10.10.2017, 21:07 Uhr

Ein Stück griechischer Mythologie in Neumarkt entdeckt

Bürgermeister Adi Rieger (links) und Landesrat Heinrich Schellhorn mit dem kleinen Achill. (Foto: Franz Neumayr / Land Salzburg)

Eine einzigartige Bronzefigur zeigt den griechischen Helden Achill und wurde bei Ausgrabungen des römerzeitlichen Gutshofs von Pfongau entdeckt.

NEUMARKT (jrh). "Der Fund war ein richtiger Glücksfall", erzählt Landesarchäologe Raimund Kastler und ergänzt: "Die Grabungen waren schon abgeschlossen und wir waren gerade mit der Rückführung der Erde beschäftigt. Plötzlich entdeckten wir diese kleine Figur. Gott sei dank sind wir bei allem was wir tun immer sehr vorsichtig." Nach erster Betrachtung war allen recht schnell klar, dass es sich bei der Figur um eine Darstellung aus der griechischen Mythologie handeln muss. Und zwar zeigt die antike Bronzefigur quasi die Geburtsstunde des griechischenen Helden Achilles. Dieser wird nämlich gerade von seiner Mutter Thetis kopfüber in den Unterweltfluss Styx gehalten. Dadurch soll er gemäß der Sage (fast) unverwundbar geworden sein. Nur die Achillesferse kam nicht in Kontakt mit dem Wasser und blieb so verwundbar.

Interessante Rückschlüsse

"Diese Bronzefigur zeigt, wie eng der Raum nördlich der Alpen mit der griechisch-römischen Kultur und ihren Mythen verbunden war. Dies verweist auch auf einen entsprechenden Bildungshintergrund der Besitzerfamilie, die mit Sicherheit zur lokalen Oberschicht gehörte und wichtige politische Ämter in Iuvavum, dem heutigen Salzburg, ausübte", erklärt Felix Lang, der an der Universität Salzburg die Fachbereiche Altertumswissenschaften, Klassische und Frühägäische Archäologie lehrt, bei der Präsentation des Fundes im Neumarkter Museum Fronfeste.

Mehrere Funde

Bei den Ausgrabungen im Juli wurde unter anderem auch eine komplette Schwelle einer Tür entdeckt. Diese war allerdings verbrannt, was laut Kastler auf eine Brandkatastrophe hinweisen könnte. Außerdem fand man auch ein Langschwert. "Normalerweise befinden sich auf einen Gutshof nur Waffen für die Jagd, aber diese Art von Schwert wurde eigentlich nur vom römischen Heer verwendet. Das sich so eine Waffe – trotz damiligen recht strengen Waffengesetzen – auf einem privaten Anwesen finden lässt, deutet auf eine nahende Bedrohung hin", analysiert Kastler. Der Landesarchäologe vermutet, dass sich die römischen Bürger vor den herannahenden Germanenstämmen schützen wollten. "Es kann aber auch sein, dass zu der Zeit Bürgerkrieg in der Gegend herrschte", meint Kastler.

Sonderausstellung im Mai 2018

Die kleine Achilles-Bronzefigur, das römische Langschwert und weitere Funde der diesjährigen Ausgrabungen in Pfongau können voraussichtlich im Mai des nächsten Jahres im Neumarkter Museum Fronfeste erstmals begutachten und bewundert werden. "Das freut uns natürlich", so Museumsleiterin Ingrid Weydemann.

Enge Zusammenarbeit

Die archäologische Erforschung des römerzeitlichen Gutshofs von Neumarkt-Pfongau ist ein Kooperationsprojekt der Landesarchäologie des Salzburg Museums, des Fachbereichs Altertumswissenschaft der Universität Salzburg, der Stadt Neumarkt und dem Museum Fronfeste. Diese Zusammenarbeit besteht seit knapp zehn Jahren und bietet detaillierte Rückschlüsse auf das Leben in unserem Land in der Römerzeit. Der römische Gutshof von Neumarkt gilt als die am besten erforschte "villa rustica" in Österreich. Für diese erfolgreiche Kooperation, die eine ergebnisreiche Erforschung unserer Landesgeschichte ermöglicht, möchte ich mich bedanken", so Kulturlandesrat Schellhorn bei der Präsentation der Funde.

____________________________________________________________________________________
DU möchtest täglich über aktuelle Stories informiert werden? Melde Dich zum kostenlosen "Whats-App“-Nachrichtendienst der Bezirksblätter Salzburg an! Alle Infos dazu gibt's hier: meinbezirk.at/1964081.
ACHTUNG: Erst nach erfolgreich übermittelter Start-Nachricht ist der Dienst aktiv!
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.