und niemand hat ihm zugehört. Das meinst du damit, oder?
Hubert von Goisern:
Ja. Die Leute sollen dir gefälligst zuhören. Ich habe mich an Jons Regeln gehalten und nie auf einer Party gespielt. Wenn ich selbst bei einer Party bin, wo jemand spielt, dann stell' ich mich immer zu den Musikern hin und höre zu. Ich bin da solidarisch.

Also die Tipps scheinen bei dir ja funktioniert zu haben.
Hubert von Goisern:
Ja, das waren gute Tipps. Als Nachwuchsmusiker musst du eine enorme Leidensbereitschaft haben. Ich kenne einige Musiker, die waren hervorragend, aber sie haben leider aufgehört. Und ich kenne mittelmäßige, die es geschafft haben, weil sie nicht aufgegeben haben. Trotzdem kam auch bei mir immer mal wieder der Punkt, wo ich gesagt hab': Ich hör' auf mit der Musik und züchte lieber Tomaten. Aber nach jeder Niederlage muss man wieder aufstehen.

Schätze, du züchtest aber jetzt trotzdem auch Tomaten, wenn ich mir deinen Garten so anschaue.
Hubert von Goisern
(lacht): Nein, Chili, die ganz scharfen. Ich liebe Chili.

Weißt du gleich beim Lieder einspielen: Das wird ein Hit!? Wie ging es dir z. B. bei "Brenna tuats guat"?
Hubert von Goisern:
Ehrlich gesagt, hab' ich angenommen, dass es knapp am Hit vorbeischrammt, wegem dem Text. Mit einem lustigen Text würde es aufgehen, hab' ich mir am Anfang gedacht.

Warum ist es dann doch ein Hit geworden?
Hubert von Goisern:
Es fährt lässig und geht guat eini. Ich bin ja mein erster Fan. Wenn mir ein Lied nicht gefällt, dann singe ich es nicht. Ich singe nur das, wo mir das Herz aufgeht. Meine Lieder sind wie Kinder, die ich in die große Welt hinausschicke und wo ich hoffe, dass sie nicht untergehen.

Deine Songtexte sind immer recht kritisch. Glaubst du, die Leute denken über deine Texte nach?
Hubert von Goisern:
Alle denken bestimmt nicht darüber nach, aber viele schon. Zumindest hoffe ich das. Aber meine Lieder sind schon auch dazu da, dass sie den Leuten in die Füße fahren. Beim Oktoberfest, wenn da "Brenna tuats guat" gespielt wird, dann denken die Leute bestimmt nicht nach. Die meisten Deutschen verstehen den Text eh gar nicht.

Singst du nur kritisch oder bist du es auch: Kaufst du z. B. regionale Produkte?
Hubert von Goisern:
Ja, das ist mir wichtig. Ich esse wenig Fleisch, aber wenn, dann kaufe ich es von Bauern, die ich kenne. Wild hole ich mir von Jägern und die Fische fangen wir uns selbst: mein Bub und ich.

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Autor:

Theresa Kaserer aus Salzburg-Stadt

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