21.06.2017, 14:46 Uhr

Naturschauspiel am Mond- und Attersee

Seelaube, Foto: E. Wolf
Gaisberg: Forschungsinstitut für Limnologie, Mondsee |

Nicht nur im Norden Alaskas gibt es Fischzüge, auch bei uns in Österreich ist dieses besondere Naturschauspiel einmal im Jahr zu beobachten. Wer im Mai die Flüsse zum Mond- und Attersee im oberösterreichischen Salzkammergut entlangwandert, kann Perlfischen (Rutilus meidingeri), Seelauben (Alburnus mento) und Rußnasen (Vimba vimba) bei ihrer Laichwanderung zusehen.

Europa-Schutzgebiet im Salzkammergut


Perlfisch und Seelaube sind der Grund, dass das mehr als 6000 ha große Gebiet von Mond- und Attersee von der EU als NATURA 2000 Schutzgebiet – Teil eines europaweiten Netzwerks an Schutzgebieten - ausgewiesen wurde. Menschliche Eingriffe in diese Gebiete sind nur erlaubt, solange sie den Erhaltungszustand des jeweiligen Schutzgutes nicht erheblich beeinträchtigen. Die beiden Fischarten haben in diesen Seen und den zubringenden Flüssen ihren Verbreitungsschwerpunkt in Österreich und sind in der Roten Liste als gefährdet eingestuft.

Laichzug in die Flüsse

Diese heimischen Fischarten leben die meiste Zeit ihres Lebens in den beiden Seen. Nur im Frühjahr, wenn die Wassertemperatur steigt, beginnen sich die Fische an der Einmündung der Zeller Ache in den Mondsee und der Seeache in den Attersee zu sammeln. Der typische Laichausschlag der Männchen, dem die Perlfische ihren Namen verdanken, ist nun deutlich am Kopf sichtbar. Die männlichen Rußnasen haben eine starke Laichfärbung angenommen. Die Fische kämpfen sich gegen die Strömung und sind dabei -besonders von Brücken- sehr gut bei ihrer Wanderung in die Oberläufe der Flüsse zu beobachten. Nachdem die Fische ihre Eier auf den Kiesbänken der Zuflüsse abgelegt und befruchtet haben, kehren sie wieder in die Seen zurück. Die in den Flüssen zurückgelassene Fischbrut entwickelt sich dann im sauerstoffreichen Fluss ohne das Zutun der Eltern.

Rückbau von Wanderschwellen

Obwohl die Laichwanderungen jedes Jahr stattfinden, sind sie in diesem Jahr von ganz besonderem Interesse und werden daher im Rahmen einer Masterarbeit von Elisabeth Wolf am Forschungsinstitut für Limnologie, Mondsee, verfolgt und vom Fischökologen Josef Wanzenböck betreut. Im Jahr 2016 wurde nämlich eine Wehranlage in der Zeller Ache, die die Wanderaktivität der Fische stromaufwärts unterbrochen hatte, rückgebaut um das Laichgewässer stromaufwärts weiter zugänglich zu machen. Nun wird untersucht, ob die Fische diese Maßnahme für ihre Laichzüge schon heuer annehmen oder noch durch den massiven Eingriff in den Lebensraum abgeschreckt wurden. In der Seeache, also der Verbindung zwischen Mond- und Attersee, werden heuer ebenfalls Wehranlagen entfernt und die Durchgängigkeit des Laichgewässers wieder hergestellt.

Genetischer „Fingerabdruck“ von Fischen im Gewässer

Eine neuartige Untersuchungsmethode um Organismen in einem Gewässer zu detektieren, ist die Analyse der e-DNA, oder „environmental DNA“ (Umwelt-DNA), die auch im Zuge dieser Masterarbeit zum Einsatz kommen soll. Fische geben ständig Schuppen und Hautfragmente ins Wasser ab, die ihre genetische Erbsubstanz beinhalten. Aus den Wasserproben von Zeller und Seeache kann diese Erbsubstanz der Fischarten analysiert werden und einer bereits vorhandenen genetischen Datenbank zugeordnet werden. Damit kann der Nachweis ihres Vorkommens erbracht werden, ohne die Fische zu fangen und in ihrer Laichaktivität zu beeinträchtigen.

Laichwanderung der Seelauben, Perlfische und Rußnasen am Mondsee - Video auf unserer Newsseite unter https://www.uibk.ac.at/limno/news/#fisch-video anklicken.
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