Vom Brauch der „Barbarazweige“ als magisches Rufen der Frühlingsgöttin

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Am 4. Dezember feiern wir den Gedenktag der Hl. Barbara. Nach altem Volksglauben werden heute Kirschbaum-Zweige geschnitten und in eine Vase mit Wasser gestellt. Blühen diese bis zum Heiligen Abend, ist dies ein Zeichen des Glücks und der Gesundheit für das neue Jahr. Auch die Funktion eines Liebesorakels wird den blühenden Barbarazweigen zugeschrieben. Eine Hochzeit steht ins Haus bei jenen, deren Barbarazweige erblühen.

Die christliche Legende sieht in der Hl. Barbara eine „christliche Jungfrau, Märtyrin und Heilige des 3. Jahrhunderts, deren Existenz aber historisch nicht gesichert ist.“ Kann sie auch nicht sein, denn wie bei vielen christlichen Heiligen wurde auch hier die Legende über ihr angebliches menschliches Leben von christlichen Mönchen erfunden, um damit die von den Menschen seit Jahrtausenden verehrte Göttin christlich umzuformen.

Denn hinter der Hl. Barbara zeigt sich ein Aspekt der dreifachen Großen Göttin unseres Kulturraums: der Aspekt der Weißen Göttin, der Frühlingsgöttin. Sie ist die Himmelsgöttin, woran uns der Turm der Hl. Barbara bis heute erinnert, denn der Turm führt uns „in den Himmel“. Barbara ist eine der christlichen „Heiligen Drei Madln“ und trägt in dieser Gestalt gemeinsam mit ihren Schwestern Katharina und Margarethe die ursprüngliche Göttinnen-Trinität bis in unsere heutige, moderne Zeit. Ihre Wurzeln reichen über die „Drei Bethen“ im keltischen Raum, die „Drei Matronen“ in Mitteleuropa, die „Drei Moiren“ im alten Griechenland, die „Drei Parzen“ im römischen Raum oder die „Drei Nornen“ in Nordeuropa bis in die jungsteinzeitliche, matriarchal-schamanische Epoche Alteuropas zurück.

Immer wieder lese und höre ich, dass Barbara als Nachfolgerin der keltischen Borbeth den dunklen, schwarzen Winter-Aspekt der Göttin darstellen würde. Doch in Borbeth begegnet uns die alte, leuchtend-glänzende Sonnengöttin des Alpenraums, die uns aus dem Brauchtum auch als Schönpercht bekannt ist und deren hohe Zeit mit der Wintersonnenwende wieder ins Land zu ziehen beginnt. Wir schneiden in den dunkelsten Tagen des Jahres die Barbarazweige, um die Frühlingsgöttin damit auf magische Weise wieder zu rufen. Die Bergleute verehren die hl. Barbara, damit sie von ihr immer wieder sicher hinauf „ins Licht“ des Tages gebracht werden. Mutter Erde als die Erdgöttin, als die Schwarze, verehren sie in Gestalt der hl. Anna, der christlichen Nachfolgerin der keltischen Erdgöttin Ambeth.

Barbara als christliche Vertreterin der Frühlingsgöttin schenkt uns im Frühling das neuerwachende, junge Leben! Sie ist es, die im Frühling auf der Erde alles wieder sprießen und wachsen lässt. Das, was für uns heute so selbstverständlich geworden ist, war für die Menschen früher gar nicht selbstverständlich gewesen. Sie unterstützten und feierten die das neue Leben schenkende Kraft der Erde mit ihren Ritualen und Festen.

In dieser dunkelsten Zeit des Jahres, von der wir gar keine Ahnung mehr haben in unserer Welt des künstlichen Lichts im Überfluss, drückten die Menschen früher ihre Hoffnung, dass das Leben mit der Geburt des Sonnenkindes und dem Frühling wiederkommen möge, in vielerlei Symbolik aus. Eines dieser Symbole sind die Barbarazweige.

Die alte Symbolik der Barbarazweige wird bis in unsere heutige Zeit transportiert. Doch wie bei vielen vorchristlichen Bräuchen ist der Blickwinkel, mit welchem wir dieses Symbol heutzutage betrachten, zu eng gefasst. Denn es geht beim Brauch der Barbarazweige nicht um das „Glück oder die Liebe einzelner Frauen oder Familien“, sondern mit diesem „Glück“, das uns die Barbarazweige anzeigen, ist das im Frühling auf die Erde wiederkehrende, junge Leben gemeint.

Die Barbarazweige waren und sind magische Hoffnungsträger für die Menschen. Dahingehend, dass die Kosmische Göttin zur Wintersonnenwende das Sonnenkind neu gebären wird, damit dieses wieder wachsen wird und dann, wenn ihre Kraft groß genug geworden ist, das neue Leben allerorts wieder hervorsprießen wird. So wie zur Wintersonnenwende die Kirschzweige im Kleinen erblühen, so möge die Frühlingsgöttin in einigen Monaten überall auf der Erde die Bäume wieder erblühen lassen…

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