19.09.2014, 16:31 Uhr

Mit "DocStop" will Polizei erkrankte Fernfahrer medizinisch unterstützen

(Foto: Polizei)
Chefinspektor Rudolf Diethard von der Landesverkehrsabteilung Salzburg hat für einen Polizisten eine ungewöhnliche Aufgabe. Er ist im Rahmen des „Fernfahrerstammtisches“ am Autobahngrenzübergang Walserberg Ansprechpartner für Fernfahrer. Im Falle einer Erkrankung neige diese Berufsgruppe fernab ihres Heimatlandes gerne zur Selbstmedikamentation nicht unbedingt rezeptfreier Medikamente neigen. Hier setzt das Projekt "DocStop", an, das die Polizei gemeinsam mit Arbeiterkammer und Gebietskrankenkasse eingeführt hat. Fernfahrer erleben bei diesen Gesprächen die Polizei als Partner für Sicherheit im Straßenverkehr und nicht in erster Linie als Überwachungsorgane zum Aufdecken und Sanktionieren von Fehlverhalten, erklärt Rudolf Diethard.

Fernfahrer stehen oft unter hohen Druck. Liefertermine müssen unbedingt eingehalten werden (Stichwort: „just in time transport“), Fähren müssen erreicht werden und vieles mehr. Wie in jeder anderen Berufsgruppe auch, gibt es krankheitsbedingte Ausfälle. Oft befinden sich Fernfahrer im Ausland und sind der dort landesüblichen Sprache nicht mächtig und wissen im Krankheitsfall nicht, an wen sie sich wenden sollen. Aus dieser Situation heraus greifen Vertreter die Fahrer oftmals zur Selbstmedikation. Und genau diese kann im Straßenverkehr zur Gefahr werden. Wie man aus Erfahrung weiß, wird die Eigenbehandlung nicht nur mit rezeptfreien Medikamenten durchgeführt. Auch verschreibungspflichtige Arzneimittel werden oft ohne ärztliche Anweisung eingenommen.

Um bei entsprechenden Situationen helfen zu können, hat die Polizei auch mit der Arbeiterkammer und Gebietskrankenkasse Gespräche geführt und in das Projekt „DOCSTOP“ eingebunden.

In Deutschland gibt es bereits seit dem Jahr 2000 an den Autorasthöfen runde Tische oder Fernfahrerstammtische, die von der Polizei initiiert werden. Dabei begegnen die Berufsfahrer auf „neutralem Boden“ der Polizei, wo sich die Polizisten die Sorgen und Nöte der Berufsfahrer anhören. Bei diesen Gesprächen hat sich deutlich gezeigt, dass Erkrankungen von Fernfahrern im Ausland ein für die Betroffenen und die Verkehrssicherheit dramatisches Problem darstellt.

Chefinspektor Rudolf Diethard: "Wenn es gelingt, auch nur einen Unfall zu verhindern, der durch die Auswirkungen von Selbstmedikation ausgelöst worden wäre, haben wir schon gewonnen."
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