Supergau 2021
Tausend Quadratkilometer für zeitgenössische Kunst

Am Wolfgangsee trafen sich die Künstler, die den Supergau gestalten werden.
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  • Am Wolfgangsee trafen sich die Künstler, die den Supergau gestalten werden.
  • Foto: Supergau
  • hochgeladen von Gertraud Kleemayr

Vom 14. bis 23. Mai 2021 wird der Salzburger Bezirk Flachgau zum Supergau (Gau im Sinne einesLandstrichs) für zeitgenössische Kunst.

OBERTRUM. Tina Heine, die gemeinsam mit Theo Deutinger das Festival Supergau 2021 kuratiert, lud mit Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn die Künstler Clemens Bauder und Alexander Römer (Superort), Miriam Hamann (114m), Stefano d´Alessio (Here, somewhere else) und Anna Adensamer (Heilige Scheiße) zum Pressefrühstück in den Gasthof Neumayr in Obertrum.


In großen Maßstäben denken

In dem 10-tägigen Festival laden Künstler unterschiedlicher Genres zu einer Auseinandersetzungmit der Frage, was ländliche Regionen zu außergewöhnlichen Orten zeitgenössischer Kunst macht. Ob es die großmaßstäblichen Räume sind, die möglichen Verbindungen mit dem kultivierten Naturraum, neue Publikumssituationen oder andere Perspektiven auf Themen wie Mobilität, Landschaftsromantik, Digitalisierung. Diese Fragen zielen auf einen Kunstraum ab, der in der öffentlichen Meinung hinter dem der Stadt rangiert. Es geht dabei nicht um Konkurrenten, sondern um Gleichbehandlung des ländlichen Raums und dessen Umfeld und Konnotationen.

16 Arbeiten ausgewählt

Aus knapp 300 Bewerbungen, die aus einem Open Call resultierten, wählte eine Jury 16 Arbeiten aus, die vom 25.-28. September 2020 zu einem ersten Treffen im Flachgau zusammen kamen. Über 25 beteiligte Künstler konnten sich erstmals austauschen und kennenlernen, Ortsrecherchen vornehmen, sowie erste Kontakte zu Personen und Institutionen vor Ort knüpfen. Zentrales Anliegen vieler Künstler war dabei neue Räume zu eröffnen. Die Frage „Was kann das Land was die Stadt nicht kann?“ kann man spezifischer verstehen als die Frage „Welche Räume bietet das Land der Kunst, die eine Stadt nicht bieten kann?“. Der Landschaftsraum setzt sich hier nicht gegen den Stadtraum durch, sondern sieht sich als Erweiterung des künstlerischen Arbeitsraums.

Zusammenarbeit der Künstler

Neben der Fragestellung des ländlichen Raums als Möglichkeitsraum für zeitgenössische Kunst liegtein Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit zwischen Künstler und lokalen Akteure im Sinne neuer Formen von Zusammenarbeit und Kollaboration. Erste Verbindungen sind bereits geknüpft und weitere werden im Lauf der kommenden Arbeitsphasen entstehen. Theo Deutinger und Tina Heine resümieren nach der viertägigen Recherchephase: “Für uns waren diese Tage ein Meilenstein auf dem Weg zum Festival – während der Flachgau mit seinen 1000 Quadratkilometern eine echte Herausforderung an die ‚Ausstellungs-Architektur’ stellt, konnten wir uns in diesen Tagen intensiver räumlicher Recherchen vor allem auf eines einigen: wir brauchen ein öffentliches Mobilitätskonzept. Somit steht unsere Festival-Achse nach diesem Wochenende: es sind die Linien 120 und 150. Sie sind das räumliche und zeitliche (Fahrplan) Koordinatensystem des Festivals im Mai 2021.“

Mobilitätskonzept notwendig

„Das gelungene Mobilitätskonzept ist eine weitere Besonderheit des Festivals und liegt mir als für Klima- und Umweltschutz zuständiges Regierungsmitglied besonders am Herzen. Die Kunstwerke werden so platziert sein, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln und kurzen Fußwegen erreichbar sind. Dazu wird es auch eine Radweg- und Wanderkarte zu Kunstwerken geben, um den „Supergau“ umweltfreundlich erkunden zu können“, so Schellhorn abschließend.

Programmüberblick

Superort - Construct Lab (Alexander Römer) und Clemens Bauder
Die Arbeiten von Constructlab (Alexander Römer) und Clemens Bauder bewegen sich zwischenArchitektur, Urbanismus, bildender Kunst und Design. Der Superort ist eine Strohbauhütte und eine temporäre begehbare Strohballenskulptur, die während des Festivals in Workshops partizipativ verändert und gestaltet wird und bespielt wird. Das Projekt entsteht im sogenannten „Rurbanen“, dem Übergang zwischen der Stadt Salzburg und dem Flachgau.

