19.06.2017, 10:06 Uhr

Salzburg schießt sehr viel Geld in den Wind

Feature Windenergie, Windrad, Mast, Alternativenergie, Alternativenergienutzung, umweltfreundlich, erneuerbare Energie, Landschaft, Windkraftwerk, Stromerzeugung Foto: Franz Neumayr 27. Juni 2003

Die Wertschöpfung von Windrädern ist enorm - und geht am Land vorbei. Einzelne Firmen aber sind ganz vorne mit dabei.

THALGAU (lin). In Summe drehen sich in Österreich rund 1.200 Windräder mit einer Gesamtleistung von mehr als 2.600 MW. Das sind rund neun Prozent des österreichischen Stromverbrauches. 5.000 Menschen arbeiten im Windenergie-Sektor: Offizieller Umsatz: 750 Millionen, Experten schätzen, dass es wesentlich mehr sein muss. Am Bundesland Salzburg aber geht diese wirtschaftliche Trend mit Wachstumspotenzial zur Gänze vorbei. Hier steht noch immer kein einziges Windrad.

Salzburg zahlt und kassiert nicht

Die Ökostromabgabe kostet rund 100 Euro pro Jahr und Haushalt, rund 35 Euro davon sind für die Windkraft reserviert. "Das zahlen alle Östtereicher", sagt Martin Fliegenschnee-Jaksch, Sprecher der IG-Windkraft Österreich. "Aber viele Bundesländer holen sich das durch die regionale Wertschöpfung locker zurück. Salzburg schießt da viel Geld in den Wind."

Nichts geht in Thalgau

Bei diesem Fünf-Millionen-Europrojekt am Lehmberg liegen seit vielen das Bundesheer, eine Anrainer-Initiative und der Naturschutz quer. Alles steht. "Es fehl am klaren politischen Willen. Und die Beamten kennen sich nicht aus und schieben die schwarzen Peter von einer Abteilung in die andere, anstatt sich bei den Kollegen in anderen Bundesländern über die Einzelheiten von Genehmigungsverfahren zu informieren". Bei den Burgenländern zum Beispiel. Dort wurde 2006 beschlossen, dass man in sieben Jahren Vollversorgung mit Windstrom will. 2013 war das erreicht, heute produziert das Burgenland 130 Prozent seines Bedarfs mit dem Wind.

Umsatz gesichert, nur 1/3 haben rückmeldung gemacht. Vermutlich deutlich höher.

Peter Stiegler
Problem Salzburg: Salzburg hattre alle Chance, am Aiusbau mitzuwirken und an der Wertschöpfung mit zu naschen. (Bei Bau 5 Mio. Euro, davon Hälfte bleibt regionale Wertschöpfung. Sbg lässzt sich viel Geld entgehen. Sbg bezahlt Ökostromabgabe pro KWattStunde 100 Euro Haushalt/Jahr. 35 Euro Windstrm.
Verschlafen.

3 Gründe:
Polit.
1. Willen, aber Windmasterplan fehlt (nur vage Ziele) Burgenland 2006 beschlossen 2013 vollständig. Jetzt: 130 Prozent.
1a Ziel definiderte
1b Umsetzung Regionalgesetzgebung mit klaren Rahmenbedingungen

Bgl, NÖ, Stm. sind gut Energie ist Landessache: Genehmigung vom Land. Beamte sollten sich informieren. Alle neu erfinden

Die stimme des windes.


er Anblick ist gewöhnungsbedürftig. Aber die bertiebswirtschaftlichen und ökologischen Argumente sprechen eindeutig für die Windkraft (Foto: Kolowind)

2-Megawatt-Anlage auf dem Lehmberg hängt noch am Naturschutz und am Militär. Salzburg letztes Bundesland ohne Windkraft
THALGAU (lin). Ja, Windräder sind umstritten. Mit einer Achsen-Höhe von 125 Metern und 110 Metern Rotorblattdurchmesser reicht die höchste Blattspitze 180 Meter in den Himmel. Tatsächlich sind diese Monstren in der Landschaft weihin sichtbar, irgendwie befremdlich und für viele auch furchteinflößend. Aber auch extrem nützlich, klimafreundlich, nachhaltig und nicht zuletzt wirtschaftlich rentabel. Trotzdem: Anders als in allen anderen österreichischen Bundesländern gibt es in Salzburg kein einziges dieser windgetriebenen Stromaggregate. Das soll sich noch heuer ändern.
Militär legt sich quer
Die Kolowind-Gesellschaft betreibt ein Projekt auf dem Thalgauer Lehmberg, das mit einem einzigen Windrad Strom für 1.200 Haushalte erzeugen könnte. Die Gemeindevertretung hat einstimmig "ja" gesagt, und direkte Anrainer, die gestört werden könnten, gibt es keine. Trotzdem läuft das Genehmigungsverfahren zäh. Während in Österreich (vor allem im Burgenland) insgesamt 1.200 Windräder klimaneutrale Energie erzeugen und rund ein Viertel des gesamten Haushaltsbedarfs decken, hat das Windrad in Thalgau ernst zunehmende Gegner. Das Bundesheer zum Beispiel versucht, die Anlage zu blockieren. Das Argument: Die Radarstation am Kolomansberg werde vom Windrad gestört. "Das kann wohl nicht sein", entgegnet Kolowind-Geschäftsführer Peter Stiegler: "Wir haben ein Gutachten von EADS, diese Firma baut den Eurofighter und des Airbus. Und diese Experten sagen, ein Windrad in dieser Entfernung eine Radaranlage nie und nimmer beeinflusst." Tatsächlich ist dieser Gutachter international tätig und ist auch von der Heeresverwaltung in anderen Bundesländern akzeptiert worden.
Pingeliger Naturschutz
Der Naturschutz des Landes Salzburg gilt als pingelig. So syuch in diesem Fall. Die Behörde verlangt Nachweise, das etwa Vögel oder Fledermäuse nicht beeinträchtigt werden. "Das könnten wir jederzeit nachweisen, auch in anderen Ländern ist das durch viele Expertisen belegt", so Stiegler. "Aber das kostet weitere 150.000 Euro. Und da muss uns das Land unterstützen. Denn ein derartiges Gutachten ist ja nicht nur für dieses eine Windrad, sondern für alle weiteren Anlagen im Land wertvoll."
Entwicklungsland Salzburg
Vehementer Widerstand bläst der Kolowind auch von einer Bürgerinitiative entgegen, die vor allem in Henndorf und Neumarkt aktiv ist. Sprecher Karl Krenn sagt, die Windräder würden das Landschaftsbild derart beeinträchtigen, dass der Tourismus geschädigt werden würde. "Außerdem ist die Windkraft nicht der neueste Stand, die Zukunft heißt Fotovoltaik", so die Bürgerinitiative. "Aber Fakt bleibt", entgegnet Stiegler, "alleine am Thalgauer Lehmberg wurde im vergangenen Jahr Strom für 6.500 Haushalte nicht abgeholt. Stattdessen haben wir sieben Mio. Liter Öl aus Nigeria, Kasachstan und Syrien zur Stromerzeugung in einem Heizkraftwerk verbrannt. "Wir erwarten daher, dass sich die Landesregierung entschlossen hinter dieses Projekt stellt, damit Salzbuzrg nicht energiepolitisches Entwicklungsland bleibt." Die Entscheidung von Politik und Bedhörde wird jedefalls noch im kommenden Dezember erwartet
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