Straining Field, eine ortsbezogene Installation – Alice von Alten
In Straining Field beschäftigt sich die in Wien lebende Künstlerin Alice von Alten mit der Wahrnehmung von und dem Umgang mit Natur. Ausgewählt werden ein bis zwei frei stehende Bäume, die eine besonders schräge oder verbogene Wuchsform vorweisen. Am Stamm oder einem Ast werden  Seile/Spanngurte befestigt, im Erdboden verankert und straff gespannt. Es scheint als ob die Spanngurte, die für den menschlichen Eingriff stehen, verantwortlich seien für die Wachsform der Bäume. Es entsteht ein Spannungsfeld, das unser Verhältnis zu Natur und anderen Lebewesen in Zeiten des Klimawandels und der Globalisierung subtil aber kritisch hinterfragt.

Zaunbewegung – Angelika Wischermann
Die in Wien lebende Künstlerin Angelika Wischermann bewegt in dem Projekt Zaunbewegung Gliedfür Glied einen Bauzaun durch die Landschaft indem das hintere Zaunstück weggenommen und an das vordere Stück angebaut wird. Der Zaun bahnt sich seinen Weg durch Wald und Feld, an Häusern und Straßen entlang. Diesen Bau- und Bewegungsprozess können Anwohner und
Festivalgäste zehn Tage lang beobachten, wenn sie der Zaunbauerin bei der Arbeit zuschauen.

Heilige Scheiße – Anna Adensamer
Anna Adensamer produziert für Supergau das humorvolle partizipative Tanztheaterstück Heilige
Scheiße. Ausgehend vom Manifest „Scheißkultur - die heilige Scheiße“ von Friedensreich
Hundertwasser entwickelt sie mit der Flachgauer Landjugend Texte, Lieder, Landart, Humuslatrinen sowie Performances mit Ritual-Charakter. Im Mittelpunkt steht der natürliche Kreislauf vom Essen zum Scheißen zum Essen, sowie eine Wert- und Normverschiebung innerhalb der konventionellen Scheiß-Kultur. Ort des Geschehens wird ein Moor sein, stehend für diesen „natürlichen Kreislauf“.

Schiwiesensymphonie - Anna Lercherbauer
Anna Lerchbaumer widmet sich humorvoll wie auch kritisch unserer technologischen Entwicklungen.Im Projekt Schiwiesensymphonie verwandelt sie eine Schipiste im Prozess der Rekulturalisierung zur Klangskulptur. Die getaktete Freisetzung von Energie macht den Ausbau des Schigebietes zum Spektakel. Explosionen der Erde, die über einen Zeitraum von fünf Minuten die Fläche aufrauen, bevor sie planiert wird, um einen glatten Untergrund für eine Schipiste zu bieten. Eine zukünftige Schiwiese als Instrument, gespielt wird der Soundtrack unserer Zeit.

Tribunal – Clemens Mairhofer
Tribunal ist eine Installation im öffentlichen Raum vor einem Umspannwerk. Der in Linz lebende Klangkünstler Clemens Mairhofer ist Inspiriert durch die Debatte um die umstrittene Errichtung der 380-kV Leitung durch den Flachgau, die geplante Trasse wird Ausgangspunkt für die Bühne. Die elektrischen Hochspannungsleitungen und Transformatoren erzeugen starke elektromagnetische Felder, die mit Hilfe von speziellen Antennen hörbar gemacht werden. Vor dem Umspannwerk wird
eine Tribüne errichtet. Zu hören ist eine Komposition, basierend auf Aufnahmen, aufgezeichnet mit
elektromagnetischen Wandlern und speziellen Mikrofonen direkt am Umspannwerk.

Belvedere Flachgau – Fabian Ritzi
In Belvedere Flachgau will der in Wien angesiedelte Künstler und Designer Fabian Ritzi Luxus für alleGestalten - den Luxus die Aussicht genießen zu können, in Ruhe den Blick über die Landschaft
streifen lassen. Belvedere Flachgau ist eine architektonische Intervention, die bestehende Gebäude
nutzt und Raum nach oben freimacht und als Perspektivenwechsel die Wahrnehmung zu verändern. Für die Umsetzung soll es ein Ort sein, der auf keiner Tourismuskarte existiert –das Dach einer Tankstelle beispielsweise. Der Begriff Belvedere bezeichnet in der Architekturgeschichte Gebäude die eigens dafür angelegt wurden um einen schönen Weitblick zu bieten.

Sirrende Mücken im surrenden Licht - Flora Schausberger
Mit Sirrende Mücken im surrenden Licht lädt Flora Schausberger die Teilnehmer
zu einemAudiowalk ein, sich auf Umwege zu begeben, Lücken auszufüllen und Zwischenräume zu besetzen. Mit geschärften Augen und sensibilisierten Ohren wird die Aufmerksamkeit auf Details der dörflichen Topografie gelenkt, die in der Flut des Alltags untergehen. Der Audiowalk gibt den Impuls zu einer ungewohnten Auseinandersetzung mit der eigenen Umgebung, ihrer Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit.

Gaugeläut – Georg Nussbaumer
Der in Linz geborene Künstler Georg Nussbaumer bespielt mit Gaugeläut die Landschaft mit dreimobilen Kirchenglocken, die ein Klangdreieck von einigen Hektaren aufspannen. Das Publikum
komponiert aktiv ihr Hörerlebnis, indem es im Schallraum dieses Dreiklangs wandert und flaniert.
Die Hörenden in der Landschaft „gestalten“ die Komposition, die sie hören, indem sie ihre
Positionen verändern, wandern und wandeln.

Erdmigration - Anna Stadler und Lukas Gwechenberger
Anna Stadler und Lukas Gwechenberger spielen im transmedialen Projekt Erdmigration mit demminimalen Verschieben von scheinbar träger Materie, die durch eine kleine, aber aufwändige Geste versetzt wird. In dem Prozess, in dem zehn jeweils räumlich durch mehrere Kilometer getrennte Quader aus der Erde gestochen und ausgetauscht werden, wird das festgesetzte Gebiet mehrfach befahren, erkundet und betrachtet. Das Vorhaben erstreckt sich über den gesamten Flachgau.

Techno Scapes - The Golden Pixel Cooperative (Natalie Koger, Marlies Pöschl, Simona Obholzer, Katharina Swoboda, Lisa Truttmann)
Die Künstlergruppe The Golden Pixel Cooperative (Natalie Koger, Marlies Pöschl, Simona Obholzer,Katharina Swoboda, Lisa Truttmann) wollen mit ihrer multimedialen Performance Techno Scapes die Auswirkungen der Digitalisierung in der Landschaft sichtbar machen. Handy-Screens der Besucher werden durch minimale Interventionen der Künstlerinnen zur Leinwand. Die Filme
entstehen aus kollaborativen Projekten mit der Bevölkerung.

114m - Miriam Hamann
Miriam Hamann bezieht sich mit ihrer ortsspezifischen Lichtinstallation 114m auf die topografischeCharakteristik des Wolfgangsees. Sie greift den tiefsten Punkt des Sees auf und spiegelt diesen über die horizontale Wasserlinie nach oben. Dabei verweist die Installation auf die unergründliche Tiefe, wie auf 114 Meter verborgenen Lebensraum unter der Wasseroberfläche.

Das Gelbe vom Gau – Moritz Matschke und Anna Pech
Eine gelbe Nylonmembran bläht sich mehrmals täglich zu einer hausgroßen, temporären, begeh- undbespielbaren Skulptur auf. Das Gelbe vom Gau in der Landschaft reckt sich über die Baumwipfel: Einem deformierten Sonnenaufgang gleich inszenieren die Künstler Moritz Matschke und Anna Pech an unscheinbarem Wald- und Wiesenort das Spektakel der Luftbefüllung eines ausgedienten Heißluftballons. Die Intervention steht in Tradition der künstlerischen Inszenierung von Natur.Gleichzeitig schaffen Filmprojektionen am Abend und der sich wiederholende, ein- und ausatmende Rhythmus der Ballonbefüllung ein kulturelles Ereignis.

St. Peter – Nesterval / Martin Walkner
Das Kollektiv Nesterval produziert das immersive Theaterstück Sankt Peter, eine extra für dasSupergau Festival und den Flachgau adaptierte Fassung des Stücks Das Dorf , das 2019 für den
Nestroypreis in der Kategorie „Spezialpreis“ nominiert wurde. Sankt Peter ist ein Dorf, das im
Flachgau aber auch im Waldviertel, ja sogar in Wien Ottakring sein könnte - ein Dorf, das seine
Grenzen dicht gemacht hat und dort nach seinen eigenen Regeln lebt. Sankt Peter setzt sich mit dem Begriff der Heimat auseinander und regt im Zusammenspiel mit dem Publikum zum Austausch darüber an, wieviel Heimat denn jeder überhaupt braucht und wie sich dieser Begriff für eine pluralistische Gesellschaft öffnen und erweitern lässt.

Here, somewhere else – Stefano D’Alessio
In Here, somewhere else rückt Stefano D’Alessio einen Chor von vier Sängern in die Dunkelheit.Rhythmische Blitze beleuchten ihre Gesichter, kurze Lichtblicke, geleitet von ihren Stimmen. Gesangliche Fragmente digitaler Gespräche, Wortschichten und Bedeutungen bilden einen abstrakten und mutierenden Cyberspace. Die Stimmung wird allmählich durch dynamische Lichter, die symbolisch zum Klang tanzen, verändert. Licht, Gesang, Performance, Umgebung und Geräuscheverflechten sich mit der Zeit in dieser Atmosphäre.

Bustopia 153 - Peter Fritzenwallner und Wolfgang Obermair
In Bustopia 153 von Peter Fritzenwallner und Wolfgang Obermair werden Busstationen und die Innenräume der Busse der Linie 153 von Thalgau über Plainfeld nach Koppl zu Orten performativerund skulpturaler Konfrontation mit Pendler und Reisende. Die individuelle Bewegung, die tägliche Routine der Reise zum Arbeitsplatz, aber auch das Warten der Menschen auf den Bus und auf das bessere Leben, sind für die Künstler Ausgangspunkt Gespräche zu führen und die Menschen in künstlerische Prozesse mit einzubeziehen.
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